Liszt Museum Weimar

hjp architekten I Prof. Jürgen Hauck, Herbert Osel, Weimar

In der ehemaligen Hofgärtnerei am Rande des Ilmparks lebte Franz Liszt in den Sommermonaten 1869 bis 1886. Im Sommer 2006 zog Franz Liszt wieder im "neuen Museum" ein.

Der Besucher erstaunt übers moderne Design im Parterre, stürmt dann die enge Treppe hinauf, ins Wohn- und Arbeitsdomizil, das, vom mächtigen, widerborstig zu spielenden Bechstein-Flügel dominiert, fast vollkommen authentisch erhalten ist.
Das komplette Erdgeschoss, während der DDRZeit von Domestiken verwohnt, wurde umgebaut und saniert. An den Wänden der Ausstellungsräume prangen silbrige Metalltafeln mit gestanztem Raster, als computerisierte Notenschrift eines Klavierstücks, zugleich Music Instrument Digital Interface als Schnittstelle zwischen hochkomplizierter, verborgener Technik und ästhetisch affirmativem Hörgenuss.
An 40 Stationen können Besucher ihren Kopfhörer anstöpseln, Werthaltiges vom Altmeister und über ihn erfahren, erleben. Zeitzeugen wie seine Schüler Valentin Lachmund oder August Göllerich kommen zu Wort, der gefürchtete Wiener Kritiker
Eduard Hanslick, natürlich auch Hector Berlioz, Ferdinand Hiller und Heinrich Heine.
Jeder Raum behandelt ein Thema, der erste Liszts Biografie, der nächste seine Arbeit als Pianist und Dirigent und zuletzt sein Wirken als Komponist und als Lehrer. Soweit mag die Konzeption des Museums klassisch anmuten. Das rationalistische Interface indes demonstriert eine Wiedergabe von Liszts „Bagatelle sans tonalité“, einem ätherisch sich zurücknehmenden Spätwerk, das er anno 1885, ein Jahr vor seinem Tode, in Weimar komponierte und dem er tatsächlich die tonale Einordnung verweigerte. Da gibt Franz Liszt sich selbst dem Einfältigsten zu erkennen als ein Vater der Moderne und weit in unsere Zeit weisender Musikdenker.
Im Eckraum, dort wo die Blickachsen sich schneiden, entstand eine elektroakustische Komposition, eine Klanginstallation, welche vertikal das gesamte Gebäude vom Keller bis über das Dach hinaus durchschneidet, eine vierzehn Meter lange Klaviersaite. Diese musische Meditation über Franz Liszts Progressivität und Reflexivität wirkt als absichtsvoller Störfaktor natürlich hinauf in den geheiligt antiquierten Musealtrakt des Obergeschosses: Wie ein Fanal rauscht die Metallsaite, von einer parallelen Lichtfaser illuminiert, direkt an der Bettstatt vorbei.
Liszt ist endlich in Weimar zu Hause.

Adresse
Marienstrasse 17
99423 Weimar

Planungsbüro
hjp architekten I Prof. Jürgen Hauck, Herbert Osel, Weimar

Bauherr
Klassik Stiftung Weimar

Fertigstellung
2006

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Letzte Aktualisierung dieser Seite am: 09.10.2017. Alle Angaben auf dieser Seite werden durch das Büro hjp architekten I Prof. Jürgen Hauck, Herbert Osel, Weimar auf freiwilliger Basis verwaltet. Das Büro ist für den Inhalt dieser Seite selbst verantwortlich. Die Angaben werden von der Architektenkammer Thüringen nicht geprüft.

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