Von Thüringen nach Blankenburg und Wernigerode – Wertschätzung des Alten in Verbindung mit Neuem
Rückblick auf die Exkursion der Kammergruppe Kyffhäuser Südharz
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Am 4. September 2026 begaben sich 24 Architekten und Architektinnen sowie Geschichts- und Kulturinteressierte aus Nordthüringen auf eine spannende Exkursion in die Blütenstadt Blankenburg und in die Fachwerkstadt Wernigerode.
Unser 1. Ziel – Blankenburg mit dem repräsentativen Schloss und seinen Barockgärten.
Beginnend am Schloss – das größte noch erhaltene der Welfen – die Silhouette der über 900-jährigen alten Stadt prägend, begrüßten wir sehr herzlich unsere langjährige Begleitung Carmen Niebergall von „tourenreich – Architektur- und Kunstreisen Mitteldeutschland“. Das Schloss gründet auf mittelalterlichen Burgresten sowie auf Renaissance-Bauten. Anfang des 18. Jahrhunderts entstand auf dem „Blankenstein“ ein Barockschloss mit europäischer Bedeutung für die damalige welfische Fürstenresidenz. Die barocke Architektur ist bis heute weitgehend erhalten.
Bedauerlicherweise führte jahrelanger Leerstand zu erheblichen Schäden im und am Ensemble. Seit Ende 2008 ist die gemeinnützige Großes Schloss Blankenburg GmbH seine Eigentümerin. 2014 erhielt der Verein Rettung Schloss Blankenburg e.V. den Deutschen Preis für Denkmalschutz.
Der Geschäftsführer der Großen Schloss Blankenburg GmbH, Herr Andre Gast, führte uns gemeinsam mit Dipl.-Ing. (TU) Sven Ungethüm vom betreuenden Architekturbüro STUDIO73 Architekten durch die sanierten Teile sowie noch folgenden Sanierungsteilen des Welfenschlosses. Sie berichteten ausführlich von der Historie sowie den Planungen für die kommenden Jahre. Wir wünschten Ihnen dafür weiter gutes Gelingen und bedankten uns mit einem Mitbringsel aus Nordthüringen bei beiden.
Wir spazierten anschließend durch den Barockgarten zum Kleinen Schloss. Bürgermeister Heiko Breithaupt und Frau Reinboth vom Stadtplanungsamt gewährten uns mit „Blankenburg – gestern – heute – morgen“ Einblicke in die Stadtentwicklung. Das 110 ha große Sanierungsgebiet „Altstadtkern mit Schloss Blankenburg (Harz)“ bildet das funktionale und emotionale Herzstück der Stadt. Es umfasst ihre Mitte und prägt das Stadtbild.
Weiter führte uns der Stadtverwaltungsmitarbeiter Herr Kasper in die Stadt über „Mut zur Lücke“ – Schulstr. 11 mit dem 2. Preis im Wettbewerb 2011 und geplant von NOA-Architekten Hasselfelde, Architekt Falko Nosovsky, zum Marktplatz. Fast wie nebenbei erzählte er uns Interessantes zur Stadthistorie.
Mittags kehrten wir ins Kartoffelhaus Blankenburg ein, um gestärkt für den Nachmittag im Anschluss nach Wernigerode zu fahren.
Das 2. Ziel – Wernigerode mit dem historischen Stadtkern und den vielen restaurierten Fachwerkhäusern
Die beliebte Stadt Wernigerode liegt am Nordrand des Harzes und trägt den Beinamen „Bunte Stadt am Harz“. Das Rathaus auf dem Marktplatz, das schiefe Haus, das kleinste Haus und das älteste Haus sind nur einige dieser Besonderheiten, die die reiche Wernigeröder Fachwerkidylle ausmachen. Am erstgenannten begrüßte uns der Dezernent für Stadtentwicklung Immo Kramer und der die Sanierung betreuende Architekt M. Sc. Andreas Dieckmann, auch Präsident der HWK Magdeburg und Inhaber des Architekturbüros STUDIO73 Architekten. Wir besichtigten neugierig bis zum Dach das Rathaus mit seinem sanierten Trauzimmer und hörten gespannt dem Bericht zur Stadtentwicklung in Wernigerode zu. Wir wünschten auch Ihnen hierfür weiter viel Erfolg und übergaben beiden Nordthüringer Mitbringsel.
Nun wartete bereits Rainer Schulze, der Vorstandsvorsitzende der Kulturstiftung Wernigerode, in der barocken Konzertkirche Liebfrauen Wernigerode auf uns. Wir lauschten, dass die von Bürgern initiierte Kulturstiftung schon 2002 die Idee zur Zukunft der Liebfrauenkirche hatte, jedoch erst die erfolgreiche Teilnahme an einem von der EU finanzierten Wettbewerb zur Sanierung von Kulturstätten schob das Projekt an. Das denkmalpflegerisch wertvolle und 2019 entwidmete Kirchengebäude wird durch die kulturelle Nutzung nachhaltig gesichert. Der leider strukturschwache Teil der Altstadt zwischen Rathaus und Schloss wurde spürbar aufgewertet. Die einstige Kirche bietet mit unter dem Deckengewölbe ideale Voraussetzungen für eine brillante Akustik – wir konnten einer Konzertprobe kurzfristig beiwohnen. Ein neuer, sich in Materialität und der Sockelproportion andienender schlichter Anbau beinhaltet das Foyer und einige Nebenräume. Das Prinzip „So wenig wie nötig, so viel wie möglich“ gilt hier für Funktion, Technik und Ästhetik. Gern bedankten wir uns mit einer Spende für die sehr ausführlichen Informationen.
Zum Abschluss der spannenden Exkursion trafen wir uns in der Spanischen Bodega in der Stadt und ließen die Eindrücke des Tages bei angeregten Gesprächen Revue passieren. Ein großer Dank gilt Carmen Niebergall für die Organisation dieser erlebnisreichen neunten Etappe unserer Exkursionen nach Sachsen-Anhalt. Wir freuen uns schon auf die nächste Tour 2027 und heißen alle Kolleginnen und Kollegen herzlich willkommen! Wird es das Schloss Wernigerode oder die Städte Merseburg und Querfurt? Lassen Sie sich überraschen!
Text: Pia Wienrich