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Erinnerung an Danzig (Gdansk) 1956

Oskar Büttner, Architekt, Prof. em. Dr.-Ing. habil. Bauhaus-Universität Weimar, Prof. ehrenhalber der Technischen Universität Krakau

Unbelastet von politischen Direktiven und historischen Altlasten aus dem Zweiten Weltkrieg ist gegenwärtig ein reger Reiseaustausch zwischen den Bauschaffenden Polens und Deutschlands an der Tagesordnung. Vor 50 Jahren war das noch nicht üblich. Das beiderseitige Misstrauen war groß, die Grenzen weitgehend undurchlässig. Umso überraschter waren wir damals über die ersten zaghaften Schritte einer Annäherung durch einen wechselseitigen Studentenaustausch...

Im August des Jahres 1956 besuchte ich mit 25 Studenten der Fakultät Architektur der damaligen Hochschule für Architektur und Bauwesen Weimar die Politechnika Gdanska (TU Danzig). Wir waren die erste deutsche Studentendelegation nach dem Zweiten Weltkrieg nach Polen. Was uns als Architekturstudenten am meisten interessierte, war der Wiederaufbau der Stadt Danzig. Zu dieser Zeit gab es in Deutschland nur lückenhafte, zum Teil sich oft widersprechende Informationen über unser Nachbarland Polen. Das Kriegsende lag erst elf Jahre zurück. Danzig litt noch unter den Zerstörungen und Wunden, die der Krieg geschlagen hatte. Unschätzbare Architekturdenkmale waren zu 90% vernichtet.

Danzig, die alte ehrwürdige Ostseemetropole, gehört zu den bedeutendsten Ostseestädten. Ihre Gründung reicht zurück in das Jahr 997 n.Chr. Wechselvoll war ihre Geschichte im Laufe der Jahrhunderte. 1945 fiel Danzig an Polen. Unverzüglich begann der Wiederaufbau der fast völlig zerstörten Stadt. Die Industrieanlagen und der Maschinenpark der Werft waren zu 85% vernichtet. Von den rund 100 Verladeeinrichtungen waren 1945 noch vier in Betrieb.

Im historischen Stadtzentrum erfolgte der Wiederaufbau mit der Rekonstruktion der Rechtstadt, der architektonisch eindrucksvollen Langgasse und dem Langen Markt. In diesem Gebiet, das noch zum Kriegsende sinnlos zerstört wurde, waren 1945 nur Fragmente einzelner Gebäude erhalten. Nach den damaligen Vorstellungen wurden die historischen Straßenzüge beibehalten. In der Fassadengestaltung konnte nur bei wenigen Gebäuden der alte Stil nach vorhandenen Zeichnungen und Fotos gewahrt werden, während die Masse der Gebäude nach vermeintlich mittelalterlichen Vorbildern errichtet wurde.

Um die wachsende Wohnungsnot der damaligen Zeit zu lindern und das Bautempo zu steigern, wurden die Dachstühle aus Stahlbeton vorgefertigt. Die Entwicklung solcher Elemente erfolgte in Verantwortung der Projektierung und Bauausführung.
Weitere Stationen unserer Reise waren die Marienburg sowie die Städte Zopot, Oliva, Gedingen, Posen, Warschau, Breslau und Krakau.

veröffentlicht am 02.04.2007 von Birgit Kohlhaas · Rubrik(en): News

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