Stadtbausteine in Nordhausen erhalten Thüringer Staatspreis für Architektur und Städtebau 2016

Anerkennungen für „Sonnenhof“ in Jena sowie „Fuge no. 1“ in Seitenbrück

Gruppenbild mit dem Preisträger: Architekt Thomas Wittenberg, Dr. Klaus Sühl, Thüringer Staatssekretär für Infrastruktur und Landwirtschaft, Prof. Dr. Gerd Zimmermann, Präsident der Stiftung Baukultur Thüringen, Architektin Dr. Anke Schettler, Mario Manolow vom Amt für Stadtsanierung Nordhausen, Architekt Jörg Kopprasch, Inge Klaan, Geschäftsführerin der Städtischen Wohnungsbaugesellschaft mbH Nordhausen, Dr. Hans-Gerd Schmidt, Präsident der Architektenkammer Thüringen und Landschaftsarchitekt Wolfram Stock, Bild: Architektenkammer Thüringen
Gruppenbild mit dem Preisträger: Architekt Thomas Wittenberg, Dr. Klaus Sühl, Thüringer Staatssekretär für Infrastruktur und Landwirtschaft, Prof. Dr. Gerd Zimmermann, Präsident der Stiftung Baukultur Thüringen, Architektin Dr. Anke Schettler, Mario Manolow vom Amt für Stadtsanierung Nordhausen, Architekt Jörg Kopprasch, Inge Klaan, Geschäftsführerin der Städtischen Wohnungsbaugesellschaft mbH Nordhausen, Dr. Hans-Gerd Schmidt, Präsident der Architektenkammer Thüringen und Landschaftsarchitekt Wolfram Stock, Bild: Architektenkammer Thüringen

Am 21. November verliehen der Thüringer Staatssekretär für Infrastruktur und Landwirtschaft Dr. Klaus Sühl und der Vorsitzende des Preisgerichts Prof. Dr. Gerd Zimmermann im Erfurter Angermuseum den Thüringer Staatspreis für Architektur und Städtebau 2016.

Staatspreisträger sind die Planungsbüros Schettler & Wittenberg Architekten (Entwurf, Planung) und Schettler Architekten aus Weimar (Realisierung) sowie Stock + Partner Freie Landschaftsarchitekten aus Jena für die Nordhäuser Stadtbausteine „Quartier am Kornmarkt“ und „Bürgerhaus“. Die Jury zeichnete zudem zwei Arbeiten mit einer Anerkennung aus. Die Anerkennungen gehen an J. MAYER H. und Partner aus Berlin für das Büro- und Wohngebäude „Sonnenhof“ in Jena sowie an das Jenaer Atelier Merle Stankowski für die „Fuge no. 1“, ein Bauern-und Atelierhaus in Seitenbrück.

Der Thüringer Staatspreis für Architektur und Städtebau, der zum elften Mal durch die Thüringer Landesregierung in Kooperation mit der Architektenkammer Thüringen und erstmals der Stiftung Baukultur Thüringen ausgelobt wurde, war diesmal mit 15.000 Euro dotiert. Davon entfallen auf den Staatspreis 10.000 Euro und auf die zwei Anerkennungen jeweils 2.500 Euro. Das Preisgeld wurde den einreichenden Architektur-/Stadtplanungsbüros und den Bauherrn jeweils zur Hälfte zuerkannt.

Insgesamt wurden 32 Arbeiten eingereicht. In die Engere Wahl kamen die Wohnhauserweiterung „Auf der Mauer“ in Erfurt von Herrschmidt-Architektur, Erfurt, das Deutsche Spielzeugmuseum in Sonneberg von Junk & Reich Architekten BDA, Weimar, das Projekt Friedensplatz und Rossmarkt in Worbis von der [f] landschaftsarchitektur gmbh, Bonn, sowie das „Radhaus“ – eine Fahrradstation in Erfurt von Osterwold°Schmidt EXP!ANDER Architekten BDA, Weimar.

Erwartet wurden Bauwerke, Gruppen von Gebäuden mit ihren Außenräumen oder öffentliche Freiräume, die sich aktuellen Themen stellen, die das Bauen unserer Tage prägen. Dazu gehören Aspekte wie der demografische Wandel, der schonende Umgang mit Umwelt und Ressourcen, Energieeffizienz und Wirtschaftlichkeit, Nachnutzung von Flächen und Gebäuden, Barrierefreiheit sowie die Innen- und Bestandsentwicklung.

Der Präsident der Architektenkammer Thüringen Dr. Hans-Gerd Schmidt sagte anlässlich der Preisverleihung: „Die prämierten Arbeiten überzeugen bei ganz unterschiedlichen Nutzungsangeboten vor allem durch ihre Interaktion mit dem sozialen und räumlichen Umfeld sowie eine brillante architektonische Durcharbeitung. Das führt zur Verstetigung ihrer Wirkung als Beiträge der Baukunst für die kulturelle Entwicklung in Thüringen als Ganzes.“

Zum Wettbewerb publizierte das Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft eine Broschüre mit allen Preisträgern und weiteren Einreichungen sowie Kurzfilme zu den drei prämierten Objekten, einzusehen unter www.thueringen.de/th9/tmil/presse/pm/94626/index.aspx.

Die Themenseite der Stiftung Baukultur Thüringen mit weiteren Informationen und allen Einreichungen ist zu finden unter: www.baukultur-thueringen.de/staatspreis/

Preisträger (10.000 Euro)

  • Stadtbausteine für Nordhausen: Quartier am Kornmarkt und Bürgerhaus
    Schettler & Wittenberg Architekten, Weimar (Entwurf, Planung), Schettler Architekten, Weimar (Realisierung),
    Stock + Partner Freie Landschaftsarchitekten, Jena
    Bauherr Quartier am Kornmarkt: Städtische Wohnungsbaugesellschaft mbH Nordhausen
    Bauherr Bibliothek: Stadt Nordhausen

Aus der Beurteilung des Preisgerichts:
Hinter dem Überbegriff der Stadtbausteine verbirgt sich eine eindeutige Absicht. Hier wird ein Stück Stadt gebaut und es wird gleichzeitig ein Stück der Nordhäuser Innenstadt komplettiert. Die Vorgaben, einen Stadtblock für einen attraktiven Wohnungsbau aufzuwerten und mit Ratssaal und Bibliothek einen öffentlichen Platz zu fassen, haben eine plausible Form gefunden. Die Aufstellung der Bibliothek senkrecht zum Blockrand bewirkt ein eindeutiges Davor und Dahinter und weitet im Einklang mit der Topografie einen Platzraum um den Ratssaal, den man fast schon eine Bühne nennen kann. Dass dabei die Materialität des Gebäudes sowie der Freiraumgestaltung aufeinander abgestimmt sind, dass sich Oberflächen um das und in das Gebäude fortsetzen, zeugt von einem inhaltlichen Einverständnis der beteiligten Fachplaner. Die Bücherei zieht dadurch die Qualitäten des neuen Stadtplatzes ins Gebäude hinein und setzt den Anspruch fort, einen neuen öffentlichen
Ort in Nordhausen zu schaffen. (…) Dem Projekt wird durch die Jury der Staatspreis 2016 verliehen, weil es einige mutige Entscheidungen der gemeinsamen Bauherrschaft von Städtischer Wohnungsbaugesellschaft und der Stadt Nordhausen widerspiegelt.

Anerkennungen (2.500 Euro)

  • Büro- und Wohngebäude „Sonnenhof“ in Jena
    J. MAYER H. und Partner, Architekten, Berlin
    Bauherr: Wohnungsgenossenschaft „Carl Zeiss“ e G, Jena

Aus der Beurteilung des Preisgerichts:
Mit dem neuen Sonnenhof in Jena gelingt der Bauherrschaft und den Architekten eine spektakuläre baukünstlerische Lösung im städtebaulichen Kontext einer von historischen Ereignissen und Phasen geprägten Altstadt. Die zugrundeliegende konsequente Haltung im Entwurf führt zu einem außergewöhnlichen Beitrag zur Stadtstruktur, indem die Typologie innerstädtischer Verdichtung, deren Maßstäblichkeit sowie das Beziehungsgefüge des aus vier Häusern bestehenden Gebäudeensembles nach außen wie nach innen zur Entfaltung gebracht wird. Funktionale Durchmischung aus Wohnen und Arbeiten, einprägsame Erschließungen und vertikale Schichtung bewirken über ein modernes Nutzungsangebot und dessen Veränderbarkeit im Grundrissgefüge den Hybridcharakter der Architektur. Trotz schwieriger Belichtungsverhältnisse gelingt es, abwechslungsreiche Räume zu schaffen, die sich innen polygonal verschränken und außen bandartig zusammenziehen. Das Grundstück öffnet sich für die Allgemeinheit und lädt zum Besuch oder auch zum Durchqueren ein.

  • Fuge no. 1 – Bauern- und Atelierhaus in Seitenbrück
    Merle Stankowski Atelier, Jena
    Bauherren: Dr. Horst Mentrup, Ursula Schiwon-Mentrup, Potsdam

Aus der Beurteilung des Preisgerichts:
Ein verschlafenes, knapp 100-Seelen-Dorf inmitten des Saale-Holzland-Kreises in Thüringen, ein 1000-Quadratmeter-Grundstück, ein verlassenes altes Bauernhaus aus dem 18. Jahrhundert. Ein gewohntes Bild. Die Wiederbelebung solcher Orte und die Entwicklung von Lösungskonzepten dieser Problematik sind die Aufgaben unserer Zeit, deutschlandweit. Das Projekt „Fuge no. 1“ nimmt sich genau dieses Themas an und demonstriert exemplarisch, wie man mit architektonischer Qualität die Attraktivität für Leben und Arbeiten im ländlichen Raum steigern kann. Der Entwurf greift Traditionen, wie die dörfliche Bauweise, Strukturen und Materialien auf, interpretiert sie jedoch neu und entwickelt sie angemessen weiter, sodass sie den heutigen funktionalen Bedürfnissen und Ansprüchen gerecht werden. Geschickt und behutsam wird in die vorhandene Bausubstanz eingegriffen, die Struktur von massivem Sockel und leichtem, hölzernem Aufbau deutlicher im Detail herausgearbeitet. Die sogenannte Fuge mit ihren Schwellenräumen wird so erlebbar gemacht.

veröffentlicht am 21.11.2016 von Björn Radermacher · Rubrik(en): News, Stiftung Baukultur Thüringen, Verfahren/ Auszeichnungen/ Preise - Ergebnisse

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