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Vom Architekten zum Baumanager

Interview mit Wolfgang Lukassek, Architekt, Erfurt

Dipl.-Ing. Wolfgang Lukassek, seit 1962 Architekt im Dombauamt des Erfurter Doms, ab 1989 Leiter des Bischöflichen Bau-amtes, Mitglied des BDA und Mitbegründer und Vizepräsident der Thüringer Architektenkammer, Mitglied in der Arbeitsgrup-pe für kirchliche Architektur und Kunst bei der Liturgiekommission der Deutschen Bischofskonferenz, beging im Herbst des vorigen Jahres sein 40-jähriges Dienstjubiläum. Christel Müller sprach mit ihm.

Herr Lukassek, 40 Jahre im Dienste der Architektur, haben sich Ihre Ideale erfüllt?

Ich würde sagen, dass ich vieles von dem, was ich in den Anfangszeiten meiner beruflichen Tätigkeit für die katholische Kirche in Thüringen machen konnte, meinem Ideal nahe kam, sicher nicht in den Größenordnungen meiner Vorbilder, aber was ich durch das Literaturstudium oder das Besichtigen von Bauten übernehmen konnte, habe ich auch umsetzen können.

Wer waren Ihre architektonischen Vorbilder?

Für mich waren die beiden großen Kirchenbaumeister Dominikus Böhm und Rudolf Schwarz diejenigen, an denen ich mich damals in den 60-iger und 70-iger Jahren fachlich und architektonisch sowie auch im Umgang mit der Liturgie in den Kirchen orientiert habe.

Ihre architektonische Handschrift trägt die Sprache des 66-iger Konzils „Unterwegs zu Gott“, ist Architektur für Sie Zeichensprache, Semiotik?

Die Liturgiereform des Konzils löste eine Welle an baulichen Veränderungen in den Kirchen aus, die mit den gestalterischen Mitteln der Gegenwart zu realisieren waren, ein spannender Prozess im Spannungsfeld zwischen historischem Bestand und Neuem. Für mich ist Architektur die sinnliche Vermittlung von Liturgie.

Die Wende hat auch Ihnen ein neues Aufgabengebiet beschafft, aus dem entwerfenden Architekten wurde ein Bau-manager im Auftrag der Kirche.

Ja, bis zur Wende lagen alle Schritte vom Entwurf bis zur Errichtung eines Gebäudes in meiner Hand. Heute sind wir Mana-ger des kirchlichen Bauens, setzen Wettbewerbe an, bereiten Verträge vor, beraten die Kirchengemeinden, organisieren das Zusammenspiel zwischen dem Bauherrn, der Kirchengemeinde und den Dienstleistern, den Architekten, den Ingenieuren und Künstlern.

Welche Kompromisse, meinen Sie, kann ein Architekt tragen und wo sind die Grenzen der Kompromissbereit-schaft?

Architektur hat immer was mit Kompromissen zu tun. Die formalen Vorstellungen des Architekten und die schöpferischen Details, die damit zusammenhängen sind die eine Seite, Auftraggeber und Nutzer die andere. Ich denke, im Dialog beider sollte ein Werk entstehen, das auch Bestand für die Zukunft hat.

Was würden Sie anders machen?

Ich glaube ich würde versuchen, diesen vorgenannten Dialog eher zu beginnen und zu fördern.


Sie gehen nächstes Jahr in Pension. Was machen Sie im Ruhestand?

Ski laufen und Mountainbike fahren und viel lesen. Und dann hoffe ich, noch einmal eine Kirche bauen oder sanieren zu dürfen...

Christel Müller, Erfurt

veröffentlicht am 17.03.2003 von Susann Weber · Rubrik(en): News

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