Neugestaltung Marktplatz in Neustadt an der Orla

Ergebnis des freiraumplanerischen Realisierungswettbewerbs

1. Preis: terra.nova Landschaftsarchitektur, München 6 Bilder.
1. Preis: terra.nova Landschaftsarchitektur, München

Die Stadt Neustadt an der Orla hat das Ziel, innerhalb der kommunalen Sanierungsbemühungen die Altstadt mit ihrer zentralen Bedeutung als „Stadtmitte“ und als historischer Handelsstandort zu sichern und weiter zu vitalisieren. Gerade der stadtbildprägende Stadtraum des Marktplatzes mit den wichtigen geschäftlichen, kulturellen und touristischen Funktionen ist gegenwärtig in einem funktionalen und gestalterischen Zustand, welcher der historischen, gegenwärtigen und zukünftigen Bedeutung des Altstadtkerns als „Herz der Stadt“ noch nicht entspricht.

Mit dem Wettbewerb soll ein attraktives und ausgewogenes Entwurfskonzept unter Abwägung von Stadtgestalt, Denkmalschutz, Einkaufs- und Wohnumwelt und der Problematik von Anlieger- und ruhendem Verkehr gefunden werden, das als Grundlage für die Realisierungsschritte genutzt werden kann. Die allgemeinen und standortkonkreten städtebaulichen Rahmenbedingungen sind entsprechend zu berücksichtigen.

Der Wettbewerb wurde als freiraumplanerischer Realisierungswettbewerb in Form eines nichtoffenen Wettbewerbs mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren ausgelobt. Teilnahmeberechtigt waren Landschaftsarchitekten und Stadtplaner. Elf Arbeiten wurden zum Wettbewerb zugelassen; als Wettbewerbssumme standen insgesamt 24.000 Euro (netto) zur Verfügung. Das Preisgericht tagte am 11. April in Neustadt an der Orla unter Vorsitz von Till Rehwaldt, Landschaftsarchitekt bdla in Dresden.

Ergebnis

  • 1. Preis (12.000 Euro)
    terra.nova Landschaftsarchitektur, München
  • 2. Preis (7.500 Euro)
    Franz Reschke Landschaftsarchitektur, Berlin
  • 3. Preis (4.500 Euro)
    Planorama Landschaftsarchitektur, Berlin

In die engere Wahl kam die Arbeit des Erfurter Büros PSL Landschaftsarchitekten Ziegenrücker. Dorlas.

Beurteilung des Preisgerichts zum 1. Preis:

Der Entwurf nimmt konsequent Bezug auf die historische Bau- und Raumstruktur. Der Marktplatz wird als vierseitig gefasster Stadtplatz gestaltet. Das Rathaus und das benachbarte Quartier stehen AUF dem Platz. Umgesetzt wird dieser klassische Ansatz durch eine sehr qualitätvolle einheitliche Materialität, Struktur und stimmige Farbigkeit des Bodenbelags, der sich jeweils von Platzfront bis Platzfront erstreckt. Dezente lineare Elemente gliedern die Flächen (Rinnen/Bänder) und vermitteln den Übergang von der Platzfläche zu den Fassaden der Gebäude (Traufplatten).
Der Verzicht auf eine Markierung von Fahrbahnen im Bereich der Platzflächen wird grundsätzlich positiv bewertet. Er ermöglicht die Ausweisung von Mischverkehrsflächen. Im Bereich der Ernst-Thälmann-Straße steht diese Form der Gestaltung jedoch im Widerspruch zur vorhandenen Verkehrsfunktion. Die Erschließung der als Senkrechtparker in einer Reihe auf dem östlichen Teil des Marktes angelegten Stellplätze ist funktional. Der weitgehende Verzicht auf Stellplätze in der Rodaer Straße kommt auch hier der Aufenthaltsqualität zugute.
Insgesamt ermöglicht der Entwurf durch die Verschmelzung der Flächen und den reduzierten Einsatz räumlicher Gestaltungselemente eine sehr flexible Nutzung des Markplatzes. Die wenigen Elemente „sitzen“ gut in der Fläche, wenngleich der axiale Bezug des Marktbrunnens auf das Rathaus keine Entsprechung in der Architektur findet. Das Element Wassergraben wird historisch adäquat – als Teil eines übergreifenden Systems – angelegt und handwerklich qualitätvoll gefasst.
Die intensive Auseinandersetzung mit dem „Geist des Ortes“ wird u.a. auch in Details wie dem Brunnen und der Bank am Lutherhaus oder die Bezugnahme auf den Glockenguss von 1479 auf dem Markt deutlich. Andere Details insbesondere die Wahl der Sitzbänke, die technische Ausstattung des Marktbrunnens sowie der Beleuchtung bedürfen der weiteren Qualifizierung.

veröffentlicht am 22.05.2018 von Björn Radermacher · Rubrik(en): News, Wettbewerbe nach RPW - Ergebnisse

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