Erweiterungsneubau Stadtverwaltung Weimar

ReimarHerbst.Architekten, Berlin

Zentrumsnah im westlichen Stadtgebiet befindet sich der Standort der Stadtverwaltung von Weimar. Die Schwanseestraße bildet hier die Grenze zwischen der als Denkmalensemble ausgewiesenen „Südwestlichen Stadterweiterung“ und dem Asbach-Grünzug mit der Weimarhalle. Auf dem Grundstück an der Schwanseestraße befinden sich die nach einem Wettbewerb in den Jahren 1935/37 errichteten, denkmalgeschützten Verwaltungsgebäude. Allerdings wurde das damalige Konzept des Weimarer Architekten Ernst Flemming nur teilweise realisiert.
Der Erweiterungsbau hat nun mit einer präzisen, einfachen Form den historischen städtebaulichen Torso ergänzt, in dem er den vorhandenen, rudimentären Platz zur Stadtterrasse ausbildet und diese damit als öffentlichen Raum zur Straße öffnet. Die Erdgeschoßzone des Neubaus wird auf dieser Ebene mit einem massiven Winkel am süd-östlichen Rand ausgeformt und der Baukörper über die ganze Länge durch eine raumhohe Verglasung zur Stadtterrasse geschlossen. Ein zentral angeordnetes, haushohes Atrium steht im räumlichen Bezug zum transparenten Erdgeschoß und der Stadtterrasse.
Mit seiner Stirnseite schiebt sich der Neubau mit klarer Geste in die Flucht des benachbarten Gebäudes an der Schwanseestraße und komplettiert die bauliche Kante zum Asbach-Grünzug. Er ergänzt als Passstück in direkter Beziehung zu den Altbauten das Verwaltungsensemble und bindet es dadurch fest in das innerstädtische Umfeld ein.
Der Erweiterungsbau am östlichen Grundstücksrand begrenzt die Stadtterrasse mit Durchgang zum Haus 3 und nimmt den Höhensprung in dem von Süden nach Norden zur Schwanseestraße und Asbach-Grünzug abfallenden Gelände auf. Es entsteht eine Folge von Freiräumen, die über Treppen mit dem Stadtraum verknüpft sind und Möglichkeiten bieten das Verwaltungsquartier zu durchqueren.
Der Haupteingang erfolgt jetzt von der Stadtterrasse über das Foyer in das Atrium des Neubaus, wo sich der Empfang und Wartebereich für das Bürgerbüro befindet. Cafeteria und Wartebereich sind durch Öffnungen und raumhohe Verglasungen untereinander zu einem Raumkontinuum verbunden und können auf die Stadtterrasse erweitert werden.
In den Obergeschoßen verteilen sich die Verwaltungsbüros als Zellenbüros ringförmig um das Atrium und den zentralen Kern mit Zwischenarchiven und Nebenräumen. Wartebereiche wurden am Atrium mit einer langen Sitzbank und an den Kopfenden des Kerns vorgesehen. Das Atrium ist oberhalb des Erdgeschosses verglast und mit einer umlaufenden Brüstung aus Fotobetonelementen horizontal gegliedert. Das Atrium ist der gemeinsame Raum in einem auch für Besucher offenen und transparenten Neubau. Die Organisation des Verwaltungsgebäudes ist von dieser Idee bestimmt.
Im Sockelgeschoss sind die Zentralarchive organisiert. Von hier wird der Neubau durch einen Verbindungsgang unter der Stadtterrasse mit dem Altbau verbunden.
Der Materialkanon des Altbaus wird in der Fassade des Neubaus aufgenommen und modifiziert. Die Außenfassaden haben einen travertinfarbene, mineralische Putzoberfläche erhalten. Alle Fenster sind klar lasierte Eichenholzfenster. Als außenliegender Sonnenschutz dienen Fallarm-Stoffmarkisen in geschoßweise abgestuften Grautönen.
Die Proportion des im Altbau vorhandenen stehenden Fensterformates wird im Neubau zu einem geordneten Spiel variiert. Ausgehend von den im Sockel- und Erdgeschoß zu großen, teilweise liegenden Öffnungen zusammengefassten Fenstern, nehmen die Größen der stehenden Fensteröffnungen nach oben ab. In die Putzoberfläche vertiefte Umrahmungen greifen in das Fassadenspiel ein und fassen die Fensteröffnungen zusätzlich zu Gruppen zusammen. Beide Treppenräume zeichnen sich in den Fassaden durch hohe, außenbündige Eichenholzfenster mit breiten Rahmen ab.
Das weiß beschichtete Atrium strukturieren horizontal umlaufende Fotobetonelemente in den Brüstungsbändern. Sie zeigen einen durch starke Vergrößerung abstrahierten Ausschnitt des Aktenstapels, den die auf der Stadtterrasse stehende Skulptur „Aktenmännchen“ in seinen Armen trägt. Das Motiv der Schichtung in dem Verwaltungsbau kann hier als Aktenstapel gelesen werden.

Adresse
Schwanseestraße 17
99423 Weimar

Planungsbüro
ReimarHerbst.Architekten, Berlin

Bauherr
Stadtverwaltung Weimar

Fertigstellung
2007

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Letzte Aktualisierung dieser Seite am: 25.10.2010. Alle Angaben auf dieser Seite werden durch das Büro ReimarHerbst.Architekten, Berlin auf freiwilliger Basis verwaltet. Das Büro ist für den Inhalt dieser Seite selbst verantwortlich. Die Angaben werden von der Architektenkammer Thüringen nicht geprüft.

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