Bahnhofsvorplatz und Wettinerstraße in Altenburg
Ergebnis des nichtoffenen freiraum‐ und verkehrsanlagenplanerischen Realisierungswettbewerbs
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Die Stadt Altenburg beabsichtigt, den Bahnhofsvorplatz und die Wettinerstraße neu zu gestalten. Fahrbahnen, Geh- und Radwege, Stell- und Halteflächen sowie Grün- und Aufenthaltsbereiche sollen unter Berücksichtigung der historischen Bedeutung des Ortes und der denkmalschutzrechtlichen Vorgaben neu geordnet und aufgewertet werden.
Der Bahnhofsvorplatz bildet als „Einfallstor“ zur Stadt den Auftakt zur repräsentativen Wettinerstraße und zur Altenburger Innenstadt. Der historische Bahnhof und die anschließende Wettinerstraße prägen den Stadtraum wesentlich. Auch die gegenüberliegende, historisch gewachsene Grünanlage ist Bestandteil der Wettbewerbsaufgabe. Der Bereich ist heute insbesondere durch den Busbahnhof und die Offenburger Allee überformt. Bahnhof, Bahnhofsvorplatz und Busbahnhof sind über eine Unterführung miteinander verbunden.
Grundlage für die Neugestaltung ist das 2023 von der Stadt Altenburg beschlossene Verkehrskonzept. Ziel ist eine zeitgemäße und qualitätsvolle Gestaltung des gesamten Bereichs, die den heutigen Mobilitätsanforderungen ebenso Rechnung trägt wie den Anforderungen an Barrierefreiheit und Klimaanpassung. Dabei soll insbesondere das Prinzip der „Schwammstadt“ berücksichtigt werden.
Die Wettbewerbsaufgabe umfasst die Neuordnung der Fahrbahnen und Nebenanlagen, der ÖPNV-Haltestellen sowie der Park- und Aufenthaltsflächen. Gleichzeitig sollen die verkehrlichen und fußläufigen Beziehungen zwischen Bahnhofsvorplatz, Wettinerstraße, Offenburger Allee, Fußgängerüberführung mit Aufzug und P&R-Platz verbessert werden.
Das Wettbewerbsgebiet gliedert sich in einen Realisierungsbereich mit Bahnhofsvorplatz, Wettinerstraße und der Freifläche westlich der Wettiner Straße sowie einen Ideenbereich auf der Stellplatzfläche nördlich des Bahnhofs. Die Nettoherstellungskosten der Frei- und Verkehrsanlagen (KG 500) im Realisierungsbereich werden auf rund 5,3 Mio. Euro geschätzt (Stand: Januar 2026). Die Umsetzung soll bis zur Landesgartenschau 2032 in Altenburg abgeschlossen sein.
Teilnahmeberechtigt waren Landschaftsarchitekt*innen in Zusammenarbeit mit Ingenieur*innen für Verkehrsanlagenplanung, wobei die Federführung bei den Landschaftsarchitekt*innen lag. Für Preise und Anerkennungen stellte die Ausloberin insgesamt 76.000 Euro netto zur Verfügung. Insgesamt wurden 15 Arbeiten eingereicht.
Das Preisgericht tagte am 18. August 2026 in Altenburg unter dem Vorsitz von Heike Roos, Landschaftsarchitektin und Stadtplanerin aus Weimar. Es vergab zwei Preise und eine Anerkennung.
Ergebnis
1. Preis (38.000 Euro)
- faktorgruen Landschaftsarchitekten bdla Beratende Ingenieure Partnerschaftsgesellschaft mbB, Freiburg
2. Preis (30.400 Euro)
- Greenbox Landschaftsarchitekten, Köln
IngPlan Ingenieursgesellschaft mbH, Coesfeld
Anerkennung (7.600 Euro)
- OTTL.LA Landschaftsarchitekten Schöberl Hövelmann PartG mbB, München
shp Verkehrsplanung PartG mbB, Hannover
Ausstellung der Wettbewerbsarbeiten
Die Wettbewerbsarbeiten sind noch bis zum 2. Oktober 2026 öffentlich in der Stadtverwaltung Altenburg, Brunnenstraße 3, zu sehen. Der Siegerentwurf wird zusätzlich in der Stadtverwaltung Altenburg, Neustadt 7, ausgestellt.
Die Ausstellung kann in beiden Gebäuden zu folgenden Zeiten besucht werden:
- Dienstag: 8:30–12:00 Uhr und 14:00–18:00 Uhr
- Mittwoch: 8:30–12:00 Uhr
- Donnerstag: 8:30–12:00 Uhr und 14:00–16:00 Uhr
- Freitag: 8:30–12:00 Uhr
Beurteilung des Preisgerichts zum ersten Preis
Die Arbeit 1132 überzeugt durch ihre klare geometrische Gestaltung mit ihren beiden Baumkarrees vor dem Bahnhofsgebäude, dem Fontänenfeld und den lockeren Bauminseln mit den Staudenpflanzen, die an die früheren Schaubeete erinnern. Die repräsentative Gestaltung schafft ein hohes Identifikationspotential und eine freundliche, attraktive, erlebniswirksame Eingangssituation. Dies wird durch Straffung und Ordnung der Mobilitätsanforderungen zu einem den Zielen der Ausschreibung ansprechenden Entwurf unterstützt.
Wesentliche Beziehungen in der Verknüpfung der Verkehrsträger werden gut auf der Nordseite des Platzes abgewickelt. Die notwendige Verbesserung des ZOB ist erkannt und angedeutet. Durch die Öffnung der „Tiefebene“ in Richtung Bahnhofsgebäude und Haltestellen wird eine verkehrsgerechte Verteilung der Verkehrsströme erreicht. Fußgängerüberquerungen über die Platzmitte sind sinnvoll angeordnet und werden begrüßt, sind aber im Bereich der östlichen Busbucht noch zu unpräzise. Die Führung des Radverkehrs ist praktikabel, zu prüfen wäre die Ausbildung als kombinierte Fläche, um den Boulevardcharakter der Wettinerstraße zu stärken. Die große Radabstellanlage auf dem zukünftigen P+R Parkplatz außerhalb des Wettbewerbsgebietes ist nicht umsetzbar.
Besonders überzeugend ist die Auflösung der schluchtartigen Raumsituation zwischen Bahnhofscenter und Platzkante durch die Terrassierung und Öffnung der Böschung, die vielfältige multicodierte Freiraumnutzungsoptionen bietet. Der Platzraum wird gekonnt in die angrenzenden Straßenräume und charmant zum ZOB übergeleitet. Herausragend werden sozialkritische Räume durch die weite Tunnelöffnung und den Pavillon entschärft und mit sinnvollen Funktionen (Kiosk, Café) sozial belegt. Die Materialität kann überzeugen, ist aber in Bezug auf Barrierefreiheit und Bodenindikatoren noch unpräzise. Die in den westlichen Platz eingestellte barrierefreie Rampe könnte funktional noch stärker auf die südliche Haltestelle fokussieren.
Die historischen Strukturen des Städtebaus werden durch die vorgestellten Baumreihen bzw. die Karrees aufgegriffen. Die Sichtachsen auf das Hauptportal überzeugen und werden durch diagonale Blickachsen ergänzt. Die Weiterführung als Allee ist im Sinne der historischen Achse zielführend. Die Idee der Trittsteine ist aufgrund der kleinräumigen Veränderung des Stadtbodens umstritten.
Herausragende, auch gestalterisch überzeugende Aspekte für den klimaresilienten Stadtraum stellen das Wasserspiel mit Fontänen und die Vernebelungsflächen sowie die gestalterisch prägenden Versickerungsbeete, die Wasserqualitäten differenzieren, dar. Die Verschattung des Platzes wird durch die neuen Baumstandorte überzeugend erreicht.
Der Gesamtentwurf lässt einen lebendigen Möglichkeitsraum entstehen, der zu allen Tages‐ und Nachtzeiten funktional und sozial funktioniert und eine angemessene Begrüßung des Stadtraums Altenburg erlaubt.