„Abendmahl“
Rückblick auf die Kompaktwoche an der Fakultät Architektur und Stadtplanung der Fachhochschule Erfurt
Text: Prof. Joachim Deckert
Die traditionelle Weihnachtskompaktwoche brachte den Studierenden der Erfurter Fakultät Architektur und Stadtplanung (ARS) zwar ein christliches, wenn auch ein nicht gerade weihnachtliches Thema. Der Titel „Abendmahl“ mag anfangs spröde und etwas einseitig klingen, die fast 300 Bearbeiter zeigten – wie immer – dass die Befürchtungen unberechtigt waren.
In einem unbetreuten Vorlauf wurden erste Ideen entwickelt, die von Montag bis Mittwoch vor Weihnachten betreut und umgesetzt wurden. Zur Präsentation hatte sich das Fakultätsgebäude in einen pulsierenden Basar verwandelt. Die Professorenjurys hatten über zwei Stunden zu tun, um alle Projekte zu bewerten. Stellenweise wurde mit mehr oder weniger wohlschmeckendem Bestechungsmaterial aufgewartet. Dabei war die Auseinandersetzung mit einer bewussten Nahrungsaufnahme eines der Kernthemen, allerdings auch die Auseinandersetzung mit den sozialen Verhältnissen in Deutschland und der Welt und der Tatsache, dass nicht jeder genug zu essen hat, während hierzulande tonnenweise Lebensmittel in den Müll wandern.
So entwickelte eine Gruppe eine Art Resteverwertungs-App. Im Erdgeschoss gab es eine Wok-Station „Same but colorfull“. Hier wurde jeweils gleiches Gemüse frisch zubereitet und mit Soßen nach Wahl als europäisch, asiatisch, nord- oder südamerikanisch angeboten. Die Jury war satt – und begeistert – noch vor der Preisverleihung. Eine andere Gruppe inszenierte einen gedeckten Tisch, der gleichzeitig leer ist: Nur die Tischdecke konserviert als hinterleuchtetes Relief das, was hier einst war. Kein Tisch, nichts zum Sattwerden, nur Ästhetik. Eine kleine Puppenstube, auch in weiß, zeigt eine klassische Heilig-Abend-Familie mit Weihnachtsbaum und Geschenken beim üppigen Mahl, dahinter laufen im Fernseher live Horror-Nachrichten aus dem syrischen Krieg. Andere setzten dem letzten Abendmahl das „erste Frühstück“ gegenüber und schufen eine Milchbar, wo Milchpulver, Kuhmilch und (vemeintliche) Muttermilch zum Testen angeboten wurden. Bei einer Gruppe verschiedenster Glaubensrichtungen (Christen, Atheisten, Moslems, Hindus) führte die Diskussion in die Tiefen der jeweiligen Liturgien und endete mit dem Titel „… und er brach das Brot – aber welches“ zu einer Brotprobe, bei der verschiedene Brote vom Fladenbrot über Pumpernickel bis zur Oblate gekostet werden konnten. „Die letzte Konsultation“ rückte die Abendmahlinterpretation von Ben Willikens am Abend vor der Projektabgabe in die Hochschule.
Vor der Preisverleihung in der Aula wurden die entstandenen Filme präsentiert. Die Siegerarbeiten wurden mit authentischen Küchenutensilien aus den privaten Professorenhaushalten prämiert.
Prof. Joachim Deckert ist Professor für Entwerfen, Gestaltungslehre und Darstellungslehre sowie Öffentlichkeitsbeauftragter an der Fakultät Architektur und Stadtplanung der Fachhochschule Erfurt.