Roos: Rede zum Neujahrsempfang des BDLA
Heike Roos, Vorsitzende BDLA Thüringen, 26.01.2005
Pressemitteilung
Neujahrsempfang des Bundes Deutscher Landschaftsarchitekten Thüringen (BDLA) gemeinsam mit DGGL und FGL
Schulterschluss der Grünen Verbände in der Umsetzung zeitgemäßer Baukultur
In den glasüberdachten Kanonenhof des Erfurter Gartenbaumuseums luden am 26. Januar der BDLA Thüringen gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur e.V. (DGGL) sowie erstmalig mit dem Fachverband für Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Hessen-Thüringen e.V. (FGL) zum Neujahrsempfang der Grünen Verbände ein.
Die ca. 180 Teilnehmer aus den drei Verbänden, Vertreter des Freistaates Thüringen, der Verwaltungen, der Kommunen, der Ausbildungsstätten und der Architektenkammer sowie Vertreter Thüringer Stiftungen wurden durch die Vorsitzenden der Verbände Heike Roos (BDLA), Eiko Leitsch (FGL) und Thomas Herrmann (DGGL) begrüßt.
Die Grußworte der Landesregierung überbrachten Prof. Dr. Juckenack, Staatssekretär im Thüringer Ministerium für Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt und Herr Olaf Langlotz, Abteilungsleiter für Städte- und Wohnungsbau, Raumordnung und Landesplanung im Thüringer Ministerium für Bau und Verkehr. Staatssekretär Juckenack sprach von der besonderen Verantwortung aber auch von der großen Chance für den Berufsstand der Landschaftsarchitekten, aktiv Zukunft zu gestalten durch den Einfluss auf den Wandels des urbanen Raums. Anschließend griff Herr Langlotz das überaus aktuelle Thema auf und verwies auf die Qualitätsoffensive der Thüringer Landesregierung, die mit dem Projekt „Genial Zentral“ Kommunen unterstützt bei der Bewältigung des Stadtumbaus. So können Brachflächen (neuer Sprachgebrauch: Perforationsflächen) wirksam bekämpft und innerstädtischer Wohnraum, zum Beispiel für junge Familien, geschaffen werden. Ein solch komplexes Aufgabenfeld, so Langlotz, sollten Architekten und Landschaftsarchitekten auf gleicher Ebene und in enger Zusammenarbeit realisieren.
„Was ist mit den Landschaftsarchitekten“ fragte sich abschließend in einer kritischen und zugleich sehr menschlichen Reflexion der Festredner Thomas Bleicher, Vorsitzender der
Gartenamtsleiterkonferenz Thüringen (GALK) und Leiter des Bau- und Grünflächenamtes Weimar. Mit Humor ebenso wie mit fachlicher Finesse schlug er einen rhetorischen Bogen vom häuslichen Bücherregal zur Zukunft und Verantwortung des Landschaftsarchitekten in einer sich stark verändernden Gesellschaft. Die Zeit für neue Wege sei gegenwärtig sehr günstig, meinte er und schmunzelte: Denn es wird Frühling!
Bund Deutscher Landschaftsarchitekten
Landesgruppe Thüringen
D. Fromberger
Fachsprecher für Öffentlichkeitsarbeit
www.bdla-thuer.de
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
liebe Kollegen,
Der Neujahrsempfang des BDLA und der DGGL Thüringen ist mittlerweile in die Jahre gekommen und geht nun schon in die 8. Neuauflage. Seit diesem Jahr haben wir einen weiteren Partner: den Fachverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Hessen-Thüringen.
Dieser Schulterschluss der „Grünen Verbände“ mit der ausführenden Zunft ist uns wichtig, denn nur Qualität in der Umsetzung garantiert die viel besprochene Baukultur. Nur wegweisende gebaute Beispiele öffnen die Augen für Qualität der Frei- und Landschaftsräume und leisten damit von ganz allein einen entscheidenden Beitrag zur Baukultur in diesem Land.
Und dazu brauchen wir im Alltag Partner, Partner mit Wahrnehmungsvermögen für das, was wir tun und auch Partner mit Durchsetzungsvermögen.
Baukultur – ein Stichwort, welches eng verbunden ist mit der Stiftung Baukultur Thüringen – auch hier sind wir Landschaftsarchitekten aktive wie auch gleichberechtigte Partner, was sich durch die ordentliche Berufung in den Stiftungsrat widerspiegelt. Dies werte ich als Zeichen der Achtung, der zunehmenden Akzeptanz und auch Anerkennung unserer täglichen Arbeit.
Die Stiftung Baukultur Thüringen hat eine deutliche Vorreiterrolle mit ihrem 2-jährigen Bestehen übernommen. Die Gesetzesverabschiedung für die Bundesstiftung Baukultur erfolgte deutlich zeitversetzt am 15.12.2004 durch das Bundeskabinett.
Im Bereich der gebauten Freiräume ist in Thüringen in den letzten Jahren eine deutliche Bewußtseinssteigerung eingetreten.
In diesem Jahr wird gemeinsam durch die Stiftung Baukultur Thüringen und den BDLA ein Buch herausgegeben werden mit dem Titel: „Urbane Landschaftsarchitektur aus Thüringen“. Es wird eine Dokumentation von qualitätsvoll gebauten Freiräumen, wo die Landschaftsarchitektur ein wichtiger Bestandteil des Gesamtensembles ist und starke Bezüge zum Hochbau und Städtebau erlebbar macht.
Trotzdem brauchen wir noch mehr Öffentlichkeitswirksamkeit. Und die Mittel dazu sind vielfältig.
Mit der Auslobung des ersten Thüringer Landschaftsarchitektur-Preises im Jahre 2000 wurde ein wesentliches Instrument geschaffen, aktuelle, qualitätsvolle Landschaftsarchitektur zu würdigen und in den Blickpunkt der Öffentlichkeit zu rücken. Dieser Preis, der bis 2004 übrigens bundesweit der einzigste Landschaftsarchitektur-Preis auf Landesebene war, wird im 2-jährigen Turnus ausgelobt. Ein Teil von Ihnen war zur feierlichen Landschaftsarchitektur- Preisverleihung im September 2004 auf der LGS Nordhausen zugegen, hier im Kanonenhof nochmals die Ausstellung der eingereichten Arbeiten, die wirklich deutlich die Bandbreite und Qualität unserer Arbeit vermittelt. Ich freue mich schon auf die erneute Auslobung des Preises erst im Jahre 2007 im Zusammenhang mit der ersten Bundesgartenschau in Thüringen in Gera-Ronneburg.
Ein anderes Beispiel der Öffentlichkeitwirksamkeit:
Die 2. Thüringer Landesgartenschau war 2004 in Nordhausen. Sie war ein Instrument des planenden und ausführenden Berufsstandes und auch ein Instrument des gegenständlich gewordenen Stadtumbaus. Nordhausen ist ein gutes Beispiel, hier war ausreichend Planungsvorlauf, um nicht nur die sogenannte Kernzone der Landesgartenschau neu zu gestalten, sondern das Instrument der Landesgartenschau zur nachhaltigen Stadtentwicklung wirklich zu nutzen.
Die darauffolgende Landesgartenschau wird erst im Jahre 2012 stattfinden. Mit der Ausschreibung dafür darf nicht gewartet werden, bis die Bundesgartenschau 2007 in Gera-Ronneburg vorbei ist, es sind zwei Instrumente auf verschiedenen Ebenen ! Mein Appell richtet sich an die Politik, noch in diesem Jahr die Ausschreibung für die Landesgartenschau 2012 zu veröffentlichen, um den eigentlich notwendigen Planungsvorlauf bis zur Durchführung der Landesgartenschau von 8 Jahren nicht noch weiter zu unterschreiten.
Noch ein weiteres Beispiel der Öffentlichkeitswirksamkeit:
In den letzten 4 Jahren waren die Open Gardens – Offene Gärten ein voller Erfolg. Ein für uns Organisatoren erstaunlich großes Interesse verschiedenster Bevölkerungsgruppen suchte und fand Stimmungen und Beispiele in den geöffneten Gärten. Die riesige Resonanz zeugt von hohem Stellenwert der Freiräume und macht sie vor allem bewußt in ihrer breiten Verankerung! Auch 2005 wird es Anfang Juni wieder offene Gärten in den Thüringer Städten und Dörfern geben! Schon jetzt lade ich Sie dazu herzlich ein!
Neben der Aktion der Open Gardens – Offenen Gärten leisten die Landschaftsarchitekten natürlich im Berufsalltag rund ums Jahr mit gebauten Anlagen einen entscheidenden Beitrag zur Baukultur – der einfach nur mit offenen Augen gesehen werden muß.
Und wie Sie mit Ihren stets offenen Augen bereits festgestellt haben, ist Landschaftsarchitektur wirklich nicht losgelöst von der Hochbauarchitektur und dem Stadt- und Landschaftsraum zu betrachten. Dort haben wir in den letzten 15 Jahren Aufbauarbeit geleistet und Architekten haben über die Arbeit mit uns Landschaftsarchitekten erfahren, dass man gemeinsam besser, schneller, ökologischer planen und bauen kann!
Meine Damen und Herren,
Auch für uns Landschaftsarchitekten gilt der Ausspruch von
Adolf Freiherr Knigge:
„Jeder Mensch gilt in dieser Welt nur so viel, als das, wozu er selbst sich macht.“
Wir Landschaftsarchitekten sind nicht nur Grünplaner, Landschaftsgestalter, Freianlagenplaner, Fachplaner, Freiflächengestalter oder Landschaftsplaner – sondern wir sind nach dem Thüringer Architektengesetz eigenständige Entwurfsverfasser zu unseren Berufsaufgaben.
Und diese sind vielfältig, von der Beurteilung der Umweltverträglichkeit von Vorhaben, über die regionale und kommunale Landschaftsplanung, die auch das aktuelle Thema Hochwasserschutz beinhaltet, über konkrete, gebaute Freianlagen bis hin zum Gartendenkmalschutz und zur Innenraumbegrünung.
Und auch im Wettbewerbswesen sind wir keine Sonderfachleute oder Gutachter, sondern eigenständige Entwurfsverfasser ! Diesbezüglich möchte ich die Wettbewerbspraxis in Thüringen positiv hervorheben, oft wird die Zusammenarbeit mit Landschaftsarchitekten zwingend vorgeschrieben.
Ergo:
Landschaftsarchitekten bringen sich in Prozesse ein, sei es beispielsweise konkret der Stadtumbau, die Dorferneuerung oder die Umgestaltung von Schulen.
Noch ein Blick in die Zukunft: Trotz der schwierigen Finanzlage der Kommune, Landkreise und des Freistaates muss bei den anstehenden Aufgaben auf gute fachliche Kompetenz und Qualität geachtet werden – denn nur so kann Geld gespart werden.
Gestatten Sie mir abschließend Saint-Exupéry zu zitieren:
„Um klar zu sehen, genügt oft ein Wechsel der Blickrichtung.“
Vielen Dank!
Heike Roos, Vorsitzende des BDLA Thüringen