Umbau Ossietzky-Hof Nordhausen

Ergebnis des nichtoffenen hochbaulichen und freiraumplanerischen Realisierungswettbewerbs

Perspektive 1. Preis, Bild: Hütten & Paläste Architekten mit herrburg Landschaftsarchitekten, eZeit Ingenieure, ZRS Architekten GvA mbH 10 Bilder.
Perspektive 1. Preis, Bild: Hütten & Paläste Architekten mit herrburg Landschaftsarchitekten, eZeit Ingenieure, ZRS Architekten GvA mbH

Im Rahmen der Internationalen Bauausstellung (IBA) Thüringen wollen die Städtische Wohnungsbaugesellschaft mbH Nordhausen und die Stadt Nordhausen übertragbare Modelle für die zukunftsfähige Weiterentwicklung von Plattenbauquartieren finden. Anhand des Quartiers Ossietzky-Hof in Nordhausen-Nord werden integrierte Lösungen gesucht, die Wohnen, Soziales, Freiraum, Mobilität, Energie, Wasser und Versorgung auf Quartiersebene zusammendenken. Neue und vorbildliche Standards zur ressourcenbewussten Gestaltung von differenzierten Wohn-, Gemeinschafts- und Freiraummodellen sollen den alten und neuen Bewohnern Möglichkeiten der gemeinschaftlichen und individuellen Aneignung bieten. Ziel ist das Aufzeigen einer Umstrukturierung des ausgewählten Hofes zu einem neuen „Multitalent“ mit nachvollziehbaren und umsetzbaren Angeboten für lokal verankerte und klimagerechte Lebensentwürfe einer sozial und demografisch vielfältigen Bewohnerschaft.

Im Kontext der IBA soll das Ergebnis einen Beitrag zum nationalen und internationalen Diskurs von Klimaschutz und Klimaanpassung auf Quartiersebene darstellen.

Gegenstand des Wettbewerbs, den die Städtische Wohnungsbaugesellschaft mbH Nordhausen auslobte, ist die Bauwerksplanung zur Sanierung und ggf. zur baulichen Ergänzung der Liegenschaften Albert-Traeger-Str. 43, Dr.-Robert-Koch-Str. 4 – 18 und Carl-von-Ossietzky-Str. 3 – 6 sowie die Freianlagenplanung für das unmittelbare Wohnumfeld (Realisierungsteil) und für die angrenzenden öffentlichen Verkehrs- und Freiflächen (Ideenteil).

Teilnahmeberechtigt waren Architektinnen und Architekten in Arbeits-/Bewerbergemeinschaft mit Ingenieurinnen und Ingenieuren (Fachplaner für die Technische Ausrüstung) sowie Landschaftsarchitektinnen und Landschaftsarchitekten. 19 Arbeiten wurden zum Wettbewerb zugelassen. Als Wettbewerbssumme standen insgesamt 82.000 Euro (netto) zur Verfügung. Das Preisgericht tagte am 27. November 2018 unter Vorsitz von Prof. Andreas Wolf, Architekt und Stadtplaner in Leipzig.

Ergebnis

1. Preis (32.800 Euro)

  • Hütten & Paläste Architekten, Berlin
    mit herrburg Landschaftsarchitekten, Berlin
    mit eZeit Ingenieure, Berlin
    mit ZRS Architekten GvA mbH, Berlin

2. Preis (20.500 Euro)

  • einszueins Architektur ZT GmbH, Wien
    mit YEWO Landscapes e.U, Wien
    mit E7 Energie Marktanalyse GmbH, Wien

3. Preis (12.300 Euro)

  • Buero Kofink Schels, München
    mit Dyvik Kahlen Architects, London
    mit Treibhaus Landschaftsarchitektur, Hamburg
    mit Bauart Konstruktions GmbH & Co.KG, München

Anerkennungen (je 8.200 Euro)

  • Atelier . Schmelzer . Weber, Dresden
    mit Querfeld Eins Landschaft, Dresden
    mit Trag Werk Ingenieure Dökin + Purtak, Dresden
  • 03 Architekten, München
    mit ver.de landschaftsarchitektur GbR, Freising
    mit TEUBER + VIEL, München

Aus der Beurteilung zum 1. Preis:

Die Arbeit formuliert mit den Häusern Sophie, Ludwig und Franzi drei gelungene Ansätze für die Transformation der einzelnen Bestandsgebäude, bei denen jeweils unterschiedlich tief in die Substanz eingegriffen wird.
Auf maßvolle und differenzierte Art und Weise wird jedes Gebäude für sich konsequent und durchaus prototypisch umgesetzt. Die Konzepte richten sich an unterschiedliche Nutzergruppen und lassen eine vielfältige Mischung und reges Hofleben erwarten. Durch eine gemeinsame Terrassenzone werden die drei Baukörper städtebaulich schlüssig verbunden und erhalten so eine barrierefreie Erschließung. Die Terrasse gliedert den großen Hofraum und schafft einen intimeren grünen Innenbereich mit kleinen Gartenhäusern, der gleichzeitig auch als Pufferspeicher für Regenwasser dient. Die Anordnung der Stellplätze in der Nord-West-Ecke und im Süden des Hofes wird eher kritisch bewertet, perspektivisch sind diese Flächen aber nach Fertigstellung der geplanten Quartiersgarage einfach rückbaubar. Die Gebäude zeichnen sich durch einen jeweils sehr differenzierten Umgang im Zusammenspiel von Grundrissvielfalt, energetischem Konzept und Fassadengestaltung aus. Eine hohe Attraktivität für verschiedene Nutzergruppen ist zu erwarten.
Sophie, die Mehrwertplatte, erhält einen vorgelagerten breiten Laubengang zum Hof, der neben der barrierefreien Erschließung auch als Aufenthaltsraum genutzt werden kann. Durch das Abrücken von der Fassade wird geschickt eine Distanz und bessere Belichtung zu den Wohnräumen geschaffen. Die Wohnungen in den Obergeschossen sind barrierefrei erschlossen und als Clusterwohnungen oder für Wohngemeinschaften ausgebildet. Positiv werden die Maisonettewohnungen im Erdgeschoss und erstem Obergeschoss bewertet, welche Modelle für integriertes Wohnen und Arbeiten ermöglichen und gleichzeitig eine Distanz zum gemeinschaftlichen Hof schaffen. Insgesamt entsteht durch die Eingriffe eine hohe Grundrissflexibilität. Die Anzahl an Gemeinschaftsräumen scheint angemessen, diese können aber optional auch anders genutzt werden, z.B. als Gästewohnung.
Bei Ludwig, der optimierten Bestandsplatte, werden die bestehenden Grundrisse beibehalten. Die einfache Lösung die bestehende Balkonzone zum Wintergarten auszubauen und als Klimapuffer zu nutzen, wird begrüßt. Die Treppenhäuser werden im Erdgeschoss zum Innenhof durchgesteckt, was einen direkten Zugang für alle ermöglicht. Die Wohnungen im EG werden mit privaten Gärten zum Hof ausgestattet.
Bei Franzi, dem neuen Bestandsblock, wird der bestehende Laubengang den Wohnungen zugeordnet und beinhaltet kleine Abstellräume und Nischen als Eingangsbereiche für die Wohnungen. Ein vorgesetzter Laubengang nimmt den neuen Lift auf und macht alle Wohnungen barrierefrei nutzbar. Innerhalb der bestehenden Struktur wird durch Schaltbarkeit eine variable Grundrisseinteilung aufgezeigt.
Das Entwurfskonzept geht mit den bestehenden Strukturen und Gegebenheiten der Fassaden gekonnt um. Balkone werden in der südorientierten „optimierten Bestandsplatte“ zu Wintergärten. Die Eingriffe in die Fassaden reagieren sinnfällig auf Nutzung, Grundrissorganisation und Orientierung. Die ergänzenden vorgelagerten Strukturen im Bauteil Sophia beachten die Tageslichtsituation der dahinterliegenden Wohnräume. (…) Generell zeichnet sich die gesamte Arbeit durch einen sehr geschickten, maßvollen, differenzierten und dadurch innovativen Umgang mit präzisen Eingriffen in die Bestandssituation aus, welche in Summe die in der Auslobung genannten Zielstellungen weitgehend erfüllen.

veröffentlicht am 17.12.2018 von Björn Radermacher · Rubrik(en): News, Wettbewerbe nach RPW - Ergebnisse

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