Gestaltung öffentlicher Räume in der Altstadt von Schmalkalden

terra.nova Landschaftsarchitektur, München

Zeitspu(e)ren – Zwei Epochen, zwei Materialien

Beeindruckt von der vielschichtigen historischen Entwicklung der Stadt Schmalkalden, welche bis in das Frühmittelalter zurückreicht, werden die ästhetischen Gestaltqualitäten der verschiedenen Entwicklungsperioden mit Mitteln der Stadtbodengestaltung sichtbar gemacht. Nicht das einheitliche Bild einer Epoche steht im Vordergrund, sondern die qualitätsvoll hergestellte Gesamterscheinung einer gewachsenen Stadt und ihrer heterogenen Vergangenheit. Diese gilt es zu entdecken, um sie entsprechend den heutigen Anforderungen in einen neuen Gesamtzusammenhang zu stellen.

Ein wichtiger Bestandteil der Planung ist, mit dem Mittel der bildenden Kunst ein durchgehendes Konzept für die Vermittlung der historischen Spuren zu erreichen und die Historie mit der Gegenwartskunst zu einer neuen Qualität zu verbinden. Die Entwicklung der historischen Altstadt Schmalkaldens zeigt zwei wesentliche städtebauliche Entwicklungen, die ihre Entsprechung im Stadtgrundriss finden. Zum einen ist dies die ehemalige Marktsiedlung, die „Altstadt“ (Entstehung im 11. Jahrhundert), zum anderen die Siedlung im Bereich des Neuen Marktes, die „Neustadt“ (Entstehung im 15. /16. Jahrhundert). Die Altstadt zeigt einen rhythmischen Wechsel aus Gassen, Straßen und Plätzen mit zufällig anmutendem Verlauf und unterschiedlichsten Raumprofilen.

Demgegenüber zeigt sich die Stadtstruktur der „Neustadt“ geometrisch und „regelmäßig“. Für die jeweilige epochale Entstehung wird eine Art „Teppich“ gewebt, der durch die einheitliche Textur der Oberflächen zwei ganz klar voneinander unterscheidbare Bereiche definiert – die Alt- und die Neustadt. Während in der Altstadt entsprechend der stark variierenden Zuschnitte der Freiräume eine unregelmäßige Verlegeweise Anwendung findet, wird der Bereich der Neustadt mit einem regelmäßigen Belagsmuster gestaltet. Im Kernbereich der Altstadt, im Umfeld der Stadtkirche, wird das im Rahmen der archäologischen Grabungen gesicherte Belagsmaterial wiederverwendet. Ein übergeordnetes
Kunstkonzept thematisiert punktuell vorgefundene historische Spuren, um diese im Sinne des gesamtheitlichen Gestaltungsansatzes dem Nutzer näherzubringen. Beispielsweise werden die historischen Verläufe der für Schmalkalden spezifischen Kunstgräben an räumlich wirksamen Stellen nachgezeichnet und illuminiert. Signifikant gestaltete Einlauf- und Auslaufbauwerke, Übergänge sowie gesteuerte Wasserereignisse unterstreichen die Künstlichkeit der Elemente.

Historische Brunnenstandorte werden mittels einfacher geometrischer Elemente, Bodenreliefs, Wasserteppiche, Wassersäulen und Weiterem akzentuiert. Diese künstlerisch gestalteten Einzelsituationen erzählen die Geschichten der Stadt – historisch bedeutsame, aber auch alltägliche.

Adresse
Schmalkalden

Planungsbüro
terra.nova Landschaftsarchitektur, München

Bauherr
Stadt Schmalkalden

Preise/Auszeichnungen
Thüringer Landschaftsarchitekturpreis 2009

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Letzte Aktualisierung dieser Seite am: 13.11.2010. Alle Angaben auf dieser Seite werden durch das Büro terra.nova Landschaftsarchitektur, München auf freiwilliger Basis verwaltet. Das Büro ist für den Inhalt dieser Seite selbst verantwortlich. Die Angaben werden von der Architektenkammer Thüringen nicht geprüft.

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