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Neubau der Waldkliniken Eisenberg

HDR Germany, Leipzig

Projektbeschreibung

KLINIK MIT HOTELSTANDARD
Neubau der Waldkliniken Eisenberg

Mit dem Neubau der Waldkliniken Eisenberg hat der Architekt Matteo Thun in Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro HDR Germany, inhaltlich, gestalterisch und baulich ein Leuchtturm-Projekt im Gesundheitswesen geschaffen und verwirklicht gleichzeitig eine neue Klasse der Hospitality. Aus dem Entwurf des preisgekrönten Mailänder Architekten und Designers und der gemeinsamen Umsetzung mit den Architekturexperten im Gesundheitswesen ist eines der innovativsten und gleichzeitig nachhaltigsten Krankenhausgebäude in Europa entstanden.

In der Grundphilosophie des Bauherrn Waldkliniken Eisenberg GmbH wird der Patient und seine „Reise“ durch den Neubau in den Mittelpunkt gestellt. Beginnend beim Concierge, der den Patienten persönlich durch die Zeit in Eisenberg führt, bis hin zum digitalen Patienteninformationssystem auf den Flachbildschirmen in den Patientenzimmern. Die Philosophie folgt dem Ansatz des Design Thinkings im Krankenhauswesen. Design Thinking macht Betroffene zu Gestaltern ihrer Situation und löst die Informationsbarrieren zwischen Patienten, Mitarbeitern und Gästen auf.

Für den architektonisch einzigartigen und mit seiner runden Form außergewöhnlichen Klinikbau zeichnet sich Matteo Thun verantwortlich. „Hospes!“ ist das Schlüsselwort, das der weltbekannte Mailänder Architekt an den Anfang seines Entwurfs gestellt hat. Es ist das lateinische Wort für Gast und steckt im Wortstamm von Hospital und Hospitality, dem englischen Begriff für Gastfreundschaft. Diese Idee des willkommenen Gastes ist der Kern des Konzepts für das neue Gebäudes der Waldkliniken Eisenberg. Für Matteo Thun, der mit seinen Teams weltweit Hotelbauten im Luxussegment realisiert, war es das erste Projekt im Gesundheitswesen. „Der Patient ist Gast“, so der Architekt. Damit geht seine Philosophie einher mit dem auf den „Mensch“ fokussierten Planungsansatz von HDR Germany.

Im Neubau der Waldkliniken Eisenberg ergeben sich wertvolle Synergieeffekte aus der Krankenhausexpertise von HDR Germany und dem Hospitecture-Ansatz von Matteo Thun: Die Philosophie des Hauses verändert das Gesundheitswesen nicht nur durch Bau-Ästhetik und Healing Environment, sondern vor allem auch durch die Z-förmigen Zimmer mit Privatbereichen, gemeinsamen Wintergärten für jeweils vier Patienten, Boarding-Bereichen, einem Unit-Pflegekonzept, der durch die Raumgestaltung gewährleisteten Sichtbarkeit und Ansprechbarkeit des Personals – also nicht nur durch eine Transparenz zur Natur außen, sondern auch durch Transparenz nach innen.

Nachhaltigkeit im Krankenhausbau 
„Unser Ziel war es, ein Krankenhaus zu entwickeln, das den Menschen in den Mittelpunkt stellt. Neben der medizinischen Expertise spielt dabei auch die unmittelbare Umgebung eine große Rolle im Heilungsprozess der Patienten. Mithilfe von Matteo Thun und den Projektplanern von HDR Germany ist uns etwas gelungen, das in der deutschen Krankenhausgeschichte einmalig ist. Dabei ist der Neubau pro Quadratmeter nicht teurer als ein gängiger Krankenhausbau in gleicher Größe“, sagt WKE-Geschäftsführer David-Ruben Thies zur allgemeinen Zielsetzung.

Der Neubau wird von der umliegenden Natur geprägt: viel Grün für Interior und Exterior, natürliche Materialien, Tageslicht sowie Farbkompositionen der Flora und Fauna. Mit Blick auf den begrünten Innenhof bildet das Restaurant „La Piazza“ den Mittelpunkt des Gebäudes.
Entstanden ist ein kreisförmiger Baukörper mit großen Öffnungen, die den Blick gezielt in die Natur leiten. Die Außenfassade mit horizontaler Holzlattung und vertikalen „Lisenen“ aus Brettschichtholz wird sich mit der Zeit leicht grau verfärben und so das Holzhaus sich natürlich ins Umfeld einfügen. Durch die großen Fensteröffnungen entsteht eine starke Verbindung zum Wald mit seinen Witterungen und Jahreszeiten. Die Fenster lassen sich großzügig öffnen, sodass man im Inneren des Hauses auch dem Rauschen des Windes lauschen und den feuchten Waldboden riechen kann.

Über 1.500 Eichenblätter wurden im Gebäude verbaut; hinzukommen die unzählbar vielen Eichenblätter von den 32 neugepflanzten Eichen im Außenbereich. Durch die Verwendung von Eichenholz aus der Region entsteht eine angenehme Wärme in allen Räumlichkeiten des Hauses. Die Außenfassade bietet einen freien Blick auf den umgebenden Wald. Nachhaltigkeit pur, mitten in Thüringen.

Ökologische Vorteile wie die Verwendung nachwachsender Rohstoffe, die Verbesserung der C02 Bilanz, aber auch ökonomische wie Lebenszykluskosten und kürzere Bauzeiten werden durch Vorfertigung genutzt. Ein Teil der Betonkonstruktion wird über eine Betonkernaktivierung für die Temperaturregelung der Bettenzimmer nachhaltig verwendet. Ein Eisspeicher bildet die Quelle für die notwendige saisonale Grundtemperatur zur Heizung und Kühlung.

Rückzugsort Patientenzimmer
Im Inneren ergänzen sich Funktions-, Rückzugs- und Erholungsräume, ganz im Sinne des Healing Environments. So wird in den Patientenzimmern sichtbares Konstruktionsholz an den Rahmenkonstruktionen von Außenfenstern und Verandatüren eingesetzt, das Lärchenholz der Außenfassade ist über die großen Fensteröffnungen in den Zimmern und Veranden ständig erlebbar.

In vorrangig Zwei-Bett-Zimmern ermöglicht die Gestaltung und versetzte Anordnung der Betten, des Bades und des Wintergartens, Möglichkeiten des Rückzugs oder kreiert einen bettnahen Begegnungsort. Statt der häufig verwendeten Parallelaufstellung werden die Betten versetzt Vis-à-Vis angeordnet. Durch die Verschränkung mit Bad und Veranda erhält jedes Bett eine eigene zugeordnete Raumzone, welche bei Bedarf über einen Vorhang abgetrennt werden kann. Die gemeinsame Nutzung einer Veranda durch jeweils vier Gäste mobilisiert und aktiviert zur Nutzung und fördert den individuellen Heilungsprozess.

Einzigartiges Gastronomiekonzept
Neben den Besonderheiten des Patientenzimmers zeichnet sich der Neubau des Krankenhauses durch die Gestaltung der Restauranteinheiten aus. Durch die Verwendung von Eichenholz aus der Region entsteht eine angenehme Wärme in allen Räumlichkeiten des Hauses. Gäste können hier in natürlicher Umgebung speisen. Der Einfluss des hochwertigen Eichenparketts am Fußboden in Kombination mit der offen gestalteten Holzkonstruktion der Decken, knisternden Kaminen sowie lichtdurchflutenden Räumen unterstreichen den Hotelcharakter. Mit ihrer natürlichen Anmutung ergeben sich nicht nur optisch interessante Oberflächen, das Holz ist ebenfalls frei von flüchtigen Bestandteilen, welche die Raumwahrnehmung geruchlich beeinträchtigen könnten. Vorbei mit den üblichen Krankenhausgerüchen – durch den Neubau schwebt ein Duft von Natur. Hier wird Essen im Krankenhaus zum Naturerlebnis.

Das Erfolgsrezept: Der Gast bekommt nicht nur wie in üblichen Krankenhäusern „das Essen auf das Zimmer gebracht“, sondern kann durch die vielfältigen Restaurantbereiche den Hotelcharakter des Hauses selbständig entdecken. Die Bauweise der Restaurantbereiche besticht durch natürliche Materialien, eine selbstverständliche Lässigkeit und eine entspannte Atmosphäre bilden die Grundanforderungen an das Architektur- und Lichtkonzept.
Im Restaurant im vierten Obergeschoss können Patienten und Gäste von außen den Blick ins Grüne genießen und sich auf eine ganz besondere Kochkunst freuen: Neben der konventionell europäischen Küche bietet das Küchenteam der Waldkliniken die erste koschere Küche Thüringens an.

Architektur hilft bei der Heilung
Ärzten und Forschern ist bewusst, dass zum Heilungserfolg oft mehr notwendig ist als die medizinische Behandlung. Die Natur sorgt für ein Gefühl der Freude und hilft den Patienten, sich zu entspannen. In der Natur zu sein, bringt ihnen eine neue Ruhe, die sie wieder mit zurück ins Krankenhaus nehmen können. Fahles Licht, kahle Wände, unangenehme Geräusche und Gerüche - typische Krankenhausassoziationen gehören im Neubau der Waldklinken Eisenberg im thüringischen Wald der Vergangenheit an. Dabei sind die Waldkliniken ein kommunales Haus und gehören der öffentlichen Hand - sind also keine Privatklinik. So werden in dem Neubau vor allem Kassenpatienten in 233 Betten versorgt.

Internationaler Anspruch und regionale Ausführung
Seit Jahren steht der Saale-Holzland-Kreis für eine Kombination aus ausgezeichneter medizinischer Versorgung, zuverlässigen sozialen Strukturen und einem differenzierten Angebot zur Betreuung und Pflege. Die Lebenserwartung der Menschen ist signifikant höher im Vergleich zu vielen Thüringer Landkreisen. Neben der guten medizinischen Versorgung fließt die enge Verzahnung mit der Natur in den Heilungsprozess mit ein. Im Wald zu sein, die Natur zu riechen, durchzuatmen, die Frische aufzunehmen und aufzutanken – das tut allen Menschen gut. „Zur Ruhe kommen“ – das wird im Saale-Holzland-Kreis großgeschrieben.

Um die Atmosphäre des Hauses im Bau zu verinnerlichen, haben sich die beiden Architekturbüros Matteo Thun & Partners und HDR Germany zum Ziel gesetzt, den internationalen Anspruch aller Beteiligten an ein hotelähnliches Krankenhaus mit regionalen Dienstleistern zu erfüllen. Schließlich ist nachhaltiges Planen und Bauen im regionalen Kontext eine Aufgabe, die nicht nur Architekten und Planer betrifft, sondern alle Menschen, denen die Entwicklung der natürlichen und gebauten Umwelt am Herzen liegt.

Rund 85 % der ausführenden Firmen sind regional ansässig, wie die Zimmerei Pfeiffer, die die Holzfassade realisiert hat oder der Fensterbauer Tischlerei Barth aus dem 20 Kilometer weit entfernten Ort Lindenkreuz. Die Innentüren kamen aus dem Türenzentrum Burkhardt aus Eisenberg, die Bodenbeläge vom Raumausstatter Grimm aus Pößneck und Möbel unter anderem von Jenaboi Ladenbau aus Jena.

Holz im Krankenhausbau 
Der Einsatz von Holz als Baustoff ist im Krankenhausbau einzigartig und richtungsweisend. Die Außenfassade, ausschließlich aus Holz und Glaselementen, bietet einen freien Blick auf den umgebenden Wald. Die Stahlbetonskelettkonstruktion, nötig aus Brandschutzgründen und wegen der großen Spannweiten im Krankenhausbau, wurde auf ein Minimum reduziert. Ausfachungen, z. B. der Außenwände in den Obergeschossen, werden als Holzrahmenkonstruktion ausgeführt und mit Holz verkleidet. Der Hybridkonstruktion ist an den Außenfassaden über die horizontalen Sichtbetonbrandschotte zwischen den Holzfassaden Gestalt gegeben.

Für die Zukunft ist das nächste Projekt bereits in der Planung: Die für 2023 geplante Rehaklinik komplettiert das Waldkrankenhaus Eisenberg und wird ebenfalls von den beiden Architekturbüros Matteo Thun & Partners und HDR Germany konzipiert.

Projektdaten

Adresse

Klosterlausnitzer Straße 81
07607 Eisenberg

Planungsbüros

HDR Germany, Leipzig
Matteo Thun & Partners, Milano

Bauherr

Waldkliniken Eisenberg GmbH

Fertigstellung

September 2020

Nutzfläche

16.500 m2

Preise/Auszeichnungen

Thüringer Staatspreis für Baukultur 2020/2021

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Letzte Aktualisierung dieser Seite am: 15.09.2021. Alle Angaben auf dieser Seite werden durch das Büro HDR Germany, Leipzig auf freiwilliger Basis verwaltet. Das Büro ist für den Inhalt dieser Seite selbst verantwortlich. Die Angaben werden von der Architektenkammer Thüringen nicht geprüft.

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