„Ensemble am Kissel“ in Bad Salzungen
Ergebnis des nichtoffenen Realisierungswettbewerbs Hochbau und Freianlagen
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Mitten im Thüringer Staatswald, nahe dem Rennsteig, liegt das Gebäudeensemble „Am Kissel“ in Insellage. Seit Oktober 2024 ist ThüringenForst Eigentümerin des gesamten Bestands. Mit einem nichtoffenen Realisierungswettbewerb wurden nun Ideen für die Revitalisierung und zukunftsfähige Entwicklung des traditionsreichen Standorts gesucht.
Ziel ist es, die leerstehende Bausubstanz zu reaktivieren und sowohl die temporär genutzten Gebäudeteile als auch die denkmalgeschützte Bausubstanz einer ganzheitlichen und nachhaltigen Nutzung zuzuführen. Die ehemals beliebte Ausflugsgaststätte soll damit vor dem Verfall bewahrt und zu einem neuen Anziehungspunkt für die regionale Bevölkerung und überregionale Besuchergruppen entwickelt werden.
Gegenstand des Wettbewerbs waren das historische „Jagdhaus Kissel“ und die ehemalige Ausflugsgaststätte mit Betriebsferienheim „Am Kissel“ einschließlich der umgebenden Freiräume. Das rund 1,8 Hektar große Wettbewerbsgebiet befindet sich im Ortsteil Waldfisch der Stadt Bad Salzungen im Thüringer Wald.
ThüringenForst verfolgt das Ziel, das Ensemble aufzuwerten, zu revitalisieren und als touristischen Standort mit einem besonderen Profil als Seminarhaus weiterzuentwickeln. Dafür sind die denkmalgerechte Sanierung des historischen Jagdhauses sowie die Modernisierung und der Umbau des ehemaligen Restaurants und Hotels vorgesehen. Auch die umgebenden Freianlagen sollen neu gestaltet und aufgewertet werden.
Am Wettbewerb konnten Arbeitsgemeinschaften aus Architekt*innen und Landschaftsarchitekt*innen teilnehmen. Die Wettbewerbssumme betrug insgesamt 70.000 Euro netto. Die Teilnehmerzahl war auf 20 Teams begrenzt, fünf davon wurden von der Ausloberin gesetzt.
Das Preisgericht tagte am 20. August 2026 in Bad Liebenstein unter dem Vorsitz von Andreas Reich, Architekt aus Weimar. Es vergab drei Preise und eine Anerkennung.
Ergebnis
1. Preis (28.000 Euro)
- Schettler & Partner PartGmbB, Weimar
plandrei Landschaftsarchitektur GmbH, Erfurt
2. Preis (21.000 Euro)
- studiopenta Architekten PartGmbB, Köln/Münster
gartenlabor bruns Landschaftsarchitektur, Hamburg
3. Preis (14.000 Euro)
- ALEXANDER POETZSCH ARICHITEKTUREN BDA, Dresden
RSP Freiraum GmbH, Dresden
Anerkennung (7.000 Euro)
- ARGE Meier Unger Architekten PartGmbB + Kern Architekten PartGmbB, Leipzig
studio erde GmbH, Zürich
Beurteilung des Preisgerichts zum ersten Preis
Reparieren statt Sanieren - so beschreiben die Verfasser ihren strategischen Konzeptansatz. Die Planung zielt auf eine vorsichtige Inwertsetzung, welche die Bewahrung des Bestandes mit wenigen, aber aus Sicht der Jury sehr wirkungsvollen Maßnahmen kombiniert. Der dank konsequenter Umsetzung dieser Strategie vorgelegte Wettbewerbsentwurf wird daher insgesamt sehr positiv beurteilt.
Der Leitidee folgend werden für alle Gebäude(teile) differenzierte Maßnahmenkataloge entwickelt und im Entwurf umgesetzt. Dabei werden Tragstruktur, Nutzungsverteilung und Gebäudehülle einerseits gleichermaßen behutsam repariert und andererseits charakterstark in Szene gesetzt.
Dank der vorgeschlagenen, nur in den zu beheizenden Raumbereichen zum Einsatz kommen-den Innendämmung, bleiben die struktur- und gestaltbildenden Elemente von Gaststätte und Bettenhaus grundsätzlich erhalten, werden durch die vorgeschlagene Fassadenbekleidung mittels Kalkputz mit mineralischer Schlämme und die Interventionen im Bereich der Öffnungselemente aber zeitgenössisch und überzeugend interpretiert.
Die vorgefundenen Raumstrukturen werden respektiert und behutsam ertüchtigt. Vorhandene Defizite werden trotz des minimalinvasiven Planungsansatzes geschickt geheilt. Dabei wird eine überraschend große Variantenbreite in Bezug auf die angebotenen Zimmertypologien generiert.
Auf eine barrierefreie Erschließung des Obergeschosses innerhalb des Gebäudes wird verzichtet. Eine Anbindung über den Außenraum ist gegeben.
Berücksichtigung der denkmalschutzrechtlichen Belange
Die Strategie des „Reparierens statt Sanierens“ und der damit einhergehende behutsame Um-gang mit dem Bestand kommt auch den denkmalgeschützten Gebäuden unbedingt zugute. Die für diesen Bereich vorgeschlagenen Nutzungen und die bauliche Freistellung des Pferdestalls (durch den Rückbau des Anbaus) sind im Kontext des Gesamtkonzeptes schlüssig und unter-streichen die dem Entwurf eingeschriebene Konzentration auf das Wesentliche.
Die vorgeschlagene Strategie formuliert einen wichtigen und im Teilnehmerfeld einzigartigen Konzeptansatz. Sie lässt in Verbindung mit dem eng am Bestand angelehnten Nutzungskonzept eine wirtschaftliche und ressourcenschonende Realisierung erwarten.
Gestaltqualität und Funktionalität der Freiräume
Die Erschließung orientiert sich stark am Bestand. Der Entwurf sieht das gebäudenahe Parken entlang des Zufahrweges südlich des Gast- und Bettenhauses vor. Dieser Vorschlag wird kritisch gesehen, wenn auch die praktische Handhabung erkannt wird. Dieser Punkt hat Abwägungspotential hinsichtlich der Freiräume und der Aufenthaltsqualität am Biergarten unter dem Ahorn und der Freiräume am Bettenhaus. Der Wendehammer könnte somit ebenfalls entfallen.
Die Idee den Thüringer Wald als Charakterträger zu nehmen ist sehr gut umgesetzt und erkennbar. Das Jagdhaus bleibt in seinem historischen Ensemble in Begleitung der Bestandsbäume in einer grünen Kulisse. Der Teich wird wiederhergestellt und wird mit dem Holzdeck er-lebbar.
Kleine Wege verbinden unmerklich die Gebäude, ohne eine konkrete Parkgestaltung vorzu-nehmen. Die Behutsamkeit der Gebäudesanierung setzt sich im Außenraum fort.
Der Eingangsbereich wird aufgewertet, dadurch dass der für den Biergarten prädestinierteste Raum unter dem Ahorn gewählt wird. Für ein adäquates Ankommen rollen sich die polygona-len Natursteinplatten der Sockelfassade zu einem Teppich in das Gebäude aus.
Die ebenerdigen Austritte aus den Übernachtungsräumen werden sehr positiv bewertet. (…)
Fazit: Der Entwurf bildet in der Summe seiner Teile und dank des konsequent bescheidenen und klug gewählten Planungsansatzes einen wichtigen und überzeugenden Beitrag zum Wettbewerbs-verfahren und erscheint aus Sicht der Jury unbedingt zur Realisierung geeignet.