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Neues Arbeiten ICE-City Erfurt

Ergebnis des nichtoffenen Wettbewerbs

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Perspektive 1. Preis, Bild: HDR GmbH

Für die Errichtung eines Bürogebäudes in der ICE-City Ost der Landeshauptstadt Erfurt lobte die Deutsche Bahn AG einen Architekturwettbewerb aus.

Ziel waren Entwürfe für ein innovatives neues Bürogebäude, das mit hochkarätiger Gestaltung einen besonderen Merkpunkt in der ICE-City schafft. Das Objekt soll zu einer Konzentration der verschiedenen Geschäftseinheiten des Konzerns in der Stadt und der Region beitragen sowie mit einer offenen, kommunikativen Büroraumstruktur und einer flexiblen Nutzbarkeit auf die Anforderungen zukünftiger Arbeitswelten angemessen reagieren.

Am Wettbewerb waren Architektinnen und Architekten in Zusammenarbeit mit Freianlagenplanerinnen und Freianlagenplaner teilnahmeberechtigt. 65 Architekturbüros aus dem deutschsprachigen und internationalen Raum hatten eine Interessensbekundung mit Benennung von Referenzprojekten eingereicht; elf Teilnehmende wurden anhand eindeutiger, nichtdiskriminierender, qualitativer Kriterien aus dem Kreis der Bewerber ausgewählt, weitere vier Architekturbüros waren für die Teilnahme gesetzt. Letztlich wurden 13 Arbeiten zum Wettbewerb zugelassen. Für Preise und Bearbeitungshonorare stellte die Ausloberin eine Wettbewerbssumme von 220.000 Euro (netto) zur Verfügung.

Das Preisgericht unter Vorsitz des Architekten Prof. Michael Schumacher (Frankfurt am Main) lobte den mit dem ersten Preis prämierten Entwurf der HDR GmbH aus München als herausragenden Beitrag für die Entwicklung neuer Arbeits- und Bürowelten. Der Gesamtentwurf überzeuge mit seiner Einbettung in den Stadt- und Landschaftsraum durch seinen nachhaltigen und energieeffizienten Ansatz und lasse sich wirtschaftlich realisieren und betreiben.

Ergebnis

  • 1. Preis (53.000 Euro):
    HDR GmbH, München
  • 2. Preis (33.000 Euro):
    gmp Generalplanungsgesellschaft mbH, Berlin
  • 3. Preis (21.500 Euro):
    MGF Architekten GmbH, Stuttgart

Ausstellung:
Alle Wettbewerbsbeiträge sind noch bis zum 25. September 2020 im historischen Vorempfangsgebäude des Erfurter Hauptbahnhofs, unmittelbar neben dem DB-Reisezentrum, ausgestellt. Aufgrund der derzeit geltenden Einschränkungen zur Bekämpfung der Covid-19-Pandemie können die Arbeiten jedoch nur in Auszügen präsentiert werden. (Öffnungszeiten: Mo.-Fr.: 07:00-18:00 Uhr / Sa.: 07:00-16:30 Uhr / So.: 09:30-18:00 Uhr)

Beurteilung aus dem Preisgerichtsprotokoll zum 1. Preis:
Die Entwurfsverfasser überzeugen mit dem Ansatz des „Erfurter Blockrandes“ im städtebaulichen Kontext und der gleichzeitigen modularen Auflösung zum Blockinneren, dem sogenannten zentralen Marktplatz. Hier dominiert charmant signifikantes und klimaneutrales Stadtgrün den zentralen öffentlichen Raum, der wohltuend notwendige Verkehrsfunktionen (ÖPNV, Fahrradparken) integriert.
Die bewusst in Lage und Höhe gestaffelten Baukörper vermitteln gekonnt zur umgebenden Bebauung und stehen gleichzeitig in adressbildenden, spannungsvollen Beziehungen untereinander. Der notwendige Individualverkehr wird logisch im Westen des jeweiligen Baufelds auf kurzem Weg in die TG abgeleitet, wodurch der Aufenthaltsqualität auf dem Marktplatz und der dort
zentralen Erschließung der jeweiligen Foyer-Bereiche das Primat zugeordnet wird.
Das nördliche Baufeld besticht mit seiner interessant gegliederten und maßstäblichen Baukörperskulptur, die in ihrer konsequenten Materialität mit einem „mineralischen Sockel“ aus Betonbögen, der das 2-geschoßige Foyer einzigartig betont, und der darüber liegenden Element-Fassade mit Aluminiumfenstern und feststehenden Keramik-Lamellen dem Standort feinfühlig und angemessen begegnet. Die zentralen Innenraumqualitäten überzeugen mit begrünten Atrien, die durch schlanke Pfosten-Riegel-Konstruktionen und querenden Brücken einem lichten, einladenden Charakter bieten. Alle notwendigen Funktionen im EG sind sinnvoll zueinander komponiert mit schlüssigen Innen-Außen-Raum-Bezügen.
Im 1. OG befindet sich im DB-Bereich eine zentrale „Diele“, die charmant Raum für zusätzliche Begegnung bietet. Die angeschlossenen Büro-Cluster sind in sich schlüssig und bestechen durch eine konsequente Wegführung entlang der Licht-Fugen. Dies ist ein herausragender Beitrag für eine neue Arbeits- und Bürowelt. Gleichzeitig bietet die Gebäudestruktur eine hohe Flexibilität für variable Nutzungskonzepte aufgrund ihrer Körnigkeit, wobei das TGA-Konzept bzgl. des Ansatzes der ausschließlich freien Lüftung eine Anpassung erfahren sollte.
Das Baufeld Süd schließt mit einer nach Norden orientierten Kammstruktur den „Erfurter Blockrand“. Mit einem 2-geschossigen, durchgesteckten Foyer sowie durch die Treppen-Rampen-Konstruktion im Freiraum geht der Entwurf gekonnt mit der topografischen Situation um. Insgesamt wird der Entwurf auf dem Baufeld Süd schwächer eingeschätzt als der des Baufelds Nord. Der Gesamtentwurf überzeugt mit seiner Einbettung in den Stadt- und Landschaftsraum auch für Zwischenzeiträume beim Wachsen der ICE-City Ost durch seinen nachhaltigen und energieeffizienten Ansatz und lässt sich wirtschaftlich realisieren und betreiben.

Weitere Informationen zum Wettbewerb:
www.phase1.de/dbe

veröffentlicht am 09.09.2020 von Björn Radermacher · Rubrik(en): News, Wettbewerbe nach RPW - Ergebnisse

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