Neugestaltung des Marktplatzes in Bürgel
Ergebnis des offenen freiraumplanerischen Realisierungs- und verkehrsplanerischen Ideenwettbewerbs
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Der Marktplatz in Bürgel bildet seit Jahrhunderten das lebendige Zentrum der Stadt. Als Ort der Begegnung, des Austauschs und der Identifikation prägt er maßgeblich das städtische Leben. Um diese Funktion auch künftig zu sichern und den Platz an aktuelle sowie zukünftige Anforderungen anzupassen, wurde durch die Stadt Bürgel ein offener freiraumplanerischer Realisierungs- und verkehrsplanerischer Ideenwettbewerb ausgelobt.
Ziel des Verfahrens war es, qualitätsvolle und zugleich umsetzbare Entwurfskonzepte zu gewinnen, die den historischen Kontext des Marktplatzes respektieren und gleichzeitig zukunftsweisende Lösungen entwickeln. Im Fokus der Aufgabenstellung standen insbesondere:
- eine konsequent barrierefreie Gestaltung für alle Nutzergruppen,
- eine deutliche Steigerung der Aufenthaltsqualität,
- die Stärkung der Identifikation mit der Innenstadt als sozialem Mittelpunkt
- sowie eine integrierte, zukunftsfähige Verkehrsplanung im Spannungsfeld von Fuß-, Rad- und motorisiertem Verkehr einschließlich ÖPNV.
Besondere planerische Anforderungen ergaben sich aus der Lage des Marktplatzes innerhalb eines denkmalgeschützten Ensembles. Entsprechend waren die Belange des Denkmalschutzes sensibel in die Entwürfe zu integrieren. Gleichzeitig stellte die durch das Wettbewerbsgebiet verlaufende Bundesstraße B7 eine zentrale Herausforderung dar, die innovative Lösungen zur Vereinbarkeit von Verkehrsfunktion und Aufenthaltsqualität erforderte. Aspekte des Klimaschutzes und der Klimaanpassung waren integraler Bestandteil der Aufgabenstellung.
Angesprochen waren Landschaftsarchitekt*innen und Stadtplaner*innen sowie Ingenieur*innen für den Ideenteil. Die Wettbewerbssumme belief sich auf 75.000 Euro netto.
Insgesamt wurden 38 Wettbewerbsarbeiten eingereicht. Das Preisgericht unter Vorsitz von Prof. Irene Lohaus (Landschaftsarchitektin und Stadtplanerin, Dresden/Hannover) tagte am 25. und 26. März 2026 in Bürgel. Es würdigte die hohe Qualität der Beiträge und vergab drei Preise sowie drei Anerkennungen.
Ergebnis
1. Preis (30.000,- €)
- Greenbox Landschaftsarchitekten Partnerschaftsgesellschaft mbB, Köln
INGPLAN INGENIEURGESELLSCHAFT MBH, Coesfeld
Ein 2. Preis (18.000,- €)
- POLA Landschaftsarchitekten GmbH, Berlin
FINO Projekt UG, Lüneburg
Ein 2. Preis (18.000,- €)
- arbos landscape GmbH, Hamburg
Dipl.-Ing. Matthias Grote, Hamburg
Anerkennungen (je 3.000,- €)
- Franz Reschke Landschaftsarchitektur GmbH, Berlin
Freie Planungsgruppe Berlin GmbH
- Weidinger Landschaftsarchitekten GmbH, Berlin
Schüßler-Plan Ingenieurgesellschaft mbH, Berlin
- Brunn & Möllers GmbH & Co. KG, Hamburg
IDS Ingenieurpartnerschaft Diercks Schröder, Hamburg
Beurteilung des Preisgerichts
Zur Arbeit von Greenbox Landschaftsarchitekten:
Die Arbeit nutzt die gewonnen Spielräume der gewählten Lageveränderung der Bundesstraße sehr gut, um Räume und Funktionen des Marktplatzes neu zu ordnen. Durch die Lageveränderung der B7 ergeben sich westlich des Rathauses Möglichkeiten zur Einordnung großer Teile des ruhenden Verkehrs. Damit kann der zentrale Platz als Stadtteppich zwischen Badergasse und Marktpassage verkehrsfrei gehalten werden. Lediglich eine Fahrradquerung und Anlieferung sind neben der fußläufigen Nutzung angedacht. Dies führt zu einer verbesserten Nutzbarkeit und Sicherheit der Flächen für Markt und Aufenthalt. Die üppige Durchgrünung zoniert die Freiräume und filtert die Wirkung der Bundesstraßendurchfahrt. Die Filterung des Straßeneinflusses hilft auch die Aufenthaltsqualität auf dem Platz zu steigern und zoniert den Marktplatz sinnvoll.
Die Berücksichtigung der Sichtachsen Rathaus, Stadtteppich und Töpferbrunnen wird dabei begrüßt. Die Orientierung auf den Flächen wird damit erleichtert. Die Fußgängerführung von der Jenaer Straße wird auf diese Weise geschickt dem Platzbereich zugeordnet, so dass eine beiläufige Nutzung der Aufenthaltszonen animiert wird.
Das zentrales Holzdeck wird in seiner Funktion begrüßt, kann jedoch zwischen Pavillon und Marktbrunnen formal nicht abschließend überzeugen.
Der gewählte neue Standort des Töpferbrunnen lässt eine schlüssige ergänzende Schwerpunktsetzung und Aufenthaltsqualität auf dem östlichen Teil des Marktplatzes erwarten, wird jedoch aus denkmalpflegerischen Aspekten kritisch diskutiert. Die Ideen zur gestalterischen Berücksichtigung der lokalen Keramiktradition werden als interessanter Beitrag gesehen.
Der gewählte neue Standort des Mahnmals kann in Bezug auf die Einbindung nicht vollständig überzeugen.
Die Achse der B 7 wird auch etwas nach Süden verlagert, um Platz für eine angemessene Vorzone des Rathauses und großzügigere Gehwege an der der nördlichen Gebäudereihe zu schaffen. Die vorgeschlagenen Querungen der B 7 (zwei Fußgängerüberwege und eine Lichtsignalanlage) sind bezüglich der Erschließungswirkung gut platziert und erscheinen grundsätzlich umsetzbar.
Das konzentrierte Parkplatzangebot westlich des Rathauses wird durch punktuelle Stellplätze südlich der B7 ergänzt, so dass hier vorhandene Dienstleistungen und Läden direkt erreicht werden können. Die dezentrale Anordnung wird begrüßt, da sie zur Verkürzung der Wege beiträgt und eine Konzentration von PKW in Konkurrenz zu den Aufenthaltszonen vermeidet. Auch die Marktnutzung ohne erforderliche Sperrung der Stellplätze wird positiv bewertet.
Die Wahl von Betonpflaster bzw. platten als Belag für das Bürgerforum ist aufgrund des fehlenden Ortsbezugs nicht nachvollziehbar. Der vorgeschlagene aufgehellte Asphalt für die Fahrbahnen der Bundesstraße wird positiv bewertet und leistet einen wichtigen Beitrag zur Verbindung der Platzbereiche.
Das Regenwassermanagement wird mit Tiefbeeten, Versickerungsmulden und Baumrigolen als umfassend und differenziert vorgeschlagen. Die Begrünung erhält den Bestand weitgehend und ergänzt ihn sinnvoll und umfangreich.
Die Arbeit überzeugt durch eine gelungen entwickelte Raumbildung, die Platz- und Grünflächen sinnvoll verzahnt und bietet im für Bürgel angemessenen Umfang viele neue Qualitäten für Flanieren, Aufenthalt und Spiel. Die Verknüpfungen und Wegebeziehungen in die angrenzenden Quartiere die Zu- und Abfahrten sind gut gesetzt und bieten den Bürgern eine sichere Nutzung aller Flächen. Die Planung wird als angemessen wirtschaftlich und umsetzbar eingeschätzt.