MUT ZUR LÜCKE – MUT ZU NEUEM 5.0: Lutherstadt Wittenberg

Erfurter Büro dma gewinnt nichtoffenen Wettbewerb in Zusammenarbeit mit Matthias Stäbler aus Wittenberg

1. Preis: Matthias Stäbler, Lutherstadt Wittenberg, mit dma deckert mester architekten, Erfurt, Bild: Matthias Stäbler / dma deckert mester architekten 6 Bilder.
1. Preis: Matthias Stäbler, Lutherstadt Wittenberg, mit dma deckert mester architekten, Erfurt, Bild: Matthias Stäbler / dma deckert mester architekten

Der Wettbewerb „MUT ZUR LÜCKE“ ist eine Initiative der Architektenkammer Sachsen- Anhalt, die Durchführung wird vom Ministerium für Landesentwicklung und Verkehr gefördert. Gemeinsames Anliegen ist der zeitgenössische Umgang mit innerörtlichen Lücken und die Schaffung von Angeboten für attraktives und innovatives Wohnen unter Berücksichtigung von Energiewende und demografischer Entwicklung.

Bei diesem Wettbewerb in der Wittenberger Altstadt soll die Lücke in der stadtbildprägenden Straßenrandbebauung entlang der Collegienstraße durch eine Wohnbebauung mit Geschäftsunterlagerung geschlossen werden. Raumkonzept und Ausstattung sollen den Anforderungen an altersgerechtes und generationsübergreifendes Wohnen, an eine nachhaltige wirtschaftliche Nutzung der Gewerbebereiche sowie an ökologischen Bauen mit einem zukunftsfähigen Energiekonzept gerecht werden. Zudem sind flexible Nutzungsoptionen vorzusehen. Die Bebauung soll eine architektonische Vorbildwirkung für die Fortsetzung des Sanierungsgeschehens in der Altstadt und insbesondere für eine zeitgemäße Umsetzung der Grundsätze des städtebaulichen Denkmalschutzes durch zukunftsfähige Nutzungen entfalten.

Teilnahmeberechtigt waren Architektinnen und Architekten aus Sachsen-Anhalt, sie konnten aber, auch länderübergreifend, Arbeitsgemeinschaften bilden. Elf Arbeiten wurden zum Wettbewerb eingereicht; als Wettbewerbssumme standen 15.000 Euro (brutto) zur Verfügung. Das Preisgericht tagte am 5. November unter Vorsitz von Thomas Dietzsch, Freier Architekt in Halle (Saale).

Ergebnis

1. Preis (3.000 Euro)

  • Matthias Stäbler – das atelier, Lutherstadt Wittenberg
    mit dma deckert mester architekten bda, Erfurt

2. Preis (2.500 Euro)

  • Franz Jirsch, Norman Walla, Köthen

3. Preis (2.000 Euro)

  • Axel Kiehn – BauKasten.architekten.ingenieure GbR, Halle (Saale)

Beurteilung durch das Preisgericht zum 1. Preis:

Der Verfasser schließt die Baulücke in der Collegienstraße mit einem dreigeschossigen Baukörper. Der Entwurf nimmt die historische Leiterstruktur auf und interpretiert sie modern. Das Erdgeschoss zieht sich bis zur Wallstraße in einer geschwungenen Form. Im südlichen Bereich wird die Baulinie im Bereich der Wallstraße aufgenommen und im Obergeschoss freigestellt. Im 1. Obergeschoss werden freistehende Quader auf das Erdgeschoss platziert. Die Erdgeschosszone ist als flexible Gewerbeeinheit geplant bzw. werden Vorschläge im südlichen Erdgeschossbereich für die Nutzung als Wohnungen angeboten. In den Obergeschossen der Quader sind Wohnungen von 35 – 100 m² untergebracht. Insgesamt gibt es 16 Wohnungen. Die Wohnungen sind größtenteils barrierefrei. Die beiden vorderen Gebäudeteile haben einen Aufzug im mittig angeordneten Erschließungskern. Die Grundrisse sind gut organisiert. Es werden verschiedene Varianten angeboten, wobei die Nord-Süd-Ausrichtung zu bevorzugen wäre. Alle drei Gebäudebereiche folgen einem ähnlichen Prinzip. Den Wohnungen sind begehbare begrünte Dachterrassen und Loggien zugeordnet. Im Untergeschoss liegt eine Tiefgarage, die von der Wallstraße aus erschlossen wird. Damit wird auf den Geländeversprung reagiert. Konstruktiv sollen die Gebäude in klassischer Massivbauweise errichtet werden. Das Satteldach des Hauses in der Collegienstraße ist eine Holzkonstruktion mit Ziegeleindeckung. Das Erdgeschoss wird als Stahlbetonskelettkonstruktion erstellt. Die Fassade in der Collegienstraße nimmt die historische regelmäßige Öffnungsstruktur auf. Die Fenster sind flächenbündig gesetzt. Die ehemalige Fassadenstruktur soll durch Sgraffitotechnik als Putzfassade sichtbar gemacht werden. Die recht dominant wirkenden Gauben sind unregelmäßig aufgesetzt und wirken in der Perspektive sehr Straßenbild prägend. Der Höhenunterschied von den Nachbargebäuden wird jedoch durch die Gaubenstruktur gut vermittelt. Jedoch sollten die Proportionen der Gauben überarbeitet werden. Der Entwurf hat eine gute Ausnutzung von Wohn- und Nutzfläche zur Bruttogeschossfläche. Der Entwurf ist städtebaulich umsetzbar und baurechtlich bestehen keine Bedenken.

veröffentlicht am 18.01.2019 von Björn Radermacher · Rubrik(en): News, Wettbewerbe nach RPW - Ergebnisse

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