Wiederentdeckung des Neuen Bauens in Erfurt
Ausstellung zeigte fotografische Gebäudeporträts
Eine vierzehntägige Ausstellung in Erfurt präsentierte Anfang November unter dem Titel „Nach dem Bauhaus“ fotografische Gebäudeporträts des Neuen Bauens der 1920er Jahre. Im Gegensatz zu der Zeit seines kometenhaften Aufstieges in der Zwischenkriegszeit ist diese Bauepoche heute als ein identitätsbestimmendes Moment in Erfurt zurückgetreten, ja fast vergessen.
Entstanden ist die Ausstellung als eine Gemeinschaftsarbeit von Studierenden und Lehrenden der Fakultäten Architektur, Gestaltung und Medien der Bauhaus-Universität. Grundlegend war ein im Sommersemester durchgeführtes architekturhistorisch-fotokünstlerisches Seminar. Die drei Betreuer der Studierenden, Dr. Mark Escherich, Iris Engelmann und Alexander Lembke, betonten in ihren Statements am Eröffnungsabend den fachübergreifenden Ansatz des Projektes. Der Blick des Anderen habe sich überaus inspirierend ausgewirkt.
Der Titel „Nach dem Bauhaus“ sei dabei lediglich als grober Rahmen zu verstehen innerhalb dessen die moderne Architektur der 1920er Jahre in der thüringischen Landeshauptstadt thematisiert würde. Spätestens seit der Weißenhofsiedlung 1927 in Stuttgart war das Neue Bauen zur tonangebenden Architekturströmung in Deutschland geworden. Auch in Erfurt wurde es lebhaft begrüßt. Das zur Ausstellung erschienene Buch stellt diese Ära in Erfurt auch im Hinblick auf seine damalige Fotografie erstmals umfassend dar und macht damit eine Facette der Stadt greifbar, die man im Heute allzu oft vermisst. „Die alte Stadt fühlt sich wieder jung“ ist der einleitende Aufsatz von Mark Escherich über die Architektur der 1920er Jahre in Erfurt entsprechend programmatisch überschrieben.
Nicht zuletzt scheint es den Machern aber genauso um die Frage des Umgangs mit diesem nicht immer geliebten Erbe zu gehen. So reflektieren die im Buch zahlreich wiedergegebenen Fotografien der Studierenden hauptsächlich die Gegenwart der in die Jahre gekommenen Gebäude. Sie werden nicht nur als Architektur wahrgenommen, sondern auch aus der Perspektive der Kunst und des Alltags. Wandel, Alterung und Gebrauch finden sich genauso in den fotografischen Serien wie die Abwesenheit und die mögliche Rückkehr der Menschen. Geplant ist nun eine zweite Ausstellung in Weimar.
Buch: Iris Engelmann, Mark Escherich und Alexander Lembke (Hg.): Nach dem Bauhaus. Geschichte und Fotografien des Neuen Bauens in Erfurt, Weimar 2009 (212 Seiten, Preis: 16,80 Euro, ISBN 978-3-86068-399-6)