Neue Saalequerung zwischen Altstadt und Heinrich-Heine-Park in Rudolstadt

Ergebnis des nichtoffenen, baulichen und freiraumplanerischen Ideenwettbewerbs

Perspektive 1. Preis: Prof. Michael Mann, stock landschaftsarchitekten, Bild: Prof. Michael Mann, stock landschaftsarchitekten 12 Bilder.
Perspektive 1. Preis: Prof. Michael Mann, stock landschaftsarchitekten, Bild: Prof. Michael Mann, stock landschaftsarchitekten

In Rudolstadt sind die dicht bebauten Altstadtbereiche mit Residenzschloss, Schillerhaus und anderen kulturhistorischen Besonderheiten durch die Saale, die Bahnlinie und die Bundesstraßen vom Naherholungsgebiet im Süden, dem Heinrich-Heine-Park, abgetrennt. Ein langfristiges Stadtentwicklungsprojekt sieht deshalb den Ausbau und die Gestaltung einer zentral gelegenen Nord-Süd-Achse vor. Ein wesentlicher Baustein dieser Verbindung ist eine neue Fußgängerverbindung über die Saale im Bereich westlich des Bahnhofsgebäudes.

Im Rahmen dieses Wettbewerbs der Stadt waren innovative architektonische und baulich-konstruktive Konzepte und Ideen für die geplante neue Querung von Saale und Bahn, über ein Brückenbauwerk oder eine Kombination aus Brücke und Unterführung, zu entwickeln sowie deren städtebauliche Verknüpfung und freiraumplanerische Einbindung darzustellen. Insbesondere sollte auf Seite des Parks eine attraktive Ufergestaltung mit Aufenthaltsqualität die Einbeziehung und Erlebbarkeit der Saale in den Stadtraum verbessern und der Naherholungs- und Sportbereich Heinrich-Heine-Park besser mit dem städtischen Umfeld verbunden werden. Die Ergebnisse bilden die Grundlage für weitere Realisierungsschritte.

Teilnahmevoraussetzung war die Bildung von Arbeitsgemeinschaften aus Architekten und/oder Ingenieuren mit Landschaftsarchitekten (zwingend). Zehn Arbeiten wurden zur Beurteilung zugelassen. Als Wettbewerbssumme standen insgesamt 80.000 Euro (netto) zur Verfügung. Die Jury tagte am 10. Juli unter Vorsitz von Prof. Ingrid Burgstaller, Architektin und Stadtplanerin in München.

Ergebnis

1. Preis (25.000 Euro):

  • Architekt: Prof. Michael Mann, Architekt BDA, Erfurt
    Landschaftsarchitekt: stock landschaftsarchitekten, Jena

2. Preis (15.000 Euro):

  • Ingenieur: Mayr Ludescher Partner Beratende Ingenieure, München
    Landschaftsarchitekt: Lex Kerfers Landschaftsarchitekten und Stadtplaner, Bockhorn

Anerkennungen (je 5.000 Euro):

  • Architekt: Ferdinand Schmelzer Dott. Architekt, Berlin
    Ingenieur: Dr.-Ing. Gerhard Setzpfandt, Weimar
    Landschaftsarchitekt: Heiko Donath, Landschaftsarchitekt, Weimar
  • Architekt: J2M Jecken Mayr Metz Architekten, München
    Ingenieur: Bergmeister Ingenieure, München
    Landschaftsarchitekt: el:ch Landschaftsarchitekten, München

Ausstellung:
Die Wettbewerbsarbeiten werden vom 15. Juli bis einschließlich 25. Juli 2019 im Bürgersaal in Rudolstadt ausgestellt. Die Ausstellung kann zu den Öffnungszeiten des Rathauses besichtigt werden (Dienstag 9:00 bis 16:00 Uhr, Mittwoch 9:00 bis 12:00, Donnerstag 9:00 bis 18:00, Freitag 9:00 bis 12:00).

Beurteilung des Preisgerichts zum 1. Preis:
Die Verfasser übernehmen die bestehende Unterführung mit ihren Aufzügen und öffnen die Enden an beiden Seiten. Durch eine minimale Verschiebung der Treppen kann diesen Ausgängen die notwendige Großzügigkeit gegeben werden. Richtung Stadt gelangt man auf einen schön gestalteten Platz, dem Saale-Foyer. Er hat jedoch das Manko, dass die Wegeführung nicht an der vorhandenen Ampelanlage mit Überweg endet und auch die Rampenführung in ihrer Sinnhaftigkeit und Funktionalität hinterfragt wird. Richtung Saale ist bereits im Tunnel das Grün der Saaleauen zu sehen, da die Brücke seitlich versetzt ist. Die Umlenkung wird geschickt über die neue Saaleterrasse gelöst, welche ein sehr interessanter südorientierter Aufenthaltsbereich werden kann. Auch die sorgfältige Gestaltung der Uferzone auf der Parkseite wird positiv bewertet. Die am fast schwebenden Tragwerk abgehängte Brücke erlaubt eine geringere Aufbauhöhe des Bewegungsraumes und damit verkürzte Rampenlängen. Allerdings wird die Konstruktion in Wirklichkeit massiver sein müssen. Die Lage der nördlichen Stützen auf der auskragenden Platte ist ebenfalls zu hinterfragen. So sehr die prinzipielle Konstruktion des Brückenträgers positiv bewertet wird, so muss doch auch ein erhöhter Reinigungsaufwand aufgrund der Inbesitznahme durch Insekten und Vögel sowie Vandalismus befürchtet werden. Der Vorschlag erscheint wirtschaftlich, da die bestehende Unterführung und die Aufzüge aufgenommen werden. Der Umbau der Treppen ist ein relativ geringer Eingriff und muss auch nicht am Anfang stehen. Die relativ bescheidenen Umbauten im Norden und im Süden bei Gleis 3 sind weniger abhängig vom Bahnverkehr, da die Hauptstrecke über Gleis 1 und 2 verläuft. Zwei Bauabschnitte sind hier problemlos möglich. Die Einhaltung der Anforderungen bezüglich des Hochwassers im Brückenbereich ist gegeben. Allerdings greift die Rampenanlage minimal in den Retentionsraum der Saale ein. Die Arbeit überzeugt mit ihrer Grundidee, die Unterführung in zwei sorgfältig gestaltete Bereiche mit Aufenthaltsqualität zu enden und einer ausgesprochen positiven atmosphärischen Wirkung, die zum städtebaulichen Duktus der ehemaligen Residenzstadt Rudolstadt zu passen scheint.

veröffentlicht am 17.07.2019 von Björn Radermacher · Rubrik(en): News, Wettbewerbe nach RPW - Ergebnisse

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