Das kurfürstliche Wagenhaus von 1615 ist als eines der bedeutendsten profanen Baudenkmale der Stadt Bestandteil der Denkmalliste. Im Rahmen der Baumaßnahme wurde das baulich gefährdete, jedoch stadtbildprägende Gebäude zu einem Stadtarchiv mit teilöffentlicher Nutzung umgebaut. Der Neubau des Archivs besteht aus einer „Haus-im-Haus“-Konstruktion mit einem Eingangsbaukörper, der sich mit dem „inneren“ Gebäude verbindet.

In das Kurfürstliche Wagenhaus wurde ein zweigeschossiger Baukörper eingefügt, der unterhalb der Traufhöhe des Bestandsgebäudes bleibt. Nur das Treppenhaus und ein Technikaufbau wurden bis in das 1. Dachgeschoss weitergeführt. Dafür wurde jeweils der Raum zwischen 2 Hauptgebindelagen des Dachtragwerkes genutzt, um den bauzeitlichen Dachstuhl zu erhalten. Die Außenwände des Archivbaukörpers sind durch eine begehbare Fuge von der Originalsubstanz getrennt.

Der Archivbaukörper wird durch ein außenliegendes Eingangsgebäude ergänzt. Das Eingangsgebäude fungiert als Foyer und Kopf-Bau im doppelten Sinne, indem es neben dem öffentlichen Zugang und Lesesaal auch die Archivverwaltung aufnimmt. An geeigneter Stelle wurde die Verbindung zwischen dem Eingangsbauwerk und dem Archivbaukörper (Haus im Haus) ausgebildet.

Neben der baulichen Sanierung des Kurfürstlichen Wagenhauses - Außenfassade und -mauern, Dachhaut und Dachkonstruktion - sowie der baulich / funktionalen Einordnung des Stadtarchivs in dieses historische Gebäude gab es weitere wichtige Sanierungsanforderungen:

- Dekontamination der in den 50er und 60er Jahren eingebrachten Schadstoffe
- Rückbau der stark störenden Eingriffe aus der Nutzung als Brauerei mit Kühlhaus
- Wiederherstellung der Standsicherheit der Fundamente durch HDI-Unterfangung

In einer Reihe von Voruntersuchungen zu den konstruktiven Besonderheiten und baulichen Mängeln, den räumlichen Voraussetzungen und baugeschichtlichen Befunden wurde die prinzipielle Eignung des Objektes für den vorgesehenen Zweck bestätigt. Umbauphasen, in deren Ergebnis Substanzverluste oder Substanzstörungen zu verzeichnen waren und nachfolgende Jahre der Nichtnutzung haben letztlich den vorgefundenen Zustand mit seinen historischen „Schichten“ und baulichen Störungen bewirkt.

Die Einordnung der neuen Funktion in ein historisch bedeutsames und stadtbildprägendes Gebäude ist mit Konflikten verbunden. Die Lösung dieser Konflikte und auch der Weg zu dieser Lösung waren eine anspruchsvolle Aufgabe für alle Beteiligten. Sie besteht vorrangig darin, das Primat der Originalsubstanz mit der Qualität und Funktionalität der erforderlichen Änderungen zu einer neuen Einheit zusammenzufügen. Diese allgemein verbindliche Formulierung wurde anhand von denkmalpflegerischen Zielvorgaben sowohl für die Planung als auch für den Prozess der baulichen Umsetzung nachfolgend präzisiert und realisiert.

Adresse
Paulanerplatz 17
92224 Amberg

Planungsbüro
gildehaus.partner architekten mbB, Weimar

Bauherr
Stadt Amberg

Fertigstellung
Dezember 2017

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Letzte Aktualisierung dieser Seite am: 22.11.2018. Alle Angaben auf dieser Seite werden durch das Büro gildehaus.partner architekten mbB, Weimar auf freiwilliger Basis verwaltet. Das Büro ist für den Inhalt dieser Seite selbst verantwortlich. Die Angaben werden von der Architektenkammer Thüringen nicht geprüft.

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