Urnengräberfeld Friedhof Meiningen

Büro für Freiraumplanung Frank Möbius, Erfurt

Aufgrund der Änderungen in der Bestattungskultur wünschen viele Friedhofsbenutzer die Beisetzung von Urnen in Gemeinschaftsanlagen und Grabarten mit reduziertem individuellem Pflegeaufwand. Nach Beratungen mit dem Friedhofsträger entschied dieser, verschiedene Möglichkeiten für die Urnenbeisetzung in einem gemeinsamen Gräberfeld vorzusehen.
Es werden Urnenbeisetzungen im Rasen ohne Namensnennung, Urnenbeisetzungen in Urnengemeinschaftsgräbern mit Namensnennung im Rasen und Pflanzflächen und Einzelurnenbeisetzungen im Rasen mit Namensnennung ermöglicht.

Die Wegefläche vor der denkmalgeschützten Anlage der sowjetischen Kriegstoten wurde zur Schaffung einer eigenen Räumlichkeit umgestaltet. Ein 5,00 m breiter Rasenstreifen höhengleich zum Weg angelegt und mit einer Baumreihe aus 5 Linden bildet diesen Raum. Aufgrund der Topographie des Geländes mit durchschnittlich ca. 8,7 % Neigung von Ost nach West wurden zwei hangparallel geführte Mauern errichtet, um in Verbindung mit Bodenab- und aufträgen weitgehend ebene Beisetzungsflächen herzustellen.

Die Gesamtfläche erhielt eine räumliche Fassung durch Baum- und Strauchpflanzungen. Dabei wurde der Zaunbereich auf der Südseite durch eine dichte Strauchpflanzung abgeschirmt. Der Zugang zur Anlage erfolgt über die verlängerte Achse des Hauptweges aus nordwestlicher Richtung. Das zentrale Meditationsobjekt (ein Würfel mit hoffnungsvollem Spruch) liegt in dieser Achse und ist über eine Treppenanlage erreichbar.
Ein Zugang ohne Stufen für Rollstuhlfahrer befindet sich am Hauptweg in der Nordostecke. Hier ist auch ein Abfallplatz geplant. In der Südostecke besteht eine Wegeverbindung zum Gräberfeld über den vorhandenen Kiesweg.
Als zentrales Meditationsobjekt dient ein Würfel. Damit wird das Quadrat mit einem Grundmaß von 30 cm und dem Mehrfachen für die gebauten Anlagenteile zu einer beherrschenden Aussage. Dazu sollen dann die pflanzlichen Elemente einen spannungsvollen Kontrast bilden.

Der Würfel mit einer Kantenlänge von 90 cm und einem Text auf der Draufsichtsfläche steht im Zentrum des Gräberfeldes. Der Würfel ist über die zum Zugangsweg weisende Ecke gekippt angeordnet. Durch das Kippen sind die Kantenlinien nicht mehr lot- und waagerecht und es entsteht ein spannungsvoller Körper. Der Text für die Draufsichtsfläche lautet: ‚Auch wenn ich gleich wüßte, daß morgen die Welt unterginge, so würde ich heute noch mein Apfelbäumchen pflanzen’. Der Inhalt des Textes soll Hoffnung vermitteln. Für die Gemeinschaftsgräber sind liegende Male als Namensträger in der Größe 60 x 60 x 30 cm und für die Einzelgräber Namensträger in der Größe 30 x 30 x 15 cm vorgesehen. Zentrales Meditationsobjekt, sowie die Namensträger und die Blumenablagen, sind aus dunkelfarbigem Granit (Impala) mit geschnittenen und gestrahlten Ansichtsflächen.

Die Befestigung der Wege und der beiden Platzflächen erfolgte mit Kalksteinkleinpflaster, welches in Segmentbögen verlegt wurde. Die beiden Platzflächen erhielten als randlichen Abschluß einen 30 cm breiten Plattenstreifen aus Kalkstein. Die Trennung der Rasenfläche zu den Urnengemeinschaftsgräbern erfolgt ebenfalls durch einen Plattenstreifen mit einer Breite von 60 cm aus Kalkstein. Die Mauern wurden aus alten Kalksteinblöcken des Auftraggebers als unregelmäßiges Schichtmauerwerk (Ansichtsflächen mit Bossen) und die Stufen aus Kalkstein mit gestockter Oberfläche errichtet. Damit soll auch durch die Materialauswahl auf die Einheit in diesem Gräberfeld hingewiesen werden.

Weitere beteiligte Architektur-/ Stadtplanungsbüros:
Büro für Freiraumplanung Möbius, Erfurt

Adresse
Parkfriedhof Berliner Straße 13
98617 Meiningen

Planungsbüro
Büro für Freiraumplanung Frank Möbius, Erfurt

Bauherr
Stadt Meiningen

Fertigstellung
2007

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Letzte Aktualisierung dieser Seite am: 25.09.2010. Alle Angaben auf dieser Seite werden durch das Büro Büro für Freiraumplanung Frank Möbius, Erfurt auf freiwilliger Basis verwaltet. Das Büro ist für den Inhalt dieser Seite selbst verantwortlich. Die Angaben werden von der Architektenkammer Thüringen nicht geprüft.

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