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Sonnenenergie für die Kunst

Stadtumbau in Gera – Beispiel einer Zwischennutzung

Die Revitalisierung von Brachen durch Zwischennutzung ist ein interessantes und mittlerweile auch sehr vielfältiges Thema. Es gibt für die sehr differenzierten Problemsituationen naturgemäß keine Patentlösungen. Das Beispiel aus der Geraer Kernstadt zeigt, dass trotz aller Schwierigkeiten innovative Lösungen möglich sind.

Ein ehemaliger Industriestandort aus dem 19. Jahrhundert, umgeben von Wohngebäuden und weiteren gewerblich genutzten Bauflächen, fiel im Ergebnis der Veränderungen des Jahres 1990 wie eine Vielzahl anderer brach. Nach einem langen Zeitraum des Leerstandes konnte das Fabrikgelände Ende der 1990er Jahre von einem Bauträger erworben und mit der Stadt ein vorhabenbezogener Bebauungsplan ausgehandelt werden. Vorgesehen war die Errichtung eines Frische-Marktes kombiniert mit weiteren Ladengeschäften. Zur städtebaulichen Fassung des Quartiers war ein mehrgeschossiges Büro- und Dienstleistungsgebäude zu errichten. Aufgrund fehlender Nachfrage konnte der geplante Bau jedoch nicht vermietet und somit nicht verwirklicht werden. Die Stadt beharrte jedoch auf der Realisierung des vertragsgemäßen Zustandes.

Im Ergebnis eines intensiven Dialogs wurden die Geraer Künstler Sven Schmidt und Winfried Wunderlich vom Bauträger beauftragt, Alternativen für die räumliche Fassung des Quartiers zu erarbeiten. Aus mehreren Varianten entstand in einer angeregten und kreativen Debatte die nun realisierte Lösung in Form von gebäudehohen Stahlelementen, die in ihrer perspektivischen Wirkung die historische Raumkante wieder aufleben lassen. So erinnert der obere Abschluss mit seiner Form an die typischen Sheddächer, die vormals auf dem Industriegelände vorhanden waren. Zwischen die vertikalen Elemente wurden textile Bahnen gespannt, die mit zeitgenössischer regionaler Kunst versehen sind. Die Themen dieser „Freiluftausstellung“ wechseln mindestens einmal im Jahr und werden mit dem Fachdienst Kultur abgestimmt.

Finanziert wurde die Anlage vom Bauträger; die laufenden Kosten der Ausstellungen werden über Solarelemente, die auf den nachempfundenen Sheddachformen montiert sind, beglichen.

Obwohl das eigentliche städtebauliche Ziel zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht erreicht werden konnte, ist es doch gelungen, mit diesem temporären Projekt eine formale und inhaltliche Verknüpfung städtebaulicher Absichten auf interessante Weise zu gewährleisten und gleichzeitig einen Beitrag zur Öffentlichkeitsarbeit und zum Angebot von Kunst im öffentlichen Raum zu leisten.


Konrad Steinbrecht, Fachdienst Bauvorhaben, Fachgebiet Bauplanung der Stadt Gera

veröffentlicht am 02.10.2010 von Björn Radermacher · Rubrik(en): News

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