Silber für den Jen-Tower
Erstes DGNB-Zertifikat in Thüringen
Am 28. Februar wurde in Jena eine weitere Lücke geschlossen. Nicht etwa die des Eich- oder des Inselplatzes, gemeint ist vielmehr jene Leerstelle, die bislang auf der Landkarte der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen, kurz DGNB, herrschte. Diese besagte bis dato, dass es kein Bauwerk in Thüringen mit DGNB-Zertifizierung gibt.
Geschlossen hat die Lücke kein Neubau, sondern Thüringens höchstes Gebäude, der Jen- oder Intershop-Tower. Erbaut zu Beginn der 1970er Jahre von Herrmann Henselmann wurde der Turm um die Jahrtausendwende entscheidend saniert und modernisiert, dabei unter anderem vollständig bis auf die Stahlbetonkonstruktion entkernt und mit neuer Haustechnik und Fassade versehen. Bauherr damals wie heute: die Saller Unternehmensgruppe; ausführende Planungsbüros waren die Planungsgruppe Geburtig und das Architekturbüro Ruhland, beide aus Weimar, die sich zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammenschlossen.
Rund zehn Jahre liegen zwischen Baumaßnahme und Zertifizierung. Dies liegt freilich in erster Linie daran, dass die DGNB erst seit 2007 besteht. Erstaunlich ist es dennoch, dass die Weichen für die spätere Auszeichnung in einer Zeit gestellt wurden, als Nachhaltigkeitsapekte in den Gedanken vieler Bauherren noch eine eher untergeordnete Rolle spielten.
Was also führte zum Prädikat in Silber in der Kategorie „Bestand Büro- und Verwaltungsgebäude“? Bewertet wurden die bekannten DGNB-Kriterien ökologische, ökonomische, soziokulturelle und technische Qualität sowie die Prozess- und Standortqualität. Besonders hervorzuheben ist laut Auditor Ronald Schlegel die Einsparung von 922 Tonnen Kohlenstoffdioxid im Jahr durch die Verwendung von einhundert Prozent Ökostrom. Der Gesamtprimärenergiebedarf liegt mit 128 kWh/m²a unter dem Referenzwert der DGNB. Gleiches gelte für die gebäudebezogenen Nutzungskosten. Äußerst positiv bewertet wurden unter anderem auch der thermische Komfort und die Umnutzungsfähigkeit des Turmes.
In der Summe wurden die definierten Anforderungen zu 71,7 Prozent erfüllt; zur nächsthöheren Kategorie fehlen 8,3 Prozent.
Geht es nach dem Betreiber und Bauherren des Hochhauses, soll 2014 aus Silber Gold werden.
Björn Radermacher