Freitag, 9. November 2012, von 09.00 - 11.45 Uhr

Die Herausforderungen, die sich aus dem demografischen, energetischen und sozioökonomischen Wandel ergeben, erfordern vielschichtige Anpassungsprozesse. Mehr denn je sind übergreifende Betrachtungen gefragt, die das Wechselspiel von Stadt und Land, Natur- und Kulturlandschaft zusammenhängend gestalten, die Spezifik von Teilräumen stärken, der Pluralität von Lebensmodellen Raum geben sowie vorhandene Kräfte bündeln und vernetzen.

In drei interdisziplinären Workshops diskutieren Experten die Raumrelevanz zukünftiger Entwicklungsperspektiven. Hierbei geht es um die Qualität und Zukunftsfähigkeit der gebauten Umwelt, nicht nur als Markenzeichen für eine Region, sondern auch als identitätsstiftendes Moment, das den Menschen ein Gefühl von Heimat und Zugehörigkeit vermittelt.

Workshop 1: Lebensstile quergedacht

Veranstaltungsort: Hörsaalgebäude I, Seminarraum 3 (im Campusplan Gebäude Nr. 19)

Die Veränderung der Lebensverhältnisse ist ein kontinuierlicher Prozess in der Zivilisationsgeschichte. Immer wieder neu stehen Städtebau und Architektur vor der Herausforderung, geänderten Anforderungen zu entsprechen. Doch wie elastisch sind die baulichen Strukturen? Veränderungen in der Arbeitswelt, der Wandel der Familienbilder, eine fortschreitende Singularisierung und Überalterung der Gesellschaft, die zunehmende Bedeutung des Umweltschutzes und der Ressourcenschonung sowie knapper werdenden öffentliche Mittel – all diese Aspekte beeinflussen das Dasein, haben Auswirkungen auf Werthaltungen und prägen Art und Weise der Lebensführung.

Die zentrale Frage lautet: Welche Lebensmodelle wird die Dienstleistungsgesellschaft am Übergang zum Zeitalter der Wissensökonomie und Energiewende generieren? Welche Bauformen werden den geänderten Erfordernissen entsprechen? Wie können sie immer kurzlebigeren Anforderungen gerecht werden?

Wandel ist die Triebfeder gesellschaftlicher Veränderungen. Er bietet die Chance zur aktiven Gestaltung. Insbesondere ein wachsendes Bewusstsein für nachhaltige Prozesse sowie der Druck leerer Haushaltskassen machen den Weg frei, gewohnte Handlungslogiken zu durchbrechen und zukünftige Qualitäten zu diskutieren.

Impulsvorträge (15-20 Minuten):

  • Projektvorstellung Initiative Möckernkiez Berlin
    Ronja Funke, Genossenschaft Möckernkiez, Berlin
  • Hybrid Houses – Flexibilität als Herausforderung in der Gebäudeentwicklung
    Christian Roedel, IBA Hamburg GmbH

Weitere Diskutanten:

  • Dipl.-Ing. Paul Börsch, Amtsleiter Stadtentwicklung und Stadtplanung, Erfurt
  • Frank Krätzschmar, Geschäftsführer LEG Thüringen
  • Dipl.-Ing. Jens Adloff, Geschäftsführer Rudolstädter Wohnungsverwaltungs- u. Baugesellschaft mbH
  • Dipl.-Ing. Ulrike Jurrack, WohnStrategen e.V., Weimar
  • Dipl.-Ing. Matthias Schmidt, Osterwold-Schmidt Exp!ander Architekten BDA, Weimar

Moderatorin: Veronika Brugger, Berlin

Workshop 2: Pro Region

Veranstaltungsort: Hörsaalgebäude II, Seminarraum 12 (im Campusplan Gebäude Nr. 20)

Das Nebeneinander von Schrumpfungs- und Wachstumsräumen findet man auch in der Entwicklung der neuen Bundesländer. Räumliche Disparitäten sind sowohl auf städtischer als auch auf regionaler Ebene zu beobachten. Trotz stagnierendem Wirtschaftswachstum und Bevölkerungsrückgang stieg lange Zeit der Flächenverbrauch im unbesiedelten Bereich. Gleichzeitig fand eine Zunahme von Freiflächen im erschlossenen Räumen statt. Perforierter Siedlungsraum steht heute in Teilen durchsiedelter Landschaft gegenüber und bildet einen neuen Typ urbaner Landschaft.

Die Konkurrenz zwischen Städten und Regionen wächst, der Druck, sich im globalen Netz zu positionieren, steigt. Städtenetze und regionale Kooperationen als Ausdruck einer Selbstorganisation von Teilräumen und Verantwortungsgemeinschaft, die über die administrative und traditionelle Ressortgrenzen hinausweist, gewinnen zunehmend an Gewicht.

Was sind geeignete Strategien und Methoden, um regionale Profile zu entwickeln und sie als Basis einer Vernetzung und Arbeitsteilung von Stadt und Land zu verstehen? Was macht den Charakter einer Region aus?

Identifikation setzt wahrnehmbare Grenzen voraus. Auch die Grenzen von Regionen sollten nachvollziehbar sein. Entwerferisches Handeln ist gefragt, das darauf zielt, räumliche Qualitäten zu entwickeln, Besonderheiten herauszuarbeiten und erlebbar zu machen. Der Entwurf als Ausdruck eines großräumigen Bildes kann hierbei regionale Kommunikationsprozesse befördern und helfen, verbale Ziele und abstrakte Leitbilder der Raumordnung zu übersetzen.

Impulsvorträge (15-20 Minuten):

  • Region in räumlichen Bildern entwerfen
    Dipl.-Ing. Sigrun Langner, Landschaftsarchitektin, Station C 23, Leipzig
  • Der westliche Thüringer Wald - Eine Region entdeckt sich neu
    Dr.-Ing. Uwe Wilke, Stadtplanungsbüro Dr. Wilke, Erfurt

Weitere Diskutanten:

  • Thomas Walter, Thüringer Ministerium für Bau, Landesentwicklung und Verkehr
  • Frank Steinwachs, Ehemaliger Bürgermeister Zeulenroda-Triebes

Moderator: Dr. Heiko Voigt, Hauptamtlicher Beigeordneter der Stadt Sonneberg

Workshop 3: Landschaf(f)t Energie

Veranstaltungsort: Hörsaalgebäude II, Seminarraum 13 (im Campusplan Gebäude Nr. 20)

Die Entwicklung der Zivilisation ist untrennbar mit der Entwicklung der Energiesysteme verbunden. Die Erschließung fossiler Brennstoffe schuf die Voraussetzungen für die industrielle Revolution. Die Möglichkeit der Nutzung fossiler Energien allerorten machte den Weg frei für unbegrenztes Siedlungswachstum.

Die Endlichkeit der fossilen Ressourcen sowie der Klimawandel führen zur Energiewende und dem Bestreben einer nachhaltigen Energieversorgung mit erneuerbaren Energien. Welche Auswirkungen das neue Energiezeitalter auf unsere Lebensweisen und damit auch auf unsere Siedlungsformen und Städte, Landschaften und Regionen haben wird, ist in seiner gesamten Dimension noch nicht zu ermessen.

Der geplante energetische Umbau zeigt sich bereits vielerorts in einer neuen Nutzung und Verwertung von Landschaft. Neue Formen der Energiegewinnung verändern die traditionellen Landschaftsbilder. Windfarmen, Solarplantagen, Kurzumtriebsflächen, Stromtrassen u.a. bilden einen neuen Typus von Produktionslandschaft, den es nicht nur technisch zu organisieren, sondern auch zu gestalten gilt. Die Fortschreibung der Energiewende hängt von zahlreichen Faktoren ab. Welche Möglichkeiten der Energiespeicherung wird es zukünftig geben? Welche Bedeutung werden dezentrale Erzeugungsszenarien erlangen? Welche technischen Entwicklungen verringern die Raumbedeutsamkeit bei der Produktion und beim Transport erneuerbarer Energien?

Die Energiewende wird zweifelsfrei Zeichen setzen. Die mit ihr verbundenen Infrastrukturanlagen und Produktionsräume sind Herausforderung und Chance zugleich, neue Landschaftskonzepte zu entwerfen und sie als bereichernde Bausteine der Kulturlandschaft zu entwickeln.

Impulsvorträge (15-20 Minuten):

  • Neue Energie für Thüringen - Zu den Ergebnissen der Potentialanalyse
    Prof. Dr.-Ing. Dieter Genske, Fachbereich Ingenieurwissenschaften, FH Nordhausen
  • Energiewende und Landschaftsbild – unser Berufsstand ist gefordert
    Dipl.-Ing. Wolfram Stock, stock landschaftsarchitekten, Jena

Weitere Diskutanten:

  • Dr. Antje Kießwetter, Abteilung Energiepolitik, Technologie- und Forschungsförderung, Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Technologie
  • Dr. Albrecht Broßmann, Bioenergieregion Thüringer Vogtland
  • Uta Keyser, Bauamt Sondershausen
  • Wilhelm Schreier, Geschäftsführer Stadtwerke Sondershausen
  • Dipl.-Ing. Andreas Meißner, Architekt für Stadtplanung, Stadtplanungsbüro Meißner & Dumjahn, Nordhausen

Moderation: Prof. Rolf Kuhn, Ehemaliger Geschäftsführer Internationale Bauausstellung Fürst-Pückler-Land GmbH

Seite zuletzt geändert am 28.06.2018

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