Kritik: Norbert Korrek

Dem amerikanischen Architekten Robert Venturi verdankt die Architekturtheorie die Unterscheidung von Gebäuden in „Enten“ und „dekorierte Schuppen“. „Enten“ sind für ihn Bauten, deren Form mit der Botschaft verschmolzen ist. Venturis begriffsprägendes Beispiel war ein Geschäft für Lockenten in Form einer großen Ente. Der „dekorierte Schuppen“ hingegen trennt nach Venturi die bauliche Struktur klar von der inhaltlichen Aussage: Dem „Schuppen“ wird ein Zeichen aufgesetzt, das auf die Bestimmung des Gebäudes verweist, sei es ein Zunftzeichen, ein klassischer Giebel oder eine monumentale Leuchtwand wie in Las Vegas.

Falls Venturis Bild vom „dekorierten Schuppen“ eines weiteren Beispiels bedürfen würde, könnte man seit kurzen an der Kromsdorfer Straße in Weimar fündig werden. Die hat sich zwar nicht zum Las Vegas Strip oder zum Sunset Boulevard von Hollywood entwickelt, aber mit dem Umbau des nördlichen Teils der Halle 2A des ehemaligen Unteren Weimarwerkes zum GRONE- Bildungszentrum durch das Architekturbüro Osterwold-Schmidt EXP!ANDER Architekten aus Weimar eine angenehm lautstarke architektonische Aufwertung erfahren.

Die Halle wurde Anfang der 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts als Industriebau in einer ausgemauerten Stahlfachwerkkonstruktion mit markanten, kastenförmigen Oberlichtern errichtet. Während der südliche Hallenteil in den letzten Kriegsjahren durch Bombardements fast vollständig zerstört und in den Nachkriegsjahren nach dem alten Vorbild jedoch mit moderne Baumethoden wiederaufgebaut wurde, konnte der nördliche Hallenteil nach leichten Reparaturen ohne Unterbrechung als industrielle Produktionshalle für den Maschinenbau genutzt werden. Lediglich die innere räumliche Struktur der Halle wurde durch zahlreiche Einbauten wie Zwischenwände, Unterdecken oder Anbauten den wechselnden technologischen Forderungen angepasst.

Um die Halle wirtschaftlich effektiv betreiben zu können, wird sie neben ihrer Funktion als Bildungszentrum vom Bauherrn auch weiterhin für industrielle und gewerbliche Zwecke vermarktet. Die innere Struktur der Halle musste von den Architekten bei laufendem Betrieb neu geordnet und in sechs eindeutig ablesbare Nutzungseinheiten gegliedert werden. Die Stahlfachwerkkonstruktion bleibt dabei als Tragstruktur erhalten. Im Bereich der Oberlichtbänder jedoch - sie ersetzen die ehemaligen großen Oberlichtkästen, eine der Denkmalpflege abgetrotzte Maßnahme - wurden an den Seitenschiffen geschickt und funktional überzeugend zusätzliche Galerien zur optimalen Auslastung der Hallenhöhe und zur Herstellung der Sichtverbindung in den Außenbereich eingefügt.

Das äußere Erscheinungsbild der Längsseiten wurde durch gleichartige, zum Teil raumhohe Öffnungen und durch eine durchlaufendes Attikaband angenehm beruhigt. Seine werbewirksame Aufwertung, besser seine eindeutige Adresse, erhielt das Gebäude jedoch durch den Blendgiebel zur Kromsdorfer Straße, dessen starke Farbigkeit und die signifikanten Namenszüge aus Edelstahl. Die Stadt Weimar, die daran interessiert sein müsste, die größte städtischen Industriebrache zu revitalisieren, sollte die medialen Potentiale dieses Umbaus nutzen.

Weitere beteiligte Architektur-/ Stadtplanungsbüros:
Vandreike & Co Architekten, Weimar

Adresse
Kromsdorfer Straße
Weimar

Planungsbüro
Osterwold°Schmidt EXP!ANDER Architekten BDA PartGmbB, Weimar

Bauherr
privat

Fertigstellung
2003

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Letzte Aktualisierung dieser Seite am: 15.03.2018. Alle Angaben auf dieser Seite werden durch das Büro Osterwold°Schmidt EXP!ANDER Architekten BDA PartGmbB, Weimar auf freiwilliger Basis verwaltet. Das Büro ist für den Inhalt dieser Seite selbst verantwortlich. Die Angaben werden von der Architektenkammer Thüringen nicht geprüft.

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