Braugoldareal Erfurt

Ergebnis des nichtoffenen Realisierungswettbewerbs im kooperativen Verfahren

Braugoldareal Erfurt - Ansicht Schillerstraße 1. Preis, Bild: Osterwold°Schmidt EXP!ANDER Architekten BDA, Weimar / Lohrer.hochrein landschaftsarchitekten und stadtplaner gmbh, München 6 Bilder.
Braugoldareal Erfurt - Ansicht Schillerstraße 1. Preis, Bild: Osterwold°Schmidt EXP!ANDER Architekten BDA, Weimar / Lohrer.hochrein landschaftsarchitekten und stadtplaner gmbh, München

Das GSW Gemeinnütziges Siedlungswerk GmbH Frankfurt am Main beabsichtigt mit der Entwicklung des Braugoldareals der gestiegenen Nachfrage nach Wohnraum in innenstadtnaher, integrierter Lage von Erfurt Rechnung zu tragen. Auf dem ehemaligen Braugoldgelände sind Miet- und Eigentumswohnungen mit 40 bis 130 Quadratmetern Wohnfläche vorgesehen.

Das Gelände der ehemaligen Brauerei besteht aus einer Vielzahl von einst gewerblich genutzten Einzelgebäuden aus den Baujahren 1890 bis 1960. Im Laufe der Zeit war das Areal vielfach baulichen Änderungen und Erweiterungen unterworfen, so dass das bauliche Ensemble zum gegenwärtigen Zeitpunkt stark überformt ist. Der größere Teil des Gebäudebestandes (Produktions- und Verwaltungsgebäude) wurde im Jahre 1993 zunächst in die Denkmalliste und im Jahre 2005 in das Denkmalbuch des Freistaates Thüringen eingetragen.

Der Vorhabenträger beabsichtigt, das Areal überwiegend einer Wohnnutzung zuzuführen und mit Wohngebäuden zu bebauen. In Abhängigkeit von den Wohnungsgrößen bzw. dem Wohnungsschlüssel wird von einem Neubau bzw. Bestandsumbau mit insgesamt ca. 190 bis 220 Wohneinheiten ausgegangen. Aufgrund der Entwicklung unterschiedlicher Bebauungs- bzw. wohnungswirtschaftlicher Konzepte ist eine Aufteilung in drei Baufelder vorgesehen.

Zur Teilnahme wurden neun im Wohnungsbau erfahrene Architekturbüros eingeladen, die mit Vertretern der Fachdisziplinen Landschafts¬architektur und Stadtplanung kooperierten. Als Wettbewerbssumme standen 170.000 Euro (brutto) zur Verfügung. Die Jury tagte am 13. September 2018 unter Vorsitz von Prof. Andreas Wolf, Architekt in Leipzig.

Ergebnis

1. Preis (85.000 Euro):

  • Osterwold°Schmidt EXP!ANDER Architekten BDA, Weimar
    lohrer.hochrein landschaftsarchitekten und stadtplaner gmbh, München

2. Preis (51.000 Euro):

  • grabowski.spork GmbH, Wiesbaden
    FREIRAUM Rabsilber + Heckmann GbR, Wiesbaden

3. Preis (34.000 Euro):

  • cma cyrus moser architekten, Frankfurt am Main
    Sommerlad Haase Kuhli Landschaftsarchitekten, Gießen

Aus der Beurteilung des Preisgerichts zum 1. Preis:

Städtebaulich überzeugt der Entwurf durch die klare Gliederung von geschlossenem Blockrand und den sieben Einzelbaukörpern im Blockinneren. Dabei werden vier Bestandsgebäude geschickt durch drei Neubauten ergänzt. Der zentrale Gedanke von Öffnungen zur Schillerstraße und zur Robert-Koch-Straße setzt die historischen Gebäude effektvoll in Szene. Entlang des Geländeversprungs in Ost-West-Richtung wird eine interne Fußverbindung geführt, die die Trennung zwischen den unterschiedlichen Geländeniveaus bildet. Bestimmendes Element des Entwurfs ist der Platz mit Tamariskenhain, der über den Parkdecks in der ehemaligen Produktionshalle entsteht. Dies schafft eine gute Maßstäblichkeit der Räume und sehr vielfältige Blickbeziehungen, die der Abfolge von vier Plätzen in Nord-Süd-Richtung eine hohe räumliche Qualität verleihen. (…) Durch die Setzung unterschiedlicher Gebäudetypologien werden attraktive Wohnmilieus geschaffen; zum einen urbanes Wohnen an den zentralen Plätzen und im historischen Bestand, zum anderen geschütztes Wohnen an begrünten Blockinnenräumen gegenüber der bestehenden Nachbarbebauung. (…) Die Idee des Parkens in den Gewölben und in der ehemaligen Produktionshalle der Brauerei führt den historischen Kellerbestand einer sinnvollen Nutzung zu. Durch die Umnutzung des ehemaligen Maschinenhauses und Teilen der ehemaligen Schwankhalle zu Wohnungen sowie durch die geplante Gewerbenutzung der alten Abfüllhalle gelingt ein sensibler Umgang mit dem denkmalgeschützten Gebäudebestand.

Weil der gestalterische Zusammenhang des historischen Industrieareals insgesamt erhalten bleibt, wird der Beitrag seitens der Denkmalpflege als sehr akzeptabel eingeschätzt. Das Preisgericht würdigt auch die Gestaltung der Fassaden und die differenzierte Höhengliederung der einzelnen Baukörper, weil dadurch eine zeitgemäße Ergänzung des Quartiers gelingt und die Identität des Bestands gewahrt bleibt. Mit über 19.200 m² Wohnfläche und rund 220 Wohneinheiten nutzt der Entwurf das Grundstück optimal aus, wobei die Kompaktheit der Baukörper dem Grundsatz des nachhaltigen Bauflächenverbrauchs entspricht und damit die Eingriffe in das gewachsene Quartiert minimiert.

veröffentlicht am 27.09.2018 von Björn Radermacher · Rubrik(en): Wettbewerbe nach RPW - Ergebnisse

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