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Vertreterversammlung der Architektenkammer Thüringen setzt Schwerpunkte bei Baukultur, Nachhaltigkeit und Digitalisierung

Frühjahrssitzung im Kunstpavillon Eisenach

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Vertreterversammlung im KUNSTPavillon Eisenach, Bild: AKT

Die Vertreterinnen und Vertreter der Architektenkammer Thüringen kamen am 8. Mai 2026 zu ihrer Frühjahrssitzung im Kunstpavillon Eisenach zusammen.

Das 1967 nach Plänen des Leipziger Architekten Günther Werrmann errichtete Gebäude, das heute als Zentrum für Gegenwartskunst genutzt wird, bot einen passenden Rahmen für die Beratungen und das anschließende Kammernetzwerk.

Berufspolitische Herausforderungen im Blick

In ihrem Bericht machte Präsidentin Ines M. Jauck deutlich, dass die Herausforderungen für den Berufsstand weiter wachsen – zugleich positioniert sich die Architektenkammer Thüringen als aktive Stimme für Planungsqualität, Baukultur und berufliche Rahmenbedingungen.

Auf Bundesebene stand insbesondere das geplante Vergabebeschleunigungsgesetz im Fokus. Die Kammer unterstützt das Ziel effizienterer Vergabeverfahren, warnt jedoch vor einer Schwächung des Losgrundsatzes. Gerade kleine und mittlere Planungsbüros seien auf faire Zugänge zu öffentlichen Aufträgen angewiesen.

Ein weiterer Schwerpunkt bleibt das nachhaltige Planen. Mit Blick auf die europäische Gebäuderichtlinie und die künftig verpflichtende Betrachtung von Lebenszyklus-Emissionen appellierte die Präsidentin an die Mitglieder, ihre Kompetenzen in den Bereichen Nachhaltigkeit und Ökobilanzierung weiter auszubauen und sich im Bundesregister Nachhaltigkeit sichtbar zu machen.

Einsatz für Digitalisierung und Bürokratieabbau

Im Dialog mit der Landesregierung setzt sich die Kammer unter anderem für die flächendeckende Einführung des digitalen Bauantrags, eine Stärkung der personellen Kapazitäten in den Kommunen sowie praxistaugliche Instrumente zur Beschleunigung von Planungsprozessen ein. Gleichzeitig begleitet sie Gesetzgebungsverfahren mit fachlichen Stellungnahmen – zuletzt zum Ersten Thüringer Entlastungsgesetz – und bringt konkrete Vorschläge zum Bürokratieabbau ein.

Baukultur sichtbar machen

Große Bedeutung misst die Kammer der öffentlichen Wahrnehmung von Baukultur und Planungskompetenz bei. Ein wichtiges Signal ist die Neuauflage des Thüringer Staatspreises für Baukultur, den die Architektenkammer Thüringen gemeinsam mit der Ingenieurkammer Thüringen und der Stiftung Baukultur Thüringen begleitet.

Unter dem Jahresthema „Residenzstädte“ sollen künftig Planende, Kommunen und Stadtgesellschaften stärker miteinander vernetzt werden, um baukulturelle Qualitäten sichtbar zu machen und regionale Kooperationen anzustoßen.

Vorgestellt wurde außerdem der neue Geschäftsbericht der Architektenkammer Thüringen, der die erste Hälfte der laufenden Legislatur dokumentiert und künftig verstärkt als Informations- und Kommunikationsinstrument genutzt werden soll – sowohl gegenüber Mitgliedern als auch zur Ansprache des beruflichen Nachwuchses.

Fortbildung und Geschäftsstelle

Geschäftsführer Björn Radermacher berichtete über die wieder vollständige Besetzung der Geschäftsstelle. Neu im Team ist Volljurist Malte Süßmann, der die Bearbeitung rechtlicher Fragestellungen sowie die Betreuung des Ausschusses Satzung und Recht, des Ehren- und des Schlichtungsausschusses übernimmt.

Breiten Raum nahm zudem das Fortbildungswesen als eine der zentralen Aufgaben der Kammer ein. Aktuell läuft die Kontrolle des Fortbildungszeitraums 2024/2025. Gleichzeitig wurde auf die seit dem 1. Januar 2026 geltende neue Fortbildungsordnung hingewiesen. Nicht absolvierte Fortbildungen können künftig nicht mehr nachgeholt werden. Die Einhaltung der Fristen wird damit verbindlicher als bisher. Positiv entwickelt sich weiterhin die Zusammenarbeit mit den mitteldeutschen Architektenkammern, aus der zahlreiche gemeinsame Fortbildungsangebote hervorgegangen sind. Auch die Zahl der durch die Architektenkammer Thüringen anerkannten Fortbildungsveranstaltungen bleibt auf konstant hohem Niveau.

Neue Publikationsidee zum Architekturpreis

Abschließend informierte der Geschäftsführer über den Tag der Architektur und die begleitenden Publikationen. Das zuletzt 2023 erschienene Booklet wurde vor allem aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt. Gleichzeitig besteht weiterhin großes Interesse an einer qualitätsvollen Dokumentation der Projekte. Vorgestellt wurde daher die Idee einer neuen Publikation zum Architekturpreis der Architektenkammer Thüringen, die ab 2027 im zweijährigen Rhythmus erscheinen soll. Neben den ausgezeichneten Projekten sollen darin auch ausgewählte Arbeiten der engeren Wahl präsentiert werden. Durch eine geringere Auflage und den Verzicht auf einen flächendeckenden Versand soll das Format wirtschaftlich tragfähig umgesetzt werden; ergänzend werden Sponsoringmöglichkeiten geprüft.

Beschlüsse zu Geschäftsstelle und Satzungen

Ein weiteres Thema waren die Geschäftsstellenräume in Erfurt und mögliche Perspektiven für einen Umzug innerhalb der Landeshauptstadt. Nach einer ersten Informationsveranstaltung im März beschlossen die Vertreterinnen und Vertreter, dass neue Räumlichkeiten barrierearm gestaltet und mit einer barrierefreien Toilette ausgestattet werden müssen. Zwei Projektgruppen sollen die weitere Entwicklung begleiten.

Ebenfalls Teil der Sitzung waren Beschlüsse zur Kostenordnung sowie zu den Registersatzungen für Vergabe- und Wettbewerbsbetreuung und für Fachpreisrichterinnen und Fachpreisrichter. Die Satzungen waren bereits in der Herbstsitzung beschlossen worden, mussten jedoch in einzelnen Punkten angepasst werden. Änderungen der Registersatzungen betreffen insbesondere Art und Umfang der erforderlichen Fortbildungen – sowohl für die Eintragung in die Register als auch für deren Verlängerung nach fünf Jahren.

Anschließend stellte Cornelia Viehmann, Vorsitzende des Ausschusses Satzung und Recht, geplante Änderungen im Thüringer Architekten- und Ingenieurkammergesetz (ThürAIKG) vor.

Architekturkooperative ARKO vorgestellt

Zum Abschluss der Sitzung präsentierte Dr. Martin Kraushaar, Hauptgeschäftsführer der Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen, das Projekt „Architekturkooperative“ (ARKO).

Die berufsständische Genossenschaft in Gründung verfolgt das Ziel, die Datensouveränität von Architektinnen, Architekten sowie Ingenieurinnen und Ingenieuren zu stärken und eine gemeinsame digitale Infrastruktur für Planung und Bauwesen aufzubauen. Die ARKO soll transparente Projektinformationen ermöglichen, den Schutz vor unkontrollierter Datennutzung verbessern und die Grundlage für effiziente, nachhaltige und zukunftsfähige Planungsprozesse schaffen.

Das Projekt stieß bei den Vertreterinnen und Vertretern auf großes Interesse und unterstrich die zunehmende Bedeutung digitaler Souveränität für den Berufsstand.

veröffentlicht am 01.06.2026 von Björn Radermacher · Rubrik(en): News, Berufspolitik / Kammerarbeit

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