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Entwürfe für die Thüringer Wollgarnspinnerei

Rückblick auf den Tag der Städtebauförderung 2023 in Bad Langensalza

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Zum Tag der Städtebauförderung 2023 präsentierten Studierende des Masterstudiengangs Architektur der Fachhochschule Erfurt ihre Projektarbeiten zur ehemaligen Thüringer Wollgarnspinnerei, Bild: Stephanie Kaindl

Text: Stephanie Kaindl

Am 13. Mai 2023 feierten bundesweit über 500 Städte und Gemeinden den Tag der Städtebauförderung. Die Stadt Bad Langensalza kann eine lange Erfolgsgeschichte der Stadtentwicklung mit Hilfe von Städtebaufördermitteln vorweisen, vor allem im Bereich des Sanierungs- und Stadtumbaugebietes „Historische Altstadt“. Im neu eingeweihten Grünzug an der Stadtmauer präsentierten Studierende des Masterstudiengangs Architektur der Fachhochschule Erfurt nun Projektarbeiten zur ehemaligen Thüringer Wollgarnspinnerei, die im Wintersemester 2022/23 am Fachgebiet „Entwerfen und Bauen im Bestand“ unter Leitung von Professorin Stephanie Kaindl in Kooperation mit der Stadtverwaltung Bad Langensalza und der Deutschen Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft mbH DSK erarbeitet wurden. Sie verwiesen damit auf ein für die Zukunft relevantes Themenfeld der Stadtplanung: Wie in vielen Klein- und Mittelstädten hält der Strukturwandel in Bad Langensalza insbesondere im Bereich der Gewerbebetriebe Einzug. Oft sind Werksschließungen auf Industriearealen mit historischem Gebäudebestand die Folge.

Das Zeitalter der Industrialisierung hat in Thüringen eine Fülle unterschiedlicher Gebäudetypologien hervorgebracht. Während sich Fabriketagen aufgrund ihrer Kompaktheit und ihrer meist geringen Raumtiefe oft sehr gut für eine Nachnutzung zum Wohnen oder Arbeiten eignen, stellen Fabrikhallen eine weit größere Herausforderung dar. Selbst wenn Nachfrage an großflächigen Gewerbeflächen besteht, ist bisher Abriss und Neubau der scheinbar einfachere Weg. In Bad Langensalza versucht man, das Thema aus einer neuen Perspektive anzugehen. Um die weitere positive wirtschaftliche Entwicklung der Stadt zu fördern, soll dem neuen Bedarf an Gewerbeflächen nicht durch Ausweisung neuer Gewerbegebiete begegnet werden, sondern durch Wiederbelebung und Aufwertung der bestehenden Gewerbefläche der Thüringer Wollgarnspinnerei mit ihrer historischen Bausubstanz. Obwohl eine solche Strategie im Zeichen der Sorge um den Bestand und angesichts der Dringlichkeit der Bauwende in Zeiten des Klimawandels geboten erscheint, ist sie alles andere als selbstverständlich und könnte beispielgebend auch für andere Standorte werden.

Für die von der Altstadt fußläufig erreichbare 1803 gegründete Fabrik mit ihren denkmalgeschützten Gebäuden – weitläufige Shedhallen, mehrgeschossige Fabrik- und Verwaltungsgebäude mit ca. 15.000 Quadratmetern Geschossfläche – wurden neue Nutzungsszenarien entwickelt und architektonische Konzepte sowie Entwürfe für deren baulich-räumliche Umsetzung erarbeitet. Die Analyse der spezifischen Standortpotenziale und Bedarfe der Stadt Bad Langensalza führten zu unterschiedlichen programmatischen Vorschlägen. Vom Bildungscampus bis zum Handwerkerhof mit unterschiedlichen Anteilen von Dienstleistungs-, Kultur- und Freizeitangeboten reicht die Bandbreite der aufgezeigten Optionen. Gemeinsam ist allen Projekten, dass sich auf dem Areal ein Ort entwickeln soll, der Bad Langensalza um ein zeitgemäßes, vielfältiges Angebot an Ausbildungs- und Arbeitsplätze bereichern soll, das besonders jüngere Menschen anspricht und das Leben in der Stadt dauerhaft attraktiv macht.

Die starke Identität des Industrieareals mit seinen charakteristischen Bestandsbauten kann dazu genauso beitragen wie die Neuinterpretation der vorgefundenen Bausubstanz durch bauliche Eingriffe, die dem Gelände eine spürbare zeitgenössische Prägung geben. Den Gebäudebestand mit minimalem Aufwand ertüchtigen, um komplementäre Raumangebote ergänzen, die Funktionalität verbessern, langfristig Flexibilität gewährleisten, Zonen der Behaglichkeit, aber auch des Experiments bereitstellen, Kreativität und Eigeninitiative fördern, Orte der Kommunikation und des Austauschs schaffen, temporäre Nutzungen durch Externe ermöglichen und Vernetzung anregen – die Ziele sind vielfältig und das Potenzial der ehemaligen Thüringer Wollgarnspinnerei enorm.

Professorin Stephanie Kaindl lehrt an der Professur für Entwerfen und Bauen im Bestand an der Fakultät Architektur und Stadtplanung der Fachhochschule Erfurt.

Weitere Informationen:

Eine Dokumentation der studentischen Arbeiten gibt es auf der Website der FH Erfurt unter:

Website zum Tag der Städtebauförderung:

veröffentlicht am 17.06.2023 von Björn Radermacher · Rubrik(en): News

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