Ausbildungsplatznotstand bei freien Berufen
Informationen des Landesverbandes der Freien Berufe Thüringen, Weimar
Ende Juni waren in Thüringen noch rund 15.000 Bewerber ohne eine Lehrstelle. Obwohl zum Ende des Schuljahres 2003 ungefähr 1.000 Schulabgänger weniger gegenüber dem Vorjahr zu erwarten sind, stieg die Zahl Ausbildungssuchender um etwa 1.000 Jugendliche an. Diese ungünstige Entwicklung ist begründet in der weiteren Abnahme der Ausbildungsbereitschaft der Betriebe und Einrichtungen um etwa 10 % der Ausbildungsplätze von 2002 und etwa 20 % gegenüber 2001. Die Altnachfrage aus dem Vorjahr belastet den Markt mit einem Anteil von 40 % erheblich. Hinzukommt, dass 2003 nur noch 10 % der Absolventen Ausbildungsverträge in den alten Bundesländern annehmen.
Diese Entwicklung in politisch und wirtschaftlich schwieriger Zeit macht auch um die Freien Berufe keinen Bogen. Erstmalig wurden im 1. Halbjahr 2003 gegenüber den Vorjahren erheblich weniger Ausbildungsbereitschaften trotz vermehrter Akquise der Ausbildungsplatzentwickler gewonnen. Im Durchschnitt mussten 22 Besuche durchgeführt werden, um einen Ausbildungsplatz zu erreichen. Die positive Entwicklung der Vorjahre ist eklatant weggebrochen. Gegenüber dem Zeitraum des Vorjahres reduzierte sich die Ausbildungsbereitschaft besuchter Einrichtungen auf 78 %.
Die Ausbildung bei den Architekten in Thüringen ist nur noch eine positive Ausnahme, die Besuche der Ausbildungsplatzentwickler bleiben nahezu ergebnislos.Insgesamt wurden bei den freien Berufen 52 Ausbildungsplätze weniger akquiriert.
Viele Freiberufler wünschten „die genau passende Auszubildende“ für ihre Einrichtung. Oft wurde das Arbeitsamt bei der Suche bewusst ausgeschlossen, weil schlechte Erfahrungen der Vorjahre vorlagen. Bürokratische Hürden in den Schulen und fehlende Motivation der Schüler hemmen. Nur in einigen Schulen konnten Interessenten getroffen, getestet und direkt vermittelt werden. Die Empfehlungen, junge Bewerber zum Praktikum einzuladen und deren Eignung zu ermitteln, wird immer mehr beherzigt und hilft vorzeitige Vertragslösungen zu verringern.
Die verspäteten und zum Teil sich widersprechenden hektischen Bemühungen und Wendungen der Wirtschafts-, Sozial- und Finanzpolitik waren eine unsichere Basis für den Mittelstand. Personalabbau als Folge machte auch um die Freiberufler Thüringens keinen Bogen. Neben den Unwägbarkeiten für eine exakte Planung in die Zukunft hemmen solche Faktoren wie die Absichten der Streichung der Honorarordnung und die Baukrise die Vergrößerung des Personalbestandes. Vor diesem Hintergrund sehen sich Freiberufler außerstande neu auszubilden.
Viele Freiberufler fragen nach Fördermitteln und müssen in ihren Erwartungen enttäuscht werden. Die Möglichkeiten, nach dem GuW, LIP, auf dem KfW-Fonds und durch die GfAW Ausbildung zu finanzieren, sind aufgrund der geringen Eigenkapitaldecke nur gering und stellen nur eine geringe Förderung dar. Ausnahme bildet das LIP für technische Freiberufler, die über Investitionsmöglichkeiten mit Eigenanteil verfügen. Sie können beim Schaffen eines neuen Ausbildungsplatzes 25.000,00 € zusätzlich je Ausbildungsplatz bekommen. Aber dazu fehlt die Arbeit, fehlt ein funktionierender Planungs- und Auftragsmarkt.
Ein wesentliches Hemmnis für mehr Ausbildungsplätze ist die nicht befriedigende Berufsberatung und –orientierung in den Regelschulen und Gymnasien. Die Betreuung und Überleitung der Absolventen beschränkt sich häufig auf den Verweis zum Arbeitsamt. Der unpersönliche Umgang mit dem PC führt schnell zur Resignation. Ausbildungsmöglichkeiten durch die Freiberufler spielen dabei kaum eine Rolle. Die Ausbildungsplatzentwickler können nur in speziellen Fällen passgenau in den Schulen gute Bewerber für die Einrichtungen aufspüren.
Während viele Absolventen aktiv und flexibel um ihre Entwicklung bemüht sind, ist eine Mehrzahl noch nicht Vermittelter wenig motiviert, kaum aktiv und unbeweglich. Für viele Freiberufler stellten sich die Absolventen als immer ungeeigneter heraus. Kritiken an den schulischen Vorleistungen, vor allem an den Deutschkenntnissen und den Einstellungen werden immer offener.
Eine generelle Verbesserung der Ausbildungssituation ist nur im Zuge der wirtschaftlichen Erholung, dem Schaffen von Arbeit und einer erfolgreichen Mittelstandspolitik zu erwarten.