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Bauten der Moderne in Thüringen

Rückblick auf die Exkursion der Kammergruppe Eichsfeld Unstrut Hainich

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Haus Schulenburg in Gera, Bild: Rainer Beykirch

„Bauten der Moderne“ lautete das Motto der Exkursion der Kammergruppe Eichsfeld Unstrut Hainich im Bauhausjahr 2019. Nachdem wir in den vergangenen Jahren Städte wie Dessau, Dresden, Bremen und Wittenberg besucht hatten, wollten wir in diesem Jahr in Thüringen bleiben und uns hier eher weniger bekannten Orten des modernen Bauens widmen.

Am ersten Adventswochenende war das erste Ziel der Eiermannbau in Apolda. Das in den 1930er-Jahren von Egon Eiermann entworfene Gebäude gilt als Ikone der Industriekultur in Thüringen. Nach langem Leerstand ist es seit 2018 Sitz der IBA Thüringen und wird als Open Factory entwickelt. Das Kunsthaus Apolda ist schon länger ein Geheimtipp. Passend zum Thema unserer Exkursion wurde dort gerade die Ausstellung „Traumstadt“ mit Werken von Lyonel Feininger gezeigt. Ein Ausstellungsbesuch gehörte selbstverständlich zum Exkursionsprogramm.

Am nächsten Tag standen das Haus Schulenburg in Gera und die Tessenow-Siedlung in Pößneck auf dem Plan. Haus Schulenburg von Henry van de Velde ist heute in Privatbesitz und wird als Museum betrieben. Man findet dort neben dem beeindruckenden Bauwerk selbst viele originale Möbel und Interieurs aus der Entstehungszeit sowie Zeichnungen und Veröffentlichungen des Künstlers.

Dass sich in Pößneck der weltweit umfangreichste erhaltene Bestand an Bauten Heinrich Tessenows finden lässt, wissen nur Eingeweihte. Und man muss sie wirklich erst finden oder sich von einem kundigen Stadtführer zeigen lassen, denn die DDR-Zeit, vor allem aber die „Möglichkeiten“ der letzten 30 Jahre überdecken vieles von der ursprünglich ganz klaren Struktur dieser Bauten. Manches ist heute wiederhergestellt. Wenn aber der Denkmalschutz nicht greift – einige Siedlungen waren aus dem Denkmalschutz herausgenommen worden – und private Eigentümer ihre Häuser jeder nach seinem Gusto „verhübschen“, kann vieles verloren gehen. Wir haben erfahren, dass unter dieser jüngsten Schicht noch ganz viel Ursprüngliches vorhanden ist. Die Stadt Pößneck hat sich gemeinsam mit der Tessenow-Gesellschaft auf den Weg gemacht, dieses Erbe wieder erlebbar zu machen.

Der letzte Exkursionstag war der Stadt Jena gewidmet. Vor allem die Industrialisierung hat hier wichtige Bauten der Moderne entstehen lassen. Das Haus 15, ein Fabrikgebäude für das Zeiss-Werk (Architekt Friedrich Pützer),
wurde im Jahr 1915 als erstes Hochhaus Deutschlands nach dem Vorbild amerikanischer Wolkenkratzer errichtet. Das heute gar nicht mehr als solches erscheinende Hochhaus hat acht Etagen und misst 42 Meter. Nicht weniger
beeindruckend ist das zwischen 1934 und 1935 errichtete Ernst-Abbe-Hochhaus (Architekten Georg Steinmetz und Hans Hertlein), auch bekannt als Bau 36. Das ehemalige Verwaltungsgebäude des Zeiss-Hauptwerks wurde als Stahlbetonskelettbau konstruiert und wird von der Skulptur des Münchner Künstlers Joseph Wackerle „Durch Nacht zum
Licht“ über dem Eingang geziert.

In Jena kommt man natürlich am Zeiss-Planetarium nicht vorbei. Nach Entwürfen der Architekten Schreiter & Schlag begann der Bau Ende 1924. Im Juni 1926 wurde es als viertes Planetarium weltweit eröffnet. Noch immer zieht es viele Besucher an. Auch wir konnten uns dem Sternenhimmel in unterschiedlichen Konstellationen und der Entstehung unserer
Galaxie widmen.

Den Abschluss der Exkursion bildete die Turmbesteigung der Stadtkirche St. Michael. An diesem seit Jahrhunderten bebauten Ort konnten wir noch einmal den Blick über Jena, die umgebende Landschaft und das weite
Thüringer Land schweifen lassen.

Unser Fazit: In Thüringen gibt es auch für uns Architektinnen und Architekten noch erstaunlich viel Unbekanntes zu entdecken.

Elke Bergt

veröffentlicht am 09.04.2020 von Björn Radermacher · Rubrik(en): News, Kammergruppe Eichsfeld Unstrut Hainich, Berufspolitik/ Kammerarbeit

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