Betriebsgebäude in Probstzella gewinnt Thüringer Staatspreis

F64 Architekten aus Kempten ausgezeichnet

Betriebsgebäude mit Produktions­halle und Büros in Probstzella, Bild: www.peters-fotodesign.com 6 Bilder.
Betriebsgebäude mit Produktions­halle und Büros in Probstzella, Bild: www.peters-fotodesign.com

Thüringens Ministerin für Infrastruktur und Landwirtschaft, Birgit Keller, verlieh am Abend des 6. Septembers den Thüringer Staatspreis für Architektur und Städtebau 2018. Mit dem Staatspreis ausgezeichnet wurden F64 Architekten aus Kempten für ihr Betriebsgebäude in Probstzella. Den Sonderpreis Holzbau erhielten raum 33 | architekten aus Weimar für ihren Kindergarten „Holzwürmchen“ in Weimar.

„Thüringen ist ein Land voll kreativer Köpfe, innovativer Ansätze und mutiger Ideen“, sagte Bauministerin Keller zur Preisverleihung. „Das zeigen auch die hochwertigen Projektbeiträge aus dem diesjährigen Wettbewerb. Mit dem Staatspreis sprechen wir bewusst alle Fachrichtungen an – von der Architektur über die Stadtplanung bis zur Landschafts- und Innenarchitektur. Denn die gebaute und gestaltete Umwelt wirkt sich unmittelbar auf Wohlbefinden, Identität und Lebensgefühl der Menschen aus. Für jeden Bauherrn, Architekten und Planer gilt: Sie gestalten die Lebenswelt der Thüringerinnen und Thüringer.“

Dr. Hans Gerd Schmidt, Präsident der Architektenkammer Thüringen, bekräftigte: „Durch diese wichtige Auszeichnung wird der Blick auf innovative städtebauliche und architektonische Konzepte gelenkt, die die zeitgemäße bauliche Entwicklung im Freistaat dokumentieren. Baukultur als Ausdruck eines nachhaltigen und qualitätsvollen Planens und Bauens ist nach wie vor von höchster Relevanz. Beispielhaft dafür stehen die in diesem Jahr zum Wettbewerb eingereichten Projekte, die durchgehend eine beeindruckende Qualität aufweisen. Erfreulich ist zudem die breite Palette der Arbeiten, die von städtebaulichen Komponenten und Freianlagen über Hochbauten verschiedener Funktion bis hin zu kleinen, aber feinen Objekten sowie anspruchsvollen Innenraumgestaltungen reicht.“

Professor Gerd Zimmermann, Präsident der Stiftung Baukultur Thüringen betonte, „dass es bei diesem Preis nicht um Repräsentationsbauten des Staates selbst ginge, sondern vielmehr um die klare Widmung auf die Auszeichnung bester Architektur, ganz unabhängig von der Typologie, der schieren Größe oder auch der Prestigeträchtigkeit der jeweiligen Bauaufgaben. Hervorzuheben ist, dass mit dem Sonderpreis Holzbau ein deutlicher programmatischer Akzent auf die ökologischen Imperative gesetzt wird. Die Stiftung“ so Zimmermann weiter „sieht in der Konzeption und Organisation dieses Preises, mit der sie betraut ist, eine ihrer vornehmen Aufgaben, ist sie doch angetreten, das Neueste und Beste der Architektur zu fördern und zu vermitteln. Das sollte der Sinn von Baukultur sein und daran arbeiten wir.“

Preisträger und Anerkennungen
Aus 34 eingereichten Arbeiten wurden von der Jury unter Vorsitz der Leipziger Architektin Silvia Schellenberg-Thaut elf Beiträge für den Preis nominiert. Vergeben wurden schließlich ein Staatspreis, ein Sonderpreis Holzbau und vier Anerkennungen. Die Bekanntgabe der Preisträger erfolgte am 6. September 2018 während der feierlichen Preisverleihung im Kommunikations- und Informationszentrum der Universität Erfurt.

Preisträger

Betriebsgebäude mit Produktionshalle und Büros in Probstzella
Beauftragt durch: grimelo GmbH & Co. KG, Leutkirch im Allgäu
Planunungsbüros: F64 Architekten Kopp, Leube, Lindermayr, Meusburger, Walter. Architekten und Stadtplaner PartGmbB, Kempten / Baron Landschaftsarchitekt BDLA, Ulm

Die Jury hob hier die Symbiose aus zeitgemäßer und zugleich nachhaltiger Architektur hervor. Das Zusammenspiel von einem transparenten lichtdurchfluteten Gebäude mit hoher Aufenthaltsqualität, dem äußerst filigranen Dachtragwerk, dem ressourcenschonenden Einsatz und Umgang der Materialien bis hin zur stimmigen Außenraumgestaltung sind vorbildlich und setzen sowohl architektonisch als auch ökologisch ein Zukunftszeichen, nicht nur im Bereich der Industriearchitektur, sondern über die Grenzen Thüringens und Deutschlands hinaus.

Sonderpreis Holzbau

Kindergarten „Holzwürmchen“ in Weimar
Beauftragt durch: Hufeland-Träger-Gesellschaft Weimar mbH
Planungsbüros: raum 33 | architekten. Jörg Weber & Dirk Hädicke PartG, Weimar

Dieser Kindergarten beweist auf außerordentliche Weise die ökologischen, sozialen und ästhetischen Chancen des modernen Holzbaus. Die Jury hebt besonders die Art und Weise hervor, in der das Holz als Material für die Konstitution der Atmosphäre und des Milieus des Kindergartens genutzt wird. Dieser Kindergarten beweist, dass der Holzbau sich nicht in einer groben Rustikalität erschöpft und zeigt, dass ein schönes Ambiente für Kinder gerade dann entstehen kann, wenn auf die vorgeblichen Klischees einer „Kindhaftigkeit“ verzichtet wird.

Anerkennung Barrierefreiheit

„Wohnen mit Weitblick“ Friedensberg-Terrassen in Jena
Beauftragt durch: jenawohnen GmbH, Jena
Planungsbüros: Junk & Reich Architekten BDA Planungsgesellschaft mbH, Weimar / stock landschaftsarchitekten bdla, Jena

Das Wohnquartier besticht durch die genaue und kunstvolle Austarierung zwischen städtischer Dichte und landschaftlicher Offenheit. Dass es dem Quartier in seiner durchgehend zeitgenössischen Materialität und Architektursprache mit der angebotenen Barrierefreiheit gelingt, einen starken Ortscharakter zu erzeugen und an das Stadtbild und die typischen historischen Merkmale Jenas wie den örtlichen Kalkstein, die landschaftliche Lage und den Umgang mit der Topografie anzuschließen, ist beispielgebend.

Anerkennung

„Porzellankirche“ auf der Leuchtenburg
Beauftragt durch: Stiftung Leuchtenburg, Seitenroda
Planungsbüro: Nau2 GmbH, Zürich/Schweiz, in Zusammenarbeit mit Sven-Erik Hitzer, Vorstand Stiftung Leuchtenburg

Die Verfasser erzeugen mit ihrem Einbau in einen historischen Raum ein völlig neuartiges Raumerlebnis. Die Eingriffe in die denkmalgeschützte Baustruktur bleiben auf ein Minimum begrenzt, das historische Raumgefüge erhalten und erlebbar. Ohne jede Anbiederung stellt das Projekt einen eigenständigen und dabei innovativen Beitrag für den innenräumlichen Umgang mit geschichtsträchtiger Substanz dar. Es besticht durch Reduktion, Klarheit und konsequente Umsetzung.

Anerkennung

Kommunikations- und Informationszentrum der Universität Erfurt
Beauftragt durch: Freistaat Thüringen, vertreten durch das Landesamt für Bau und Verkehr, Erfurt
Planungsbüro: Nickl & Partner Architekten AG, Berlin

Die Jury überzeugte die gestalterische Präzision des Gebäudes, die Detaillausformulierung, die Auswahl und der präzise Einsatz der Materialien sowie das Energiekonzept, welches die innovative Eisspeichertechnologie weiterentwickelt hat. Die Höhenabstufung des Gebäudes überzeugt städtebaulich und nimmt Bezug zu zwei anderen zentralen Campusbausteinen - Bibliothek und Mensa. Das KIZ ist innen wie außen ein sympathisch offenes Gebäude und somit ein gelungenes Beispiel für ein modernes Hochschulgebäude.

Anerkennung

Gartendenkmal „Herressener Promenade“ in Apolda
Beauftragt durch: Stadt Apolda
Planungsbüro: Marcel Adam Landschaftsarchitekten BDLA, Potsdam

Die Jury würdigt die behutsame Erneuerung der historischen Gartenanlage mit gezielten und angemessenen landschaftsarchitektonischen Eingriffen in die Vegetations- und Wegestruktur. Die zeitgemäße Erneuerung erschließt dabei neue Nutzungs- und Raumqualitäten und stärkt in der direkten Verbindung mit der Kernstadt die Freiraumqualität der Stadt Apolda nachhaltig.

Nominierungen

  • Forstamt Jena-Holzland in Stadtroda
    Beauftragt durch: ThüringenForst – Anstalt öffentlichen Rechts, Erfurt
    Planungsbüro: Cornelsen + Seelinger Architekten BDA, Darmstadt
  • Sanierung / Erweiterung Ernst-Abbe-Gymnasium Jena
    Beauftragt durch: Kommunale Immobilien Jena
    Planungsbüros: Arge Junk & Reich Architekten BDA Planungsgesellschaft mbH, Weimar / Hartmann + Helm Planungsgesellschaft mbH, Weimar
  • „Nachhaltig bewegen“ – Sport- und Rehazentrum in Erfurt
    Beauftragt durch: Immomed GmbH, Erfurt
    Planungsbüros: ADOBE Architekten + Ingenieure GmbH, Erfurt / herrschmidt architektur BDA, Erfurt
  • Kletterhalle „EnergieWände“ in Weimar
    Beauftragt durch: Sektion Weimar des Deutschen Alpenvereins e. V.
    Planungsbüro: gildehaus . partner architekten BDA, Weimar
  • Empfangspavillon an der Wartburgschleife in Eisenach
    Beauftragt durch: Wirtschaftsbetriebe Wartburg GmbH, Eisenach
    Planungsbüros: Haus mit Zukunft | Architekten, Erfurt / Ingenieurbüro Trabert & Partner, Geisa

Hintergrund

Der Thüringer Staatspreis für Architektur und Städtebau wird alle zwei Jahre durch das Thüringer Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft ausgelobt. In Kooperation mit der Architektenkammer Thüringen und der Stiftung Baukultur Thüringen suchte das Ministerium in diesem Jahr so bereits zum zwölften Mal die innovativsten Architektur- und Städtebaukonzepte im Gebiet des Freistaates.

Der mit 15.000 Euro dotierte Staatspreis zeichnet insbesondere Vorhaben aus, die sich ganzheitlich aktuellen Themen stellen (wie z. B. schonender Umgang mit Umwelt und Ressourcen, Nachnutzung von Flächen und Gebäuden, Energieeffizienz und Wirtschaftlichkeit), dabei einem besonders hohen ästhetischen Anspruch genügen und somit das Bauen unserer Tage prägen. Eine besondere Rolle spielen dabei die komplexe Betrachtung von Gebäude, Freiraum und Städtebau sowie das Zusammenspiel einzelnen Planungsbereiche bei der Gestaltung öffentlicher und privater Räume. Mit dem Preis angesprochen wurden sowohl Bauherren als auch Planer der Fachrichtungen Architektur, Städtebau/Stadtplanung, Landschaftsarchitektur und Innenarchitektur.

Die Jury

  • Silvia Schellenberg-Thaut, Architektin BDA, atelier st, Leipzig (Vorsitzende)
  • Prof. Joachim Deckert, Architekt BDA, Fachhochschule Erfurt, Fakultät für Architektur und Stadtplanung, Professur für Entwerfen, Gestaltungs- und Darstellungslehre
  • Prof. Olaf Langlotz, Thüringer Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft, Abteilungsleiter für Städte- und Wohnungsbau sowie Staatlichen Hochbau
  • Jun.-Prof. Dr.-Ing. Sigrun Langner, Landschaftsarchitektin, Bauhaus-Universität Weimar, Fakultät für Architektur und Urbanistik, Professur für Landschaftsarchitektur und Landschaftsplanung
  • Prof. Christian Moczala, Architekt und Stadtplaner, Fachhochschule Dortmund, Fachbereich Architektur, Professur für Städtebau
  • Dr.-Ing. Hans-Gerd Schmidt, Architekt BDA, Präsident der Architektenkammer Thüringen
  • Prof. em. Dr.-Ing. Gerd Zimmermann, Architekt BDA, Präsident der Stiftung Baukultur Thüringen

Fachliche Beratung zur baulichen Barrierefreiheit:

  • Sabine Feuer, Koordinierungsstelle Barrierefreiheit beim Beauftragten der Thüringer Landesregierung für Menschen mit Behinderung

Weitere Informationen unter:
https://baukultur-thueringen.de/thueringerawards/staatspreisarchitektur2018/

veröffentlicht am 06.09.2018 von Björn Radermacher · Rubrik(en): News, Verfahren/Auszeichnungen/Preise - Ergebnisse

Diese Seite teilen

Die AKT in den sozialen Netzwerken