Fachtagung Solarhausausstellung „In den Fichtlerswiesen“ Jena
Presseinfo
Der weiteren Verbreitung des Passivhausstandards dient das EU-Projekt European Solar Exhibition – Solarhausausstellung – an dem sich die Stadt Jena neben weiteren 10 europäischen Städten mit konkreten Bauvorhaben beteiligt. Damit leistet die Stadt gleichzeitig einen kleinen kommunalen Beitrag zu der Verpflichtung, die Deutschland mit der Ratifizierung des Kyoto-Protokolls zur Reduzierung der Treibhausgase eingegangen ist. Denn rund 45 % der CO2- Emissionen in Thüringen entstehen durch den häuslichen Energieverbrauch für Heizung und Warmwasser.
Mit der Fertigstellung des 190 m langen „Sonnenblumenweges“ im Bebauungsplangebiet „In den Fichtlerswiesen“ - gelegen zwischen Ringwiese und Beutenberg - im Juli diesen Jahres wurden 13 Baugrundstücke erschlossen, auf denen nun Einfamilen- bzw. Doppelhäuser in Passivhausstandard errichtet werden sollen. Das Gebiet ist durch die Südausrichtung der Häuser und die windgeschützte Lage ausgezeichnet geeignet für derartige Vorhaben. Zwar gibt es in Thüringen bereits einzelne Häuser diesen Typs, aber noch nicht eine derartige Konzentration.
Der öffentliche Höhepunkt der Teilnahme Jenas an dem EU-Projekt war die Ausrichtung einer Tagung rund um das Thema Passivhaus am 2.September 2005 im Rathaus. Diese Tagung, die unter Begleitung sowohl des Bundesbauministeriums als auch Thüringer Ministerien verlief, wendete sich an Architekten, Bauträger und interessierte Bauherren gleichermaßen.
Die Architektenkammer Thüringen wurde durch Frau Oestereich vertreten, die in einem Grußwort die Aktivitäten des Beratungszentrums für ökologisches Planen und Bauen vorstellte.
Die Veranstaltung informierte sowohl über theoretische Hintergründe als auch über bereits durchgeführte Projekte in der Region.
In den ministeriellen Grußworten wurde die Bedeutung von Energieeffizienz angesichts der globalen Situation herausgestellt; insbesondere Bauminister Andreas Trautvetter stellte den raumordnerischen Abwägungsprozess für die Errichtung von Anlagen für alternativen Energien heraus.
Der von der EU beauftragte Koordinator, Herr Friemert (ZEBAU, Hamburg) schlug die Verbindung zu allen am Projekt beteiligten europäischen Städten, bei denen die Erfordernisse je nach historischer Entwicklung, den klimatischen Bedingungen und der jeweiligen Baukultur sehr differenzieren.
Herr Dr. Feist (Passivhausinstitut Darmstadt) führte 10 Gründe auf, mit denen sich das Passivhaus empfiehlt. Insbesondere hob er hervor, dass eine breite Anwendung diesen Standards eine Abkopplung von der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen bewirkt und damit eine Dämpfung bei der Energiepreisentwicklung mit sich bringt. Für Bauherren zeichnet sich diese nachhaltige Bauweise nicht nur aus ökologischer Betrachtungsweise aus, sondern auch fiskalische Sicht wegen der geringen laufenden Kosten und der zu erwartenden hohen Wertbeständigkeit.
Herr BD Hegner (BMVBW) berichtete über den Stand des gesetzgeberischen Prozesses um die Energieeinsparverordnung, der eine Umsetzung der EU-Richtlinien zur Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden darstellt. Schwerpunkt soll die Einführung des Gebäudeenergiepasses sein, der die Nutzer auf einfache Weise über die Energiequalität des Hauses formiert; die öffentliche Hand sollte beim Umgang mit diesem Instrument bei ihren Gebäuden Vorbild sein.
In mehreren Kurzvorträgen wurden in der Region realisierte Passivhäuser vorgestellt.
Im Rahmen der Veranstaltung erfolgte auch die Auswertung eines von der Stadt Jena ausgelobten Einreicherwettbewerbes für das Bebauungskonzept des Gebietes mit Passivhäusern. Als Preisträger wurden die Büros ADOBE, Erfurt und hof10, Mötzelbach ausgezeichnet, eine Anerkennung erhielt die Gemeinschaft Berger und Partner, Chemnitz.
Die Veranstaltung fand bei den ca. 80 Gästen eine gute Resonanz. Als Ergänzung zu den Themen der Tagung wird für Interessierte im November ein „Tag der offenen Baustelle“ organisiert, an dem die bis dahin 3 bis 4 errichteten Häuser besichtigt werden können. Der jeweilige Bauzustand vor der Fertigstellung wird Einblicke in die für Passivhäuser spezifische verwendete Haustechnik erlauben.
Stadtverwaltung Jena
Dezernat Stadtentwicklung und Bauwesen
Stadtplanungsamt