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Geschichtsort Kyffhäuser: Neugestaltung der zentralen Eingangssituation am Kyffhäuser- Nationaldenkmal

Ergebnis des nichtoffenen hochbaulichen und freiraumplanerischen Realisierungswettbewerbs

1. Preis: Cobe, Kopenhagen, Bild: Cobe 8 Bilder.
1. Preis: Cobe, Kopenhagen, Bild: Cobe

Das 81 Meter hohe Kyffhäuser-Denkmal erhebt sich auf einem Geländesporn in circa 420 Metern Höhe. Das Denkmal wurde zwischen 1890 und 1896 errichtet und ist nach dem Völkerschlachtdenkmal in Leipzig und dem Kaiser-Wilhelm-Denkmal an der Porta Westfalica das drittgrößte Denkmal in Deutschland.

Im Rahmen des Wettbewerbs, der durch den Kyffhäuserkreis ausgelobt wurde, waren innovative bauliche und freiraumplanerische Konzepte zu entwickeln. Gegenstand waren Entwürfe für das zentrale Eingangsbauwerk mit Schrägaufzug zur Verbindung von Burghof- und oberem Plateau samt oberem Ausstieg, für Parkhaus bzw. Parkdeck sowie für die Freiräume. Teilnahmeberechtigt waren Arbeitsgemeinschaften aus Architektinnen / Architekten sowie Landschaftsarchitektinnen/ Landschaftsarchitekten. 15 Arbeiten wurden zugelassen; als Wettbewerbssumme standen insgesamt 60.000 Euro (netto) zur Verfügung.

Das Preisgericht unter Vorsitz von Matthias Dreßler, Architekt BDA in Halle, kürte den Entwurf des Kopenhagener Büros Cobe mit dem ersten Preis. Dieser besteche „durch sein aus der Landschaft entwickeltes schlüssiges Gesamtkonzept, durch das der Geschichtsort Kyffhäuser eine deutliche Aufwertung erfährt“. Das in der Nische des Felsens positionierte Eingangsgebäude bilde mit den sich südlich anschließenden Rasenterrassen eine zurückhaltende und doch präsente neue Eingangssituation. „So erweist der Neubau dem historischen Denkmal aus der Kaiserzeit seinen Respekt, stellt sich aber in seiner klaren, transparenten Architektursprache auch selbstbewusst neben bzw. unter Burghof und Kyffhäuserdenkmal als Vertreter einer anderen, mittlerweile demokratischen Gesellschaftsordnung.“

Ergebnis

1. Preis (30.000 Euro)

  • Cobe, Kopenhagen

2. Preis (18.000 Euro)

  • AFF Architekten, Berlin
    POLA Landschaftsarchitekten, Berlin

Zwei Anerkennungen (je 6.000 Euro)

  • marte.marte Architekten, Feldkirch (Österreich)
    WES GmbH LandschaftsArchitektur, Hamburg
  • motorplan Architekten BDA, Johann Bierkandt, Weimar
    impuls°landschaftsarchitektur Ehrensberger Facius Facius, Jena

Ausstellung

Die Wettbewerbsarbeiten werden vom 9. Juni 2020 bis zum 21. Juni 2020 im Regionalmuseum im Schloss von Bad Frankenhausen ausgestellt. Die Ausstellung kann zu den Öffnungszeiten des Schlosses (Dienstag bis Sonntag 10:00 bis 17:00 Uhr) besichtigt werden.

Beurteilung des Preisgerichts zum ersten Preis:
Der ankommende motorisierte Besucherstrom wird bereits im Westen des Burghofes in ein zweigeschossiges Parkdeck geleitet. Nur die Stellplätze für zwei Busse, sechs Caravan und sechs Behinderten-Pkw befinden sich auf der zum Teil begrünten Oberfläche der Parkierungsanlage, allerdings unterhalb einer etwa 1,5 m hohen Stützmauer, sodass sie aus den Räumen des Burghofes kaum sichtbar sind. Östlich der Stellplätze folgt die Buswendeschleife und der Zugang zum einladenden Eingangsgebäude über weitläufige Rasenterrassen (nur noch für Fußgänger Lieferfahrzeuge und Feuerwehr). Das neue Eingangsgebäude fügt sich wie selbstverständlich in den Landschaftsraum und bleibt deutlich unter der Firstlinie des Burghofes. Das in der Nische des Felsens positionierte Gebäude bildet mit den sich südlich anschließenden Rasenterrassen eine zurückhaltende und doch präsente neue Eingangssituation. So erweist der Neubau dem historischen Denkmal aus der Kaiserzeit seinen Respekt, stellt sich aber in seiner klaren, transparenten Architektursprache auch selbstbewusst neben bzw. unter Burghof und Kyffhäuserdenkmal als Vertreter einer anderen, mittlerweile demokratischen Gesellschaftsordnung. Gemeinsam mit den vor gelagerten Rasenterrassen ermöglicht das Eingangsgebäude Veranstaltungen, die über den in der Ausschreibung geforderten Rahmen noch hinausgehen. Das Ausstiegsbauwerk hält den nötigen Abstand zum Turm des Denkmals ein und von oben fällt der Blick der Besucher auf die weitläufigen Rasenterrassen, die harmonisch in den umgebenden Landschaftraum übergehen, während man das neue Gebäude unter seinem Gründach erst auf den zweiten Blick erkennt. Der Entwurf besticht durch sein aus der Landschaft entwickeltes schlüssiges Gesamtkonzept, durch das der Geschichtsort Kyffhäuser eine deutliche Aufwertung erfährt.

veröffentlicht am 10.06.2020 von Björn Radermacher · Rubrik(en): News, Wettbewerbe nach RPW - Ergebnisse

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