Das Objekt liegt an einem zentralen Punkt der Stadt Gera, in einem typischen Wohnhochhaus mit Funktionsunterlagerung, wie sie um 1963 an vielen repräsentativen Orten in der damaligen DDR entstanden und ist noch heute als ehemaliges Ex (Exquisit Modehaus) bekannt. Unter einem zurückgesetzten Wohnblock befindet sich ein zweigeschossiger Geschäftsbereich, der sich über beide Etagen mit einer Glasfassade zur Straße öffnet.

Bedingt durch die starke Konkurrenz der in der Nachbarschaft entstandenen Shopping Malls sowie den Auflagen der Denkmalbehörde, das Gebäude in seiner Struktur nicht zu verändern, lag es für die sehr große Geschäftsfläche nahe, veschiedene Nutzungen zu kombinieren.

Der Impuls einer Verschmelzung von Büro- und Geschäftsflächen mit gastronomischer Nutzung ging von der Sparkasse Gera-Greiz aus. Eine junge, dynamische Atmosphäre und fließende Übergänge zwischen den Bereichen sollten sich synergetisch ergänzen.

Mit Rücksicht auf die bestehende Fassade wurde der zentrale Eingang beibehalten. Hier befindet sich die SB-Zone. Der rechte Flügel wird im Erdgeschoss als virtuelle Geschäftsstelle der Sparkasse betrieben. An flexiblen Internet-Terminals ist der Netzzugang, sowie individuelle Beratung möglich. Eine Farblichtwand sowie eine Projektionsfläche ergänzen das Angebot und unterstützen verschiedene Veranstaltungen. Den linken Flügel im Erdgeschoss teilen sich die örtliche Tourismusinformation und ein Backshop, der den gesamten Bereich auch gastronomisch betreut.

Das Obergeschoss schwingt als zurückgesetzte Galerie vom zentralen Eingang und endet beidseitig in zwei Wendeltreppen. Treppen und die Galeriekante aus Terrazzo sowie die daran befestigten Aluminiumgeländer - ein Original von 1962 - wurden aufgearbeitet. Für die Nutzung im Obergeschoss als Call-Center und Büro sind die Einblicke in die offene Galerie einerseits gewünscht, andererseits mußte eine akustische und klimatische Trennung zum Untergeschoss erfolgen. Hierfür wurden filigrane Glaswände in Ständerbauweise eingefügt, so dass das Geländer und die Elemente der 60er Jahre dominant bleiben.

Als ein bestimmendes Element für den Innenraum wurden die konischen Betonstützen hinter der Glasfassade in kraftvollem Rot gespachtelt. Von den Erbauern in der DDR-Zeit als großzügiger Schaufensterbereich angelegt, um wirtschaftliche und politische Erfolge zu demonstrieren, sind heute Sitzbereiche zwischen die Stüzen eingefügt und laden zum Verweilen ein.

Als Teil des differenzierten Beleuchtungkonzeptes werden Stützen und ovale Deckensegel durch Licht hervorgehoben und markieren das Erscheinungsbild in der Dunkelheit nach Außen. Inspiriert durch die typischen Mosaiken der 60er ist der Mosaikbodenbelag im Erdgeschoss, allerdings in dezenter Farbgebung und mit eingelegtem roten Teppichboden unter den Sitzbereichen. Auch für die Formgebung der einzufügenden Wandstücke sowie die Inneneinrichtung wurden Elemente der 60er Jahre aufgegriffen und zeitgemäß umgesetzt. Mit der Erhaltung der vorhandenen Elemente und ihre Einbindung in die neue Nutzung wird den Geraern ihr Exquisit weiterhin erkennbar bleiben.

Text: Christopher Kluge

Weitere beteiligte Architektur-/ Stadtplanungsbüros:
Ö-Konzept - Atelier für Gestaltung, Zwickau

Adresse
Heinrichstraße 35
Gera

Planungsbüro
Euen, Wolf und Winter GmbH - Architektur- und Ingenieurbüro, Gera

Bauherr
privat

Fertigstellung
2002

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Letzte Aktualisierung dieser Seite am: 15.03.2018. Alle Angaben auf dieser Seite werden durch das Büro Euen, Wolf und Winter GmbH - Architektur- und Ingenieurbüro, Gera auf freiwilliger Basis verwaltet. Das Büro ist für den Inhalt dieser Seite selbst verantwortlich. Die Angaben werden von der Architektenkammer Thüringen nicht geprüft.

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