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Seesport- und Erlebnispädagogisches Zentrum Kloster

Ergebnis des nichtoffenen hochbaulichen und freiraumplanerischen Realisierungswettbewerbs

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Visualisierung des 1. Preisträgers Ludloff Ludloff Architekten und Schönherr Landschaftsarchitekten Berlin, Bild: Ludloff Ludloff Architekten / Schönherr Landschaftsarchitekten

Der Landessportbund Thüringen e. V. lobte im Rahmen der Internationalen Bauausstellung (IBA) Thüringen im März 2020 einen hochbaulichen und freiraumplanerischen Realisierungswettbewerb aus. Gesucht wurden Entwürfe für den Um- und Neubau des Seesport- und Erlebnispädagogischen Zentrums (SEZ) in Kloster bei Saalburg-Ebersdorf.

Die 19 Wettbewerbsbeiträge setzten sich auf hohem Niveau mit der Aufgabe auseinander. Wichtigste Zielsetzung des Landessportbunds und der IBA war nachhaltiges Planen und Bauen. Mit dem Baustoff Holz sollten neue Bauformen, Bauweisen und Baustandards an der Bleilochtalsperre zeigen, was „Baukultur made in Thüringen“ ausmachen kann. Das pädagogische Profil und nicht zuletzt die einzigartige Landschaft des „Thüringer Meers“ boten zusätzlich einen anspruchsvollen Wettbewerbsrahmen.

Teilnahmeberechtigt waren Architektinnen und Architekten zusammen mit Landschaftsarchitektinnen und Landschaftsarchitekten; als Wettbewerbssumme standen insgesamt 39.000 Euro (netto) zur Verfügung. Die Jury unter Vorsitz von Hermann Kaufmann, Professor für Entwerfen und Holzbau an der TU München, kürte den Entwurf der Büros Ludloff Ludloff Architekten und Schönherr Landschaftsarchitekten mit dem ersten Preis. Dieser versteht das ehemalige Bootshaus als Herz der geplanten neuen Anlage. Der Vorschlag sieht einen Umbau in filigraner Holzbauweise vor; zwei neue, lange Flügelbauten mit einem asymmetrisch gefalteten Dach ergänzen das Bootshaus und bieten moderne Übernachtungsmöglichkeiten.

Ergebnis

  • 1. Preis (19.500 Euro):
    Ludloff Ludloff Architekten GmbH (Berlin)
    Schönherr Landschaftsarchitekten PartGmbB (Berlin)
  • 2. Preis (11.700 Euro):
    Vandkunsten Architects (Kopenhagen)
  • 3. Preis (7.800 Euro):
    HKS Architekten PartGmbB (München)
    michellerundschalk Landschaftsarchitekten GmbH (München)

Aus der Beurteilung des Preisgerichts zum 1. Preis

Der Entwurf bietet eine sehr klare und überzeugende, einfache Lösung. Der Bestandsbau der alten Bootshalle fungiert als Scharnier zwischen den neu hinzugefügten seitlichen Flügelbauten und schafft eine attraktive räumliche Vermittlung zwischen der Land- und der Seeseite. Das Gebäude fügt sich schön in die Landschaft ein, nimmt die Richtung der Uferlinie auf und ist sehr gut in die Topografie eingebettet.  Insgesamt spiegelt der Entwurf hohe Empathie für den Ort und die Aufgabe und übersetzt diese in eine interessante Architektur. Die Giebelfigur des alten Bootshauses wird in der Dachlinie der Flügelbauten schlüssig interpretiert, somit entsteht eine Gesamtfigur mit einer subtilen Zeichenhaftigkeit, die dem Standort und der Aufgabe überaus angemessen erscheint. Ein großzügig ausgeformter, überdeckter Eingangsbereich bietet eine klare Adresse und führt unmittelbar in die Mitte der Anlage. Im Foyer entfaltet sich ein Szenario, das die Inhalte des Sport- und Erholungszentrums überzeugend inszeniert – mit der Einbeziehung der Kletterwand, dem Blick auf die Sporthalle und vor allem die Öffnung der Halle zum See. Hier ist mit der Erweiterung der Bestandshalle und den großen Flügeltüren eine sehr schöne Lösung gefunden worden. Alle Schlafräume sind durch einen Wintergarten erschlossen und wenden sich konsequent dem Wasser zu. Diese Erschließungszone könnte großzügiger und sein und mehr Raum für gemeinschaftliche Nutzungen z. B. bei Schlechtwetter bieten. Die funktionalen Abläufe entsprechen weitgehend den gestellten Anforderungen. Eine Clusterung der Gruppen ist, unter anderem durch die Einordnung der Betreuerzimmer angedeutet, zugleich ist auch eine Variabilität der Gruppengrößen möglich. Im unteren Geschoss des östlichen Flügels und hingewendet zum Wasser ist die Lagerung der Boote vorgesehen und die Einordnung von Seminarräumen, die bei Bedarf in kleinere Einheiten unterteilt werden können. Diese Räumlichkeiten wie auch die Fahrradräume und die Fahrradwerkstätte an der Eingangsseite heben sich durch eine quasi-organische Figur von der strengen Gesamtfigur ab und sind geeignet diese Funktionen besonders zu artikulieren und die Gesamtarchitektur kontrapunktisch zu beleben. Das Gebäude ist im Wesentlichen als Holzbau konzipiert und bietet eine einfach umzusetzende und wirtschaftliche Grundstruktur. (...) Gebäude und Freiraum ergänzen sich sehr gut. Die Ankommenssituation erfüllt alle funktionalen Anforderungen und prägt eine signifikante und einladende Szenerie. Im östlichen Bereich wird der Freiraum charmant gegliedert in große sportliche Bereiche. Insgesamt ein gekonnter Umgang mit der Topografie.

veröffentlicht am 25.07.2020 von Björn Radermacher · Rubrik(en): News, Wettbewerbe nach RPW - Ergebnisse

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