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Ressource Architektur

Viel Zuspruch für virtuelle Rundgänge und Vor-Ort-Besichtigungen

Virtuell in Räume „eintauchen“: Das Objekt „Optiker Zacher“ in Erfurt wurde über ein begehbares 3D-Modell präsentiert (Architekturbüro Weingart und Architekturbüro Dr. Spindler), Bild: matterport.com, © Dominik Kalies www.360grad-world.de 10 Bilder.
Virtuell in Räume „eintauchen“: Das Objekt „Optiker Zacher“ in Erfurt wurde über ein begehbares 3D-Modell präsentiert (Architekturbüro Weingart und Architekturbüro Dr. Spindler), Bild: matterport.com, © Dominik Kalies www.360grad-world.de

Zum Tag der Architektur am 27. und 28. Juni 2020 präsentierten die Architektinnen und Architekten ihre Bauwerke umfassend online über virtuelle Rundgänge; vereinzelt gab es auch Führungen vor Ort.

Um auch in Corona-Zeiten für aktuelle Architektur zu begeistern, waren alle Teilnehmer im Vorfeld aufgerufen, die vorhandene digitale Präsentation aus Fotos und Texten zu erweitern und eigene Ideen und Konzepte für virtuelle Besichtigungen einzubringen. Im Ergebnis steuerte rund jedes vierte beteiligte Architekturbüro ein ergänzendes digitales Angebot bei. Die meisten unter ihnen produzierten eigens Videoclips bzw. Kurzfilme.

So auch dma deckertmesterarchitekten BDA aus Erfurt: In einem knapp dreiminütigen Clip luden die Architekten Joachim Deckert und Rainer Mester zu einer „virenfreien Führung“ durch das viergeschossige Zweifamilienhaus „Hansi“, das durch seine kontrastreiche Fassade aus Blech und verspiegelten Erkern schon von Weitem ins Auge fällt. Dabei kombinierten sie Bilder aus der Entstehung und der Holzkonstruktion mit Aufnahmen der Innenräume und der Dachterrasse.

Ebenfalls per Kurzfilm wurde das Thüringische Hauptstaatsarchiv in Weimar präsentiert. In den Gesamtausbau des Marstallquartiers, bis 1878 durch die Oberbaudirektoren Coudray und Streichhan erbaut, flossen durch die öffentliche Hand über eine Dauer von mehr als zwanzig Jahren rund 30 Millionen Euro; zuletzt wurde mit dem nördlichen Westflügel und den Freianlagen (Planung und Baugestaltung J. Hofmann Freier Architekt) auch der dritte Bauabschnitt federführend durch das Büro Aschenbach Architekten BDA fertiggestellt. Der Clip nimmt den Besucher auf eine Reise durch die Bauphasen, deutet die bewegte Geschichte an und zeigt das Quartier auch aus der Vogelperspektive.

Neben weiteren Kurzfilmen (zur Seniorenresidenz „Prinzenpalais“ Gotha von Hartung & Ludwig, zur Wunderkammer Natur Mühlhausen von Backhaus & Barnett, zur Werraquell-Hütte Fehrenbach von Architektin Meike Hummel sowie zur Gemeinschaftsschule Wenigenjena von RKW Architektur + und IHLE Landschaftsarchitekten) waren im Angebot auch ein Blog zur Planungs- und Bauphase (MVZ Weimar von RJ . Planungsbüro), die Bilder mehrerer Drohnenflüge (zum ZOB Dingelstädt von der Waldhelm GmbH und Architekt Christian Brüstel sowie zum Wohngebäude Rudolstadt von Goedecke.Raschke Architekten) und ein 360°-Panorama auf Facebook (Zweifelderhalle Saalfeld, A-N-S Architekten).

Mittels eines digitalen Rundgangs über ein 3D-Modell stellte der Architekt Rüdiger Weingart das Objekt „Optiker Zacher“ in Erfurt vor. Besucher hatten über die Plattform matterport.com die Möglichkeit, in verschiedene Bereiche des Hauses „einzutauchen“ und sich optisch um die eigene Achse zu drehen. Auf diese Weise war das gesamte Volumen des traditionsreichen Hauses im Bild zu erleben – in den beiden unteren Geschossen der Laden mit seinen Nebenräumen, im zweiten Obergeschoss und im Dachgeschoss eine noch leerstehende Maisonette-Wohnung mit Dachterrasse.

Die Resonanz auf den virtuellen Tag der Architektur war groß: Von Freitag, den 26. Juni, bis Sonntag, den 28. Juni 2020, informierten sich etwa 5.000 Besucher auf der Kammer-Website und riefen rund 24.000 Seiten auf – eine deutliche Zunahme zu den Vorjahren und auch eine Folge der verstärkten Bewerbung über die Sozialen Medien.

Wer nicht im Netz unterwegs war, konnte an insgesamt acht Bauwerken auch reale Räume vor Ort erleben. Infolge der Corona-Lockerungen hatten sich einige Bauherren gemeinsam mit ihren Planern dazu verständigt, unter Einhaltung der geltenden Schutzmaßnahmen Führungen an und in ihren Objekten zu ermöglichen.

Das größte Interesse erfuhr das um einen Anbau erweiterte Atelierhaus Prof. Peter Keler in Bad Berka, saniert und umgebaut vom Erfurter Büro herrschmidtarchitektur BDA. Trotz verpflichtender Anmeldung per E-Mail konnte Architekt Thomas Schmidt 160 Besucher begrüßen. Damit auch alle zu ihrem Recht kamen, wurden die Führungen in kleinen Gruppen über eine Dauer von insgesamt acht Stunden hinweg ausgedehnt. Belohnt wurden die Gäste mit faszinierenden Einblicken in ein weitgehend unbekanntes Bauhaus-Denkmal und großzügigen Ausblicken in die umgebende Natur.

Auch anderenorts zeigten sich die Besucher begeistert: „Die Gäste stellten viele Fragen, waren sehr wohlwollend und mit dem Geschaffenen offenbar einverstanden“, berichtet die Landschaftsarchitektin Andrea Ziegenrücker. Gemeinsam mit ihrem Team von PSL Landschaftsarchitekten konnte sie am Samstag und Sonntag insgesamt 50 Besuchern die Besonderheiten des umgestalteten Berliner Platzes in Erfurt präsentieren. „Die Stimmung war sehr gut, so dass auch wir selbst uns wohl und zum Berichten animiert gefühlt haben.“

„Sehr diszipliniert und stets mit Mund-Nasen-Schutz unterwegs“ waren die rund hundert Besucher des Appartementhauses in Arnstadt. „Wir haben sehr aufgeschlossene und neugierige Menschen getroffen, die ein hohes Interesse an ihrer Stadt und der gebauten Umwelt haben“, schildert Architekt Renald Hirsch von der Linimed Gruppe GmbH das Erlebte.

Zu einer spontanen Öffnung kam es in Gera: „Wir hatten uns wegen vieler Rückfragen, auch seitens der Presse, kurzfristig für eine Begehung entschlossen, da das Ladengeschäft sowieso an dem Tag offen hatte“, erzählt Architekt Thomas Laubert, der durch das Objekt „High Vision“ 25 Besucher führte.

Den Tag der Architektur hatte die Kammer auch diesmal den Medien gegenüber intensiv beworben. Zwar fiel das Echo auf die überwiegend digitalen Angebote erwartungsgemäß weniger umfangreich aus als in den Jahren zuvor, zahlreiche Redaktionen griffen das Thema aber auch dankbar auf. Das MDR Thüringen Journal stellte in seinen TV-Sendungen erneut ausgewählte Objekte vor und verwies auch auf die virtuellen Besichtigungen, der Hörfunksender MDR Kultur tat es dem gleich.

Für alle Teilnehmer bleibt die Option, ihr Bauwerk auch im kommenden Jahr vorzustellen. Wir hoffen, dass am 26. und 27. Juni 2021 eine Präsentation in bewährter Form möglich sein wird. Online-Rundgänge und Videoclips können die Objektdarstellungen auch künftig ergänzen. Der Anfang ist getan.

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Ausgewählte digitale Angebote und weitere Impressionen:
www.architekten-thueringen.de/tda/tda2020/

veröffentlicht am 21.07.2020 von Björn Radermacher · Rubrik(en): News, Tag der Architektur

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