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Die Wurzeln des Landschaftsarchitekturstudiums an der FH Erfurt

Über eine Tradition, die 1887 mit der Gründung der Gärtnerlehranstalt in Bad Köstritz begann

Text: Prof. Gert Bischoff

Im DAB 03/2017 wurde über das Festkolloquium zum 25-jährigen Bestehen des Landschaftsarchitekturstudiums an der FH Erfurt informiert, bei dem Absolventen der letzten 25 Jahre das Spektrum ihrer Tätigkeitsfelder vorgestellt hatten. Was aber war vor Gründung der Fachhochschule? Zur Festveranstaltung berichteten Christian Jahnke, Absolvent 1992 und Geschäftsführer der Alpina AG, sowie Dr. Erhard Kister, Dozent an der Ingenieurschule für Gartenbau seit 1987 und einer derjenigen, der den Übergang von der Ingenieur- zur Fachhochschule maßgeblich gestaltet hat, in ihren Vorträgen als Zeitzeugen über die Wendezeit.

Ein Teil der Lehrer stand damals von einem Tag auf den anderen nicht mehr zur Verfügung. Durch die Hilfe der Fachhochschule Geisenheim, später noch Osnabrück, Nürtingen und Weihenstephan, die unentgeltlich große Teile der Lehre in Erfurt übernahmen, konnte der Unterricht in der Übergangszeit aufrechterhalten werden. Die Vielzahl der Berufungsverfahren für die neuen Professuren konnte dank der Unterstützung zügig durchgeführt werden. Dass aus der ehemaligen Ingenieurschule ein Teil der neuen Fachhochschule wurde, ist neben der Hilfe der genannten westdeutschen Fachhochschulen auch dem Engagement ihres nach der Wende berufenen Direktors, Prof. Dr. Hasso Schuster, zu verdanken.

Und vor der Wende? Die Ingenieurschule blickt auf eine lange Tradition zurück. Die Absolventen der Fachklassen für Garten und Landschaftsgestaltung an der Fach- und späteren Ingenieurschule für Gartenbau Erfurt waren neben den Landschaftsarchitekten, die erst an der Humboldt-Universität in Berlin und später an der TU Dresden ausgebildet wurden, in der ganzen DDR tätig. Viele von ihnen arbeiten heute noch erfolgreich als Landschaftsarchitekten in Büros, Betrieben und Ämtern. Dabei ist das Studium der Landschaftsarchitektur an der FH Erfurt die Fortsetzung eines 130-jährigen Erbes, das 1887 mit der Gründung der Gärtnerlehranstalt in Bad Köstritz unter ihrem Direktor Dr. Settegast begann. Diese wurde 1906 zur höheren gärtnerischen Lehranstalt erhoben.

Dort hatte übrigens auch der spätere Direktor der Forschungsanstalt und Fachhochschule Geisenheim, Gerd Däumel, studiert, wodurch es zu der Hilfe der Geisenheimer Kollegen nach der Wende für die Erfurter Ingenieurschule für Gartenbau kam.

1942 musste in Bad Köstritz auf Befehl der Regierung der Betrieb eingestellt werden. Die Schule sollte an die gartenbauliche Lehranstalt in Posen angegliedert werden, wozu es aber in den Kriegswirren nicht mehr kam. 1946 erfolgte auf Befehl der sowjetischen Militäradministration die Neugründung in Thüringen, zunächst in Ausweichquartieren in Gotha und in der Erfurter Innenstadt, da erst noch die Kriegsschäden auf dem vorgesehenen Gelände der ehemaligen Gärtnerei Haage & Schmidt am Stadtrand von Erfurt beseitigt werden mussten. Der Lehrbetrieb konnte dort 1949 aufgenommen werden; zunächst mit der Meisterausbildung und zweijährigen Technikerklassen, ab Herbst 1952 dann mit dem dreijährigen Fachschulstudium. 1968 erhielt die Fachschule den Status einer Ingenieurschule. Innerhalb der drei Klassen gab es immer eine Fachklasse Garten- und Landschaftsgestaltung mit 25 Schülern, die ab 1956 sogar die einzige in der DDR war. Die Ingenieure der Mittleren Laufbahn kamen also meist aus Erfurt. Projekte der Garten- und Landschaftsgestaltung und der Freiflächengestaltung im Wohn-, Geschäfts- und Industriebau, Kuranlagen, gartendenkmalpflegerische Arbeiten sowie ingenieurbiologische Aufgaben im Rahmen der Landeskultur wurden beispielsweise bearbeitet.

In den 1980er-Jahren wurde Bau- und Pflegekompetenz für den Grünanlagenbau auch in Mühlhausen an der Ingenieurschule für Bauwesen gelehrt und die Erfurter Ingenieurschule sollte zum Technikum heruntergestuft werden. Dennoch konnte die Erfurter Ausbildung sich weiterhin auf dem Gebiet der Gestaltung und Planung behaupten und so ihren Weg zur Ausbildung von Landschaftsarchitekten an der neuen Fachhochschule gehen.

Prof. Gert Bischoff ist Studiengangsleiter für die Fachrichtung Landschaftsarchitektur an der FH Erfurt.

veröffentlicht am 24.03.2017 von Björn Radermacher · Rubrik(en): News

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