Thüringer Vergabetag 2026: Planungsqualität durch gute Vergabeverfahren stärken
120 Teilnehmende diskutierten in Erfurt aktuelle Entwicklungen im Vergaberecht, die Vergabe von Planungsleistungen und erfolgreiche Praxisbeispiele aus Thüringen.
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Wie lassen sich Vergabeverfahren effizient und rechtssicher gestalten, ohne die Qualität des Planens und Bauens aus dem Blick zu verlieren? Diese Frage stand im Mittelpunkt des Thüringer Vergabetags am 7. Oktober 2026 in der Industrie- und Handelskammer (IHK) Erfurt. Unter dem Motto „Die Vergabe von Planungsleistungen in der Praxis“ begrüßten die Architektenkammer Thüringen und die Ingenieurkammer Thüringen als gastgebende Kammern insgesamt 120 Teilnehmende.
Die Veranstaltung richtete sich an öffentliche und private Auftraggeber, Verfahrensbetreuende sowie an Planerinnen und Planer, die an Vergabeverfahren teilnehmen. Das große Interesse aus der öffentlichen Verwaltung unterstrich die Praxisrelevanz des Themas: Mehr als die Hälfte der angemeldeten Personen ließ sich Stadtverwaltungen und anderen Institutionen zuordnen.
Aktuelle Rechtsfragen und Anforderungen an die Vergabepraxis
Rechtliche Rahmenbedingungen verändern sich, zugleich wächst der Anspruch, Vergabeverfahren schneller und effizienter zu gestalten. Wie sich diese Anforderungen mit Qualität, Transparenz und fairen Wettbewerbsbedingungen verbinden lassen, wurde in den Fachvorträgen und Diskussionen aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet.
Nach der Begrüßung durch Thomas Wittenberg, Vorsitzender des Vergabe- und Wettbewerbsausschusses der Architektenkammer Thüringen, und Thomas Haustein, Vorsitzender des Arbeitskreises Wettbewerb und Vergabe der Ingenieurkammer Thüringen, richtete Colette Boos-John, Thüringer Ministerin für Wirtschaft, Landwirtschaft und Ländlichen Raum, ein Grußwort an die Teilnehmenden.
Die fachlichen Beiträge widmeten sich den Auswirkungen des neuen Vergabebeschleunigungsgesetzes, der Vergabe von Leistungen der Tragwerksplanung sowie den rechtlichen Rahmenbedingungen und praktischen Herausforderungen bei der Vergabe von Planungsleistungen und der Vereinbarung angemessener Honorare. Die Referierenden Markus Balkow von der Bundesingenieurkammer, Dr. Alexander Petschulat von der Ingenieurkammer-Bau Nordrhein-Westfalen und Rechtsanwältin Johanna Ott von GÖRG Partnerschaft von Rechtsanwälten mbB gaben Einblicke in aktuelle rechtliche Fragestellungen und deren Bedeutung für die Praxis.
Planungswettbewerbe als Instrument für Qualität
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf den Potenzialen von Planungswettbewerben. Prof. Martin Schirmer, Architekt und Stadtplaner, zeigte deren Bedeutung für die Entwicklung qualitätsvoller Planung auf. Wettbewerbe können unterschiedliche Lösungsansätze sichtbar machen und Bauherren eine fundierte Grundlage für anspruchsvolle Planungsentscheidungen bieten.
Wie sich geeignete Verfahrenswege vor Ort umsetzen lassen, veranschaulichten zwei Best-Practice-Beispiele aus Thüringen. Sebastian Förster, Bürgermeister der Stadt Bürgel, stellte den offenen Planungswettbewerb für den Marktplatz Bürgel vor. Petra Diemer aus dem Bereich Stadtentwicklung der Stadt Nordhausen berichtete über den wettbewerblichen Dialog zum Altendorfer Kirchviertel Nordhausen.
Die Beispiele machten deutlich, wie unterschiedliche Verfahren genutzt werden können, um städtebauliche Aufgaben zu bearbeiten und tragfähige Lösungen für die Entwicklung von Städten und öffentlichen Räumen zu finden.
Fachlicher Austausch für eine gute Vergabekultur
Der Thüringer Vergabetag 2026 bot öffentlichen und privaten Auftraggebern, Planenden und Verfahrensbetreuenden eine Plattform, um aktuelle Entwicklungen einzuordnen, Erfahrungen auszutauschen und Anforderungen an eine qualitätsorientierte Vergabepraxis zu diskutieren.
Die gemeinsame Veranstaltung der Architektenkammer Thüringen und der Ingenieurkammer Thüringen setzte damit wichtige Impulse für eine Vergabekultur, die rechtssichere und effiziente Verfahren mit Qualität, Transparenz und fairem Wettbewerb verbindet.
Weitere Informationen:
- Ein aktueller Leitfaden zur VgV steht unter https://vgv-architekten.de/ zum Download bereit. Auf dem Portal finden Sie zudem unter anderem einen Leitfaden für die Vergabe unter dem VgV-Schwellenwert, Handlungsempfehlungen zur RPW 2013 sowie einen Leitfaden für Partizipation in Vergabeverfahren.
- Weiterführende Informationen finden Sie auch auf unserer Themenseite zu Planungswettbewerben.