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Vote! Was lohnt sich zu bewahren?

Mitmach-Modellprojekt im Rahmen der Ausstellung „Zwei deutsche Architekturen 1949-1989“

Zehn Beispiele der Architektur der Spätmoderne in Erfurt stehen zur Debatte, Bild: © Landeshauptstadt Erfurt, Pressestelle und Stadtarchiv
Zehn Beispiele der Architektur der Spätmoderne in Erfurt stehen zur Debatte, Bild: © Landeshauptstadt Erfurt, Pressestelle und Stadtarchiv

DDR-Beton-Klötze in ihrer typischen Hässlichkeit erhalten? Die Bürger selbst entscheiden lassen, was Denkmal ist und was nicht?

Im August und September will die Denkmalbehörde der Stadt Erfurt anhand eines Mitmach-Projektes Klischees in Frage stellen, über Grundsätze des Denkmalschutzes ins Gespräch kommen und nicht zuletzt Bürger in Denkmalfragen einbeziehen. Kooperationspartner bei diesem partizipatorischen Modellvorhaben ist die Professur Denkmalpflege und Baugeschichte der Bauhaus-Universität Weimar.

Welche Gebäude, Ensemble und Plätze sollen erhalten werden, nicht nur, weil sie gut nutzbar sind, sondern auch weil wir sie als Kunst oder gutes Design schätzen, weil man sich mittels ihrer historisch vergewissert, erinnert, orientiert und identifiziert? Dreißig Jahre nach der Wiedervereinigung ist die DDR ein abgeschlossenes Kapitel der deutschen Geschichte, aber auch für viele gelebte Vergangenheit. Die sehr unterschiedlichen Sichtweisen auf die Leistungen der DDR sorgen immer wieder für Diskussionen, auch weil politisch diskreditierte Orte darunter sind, wie beispielsweise die ehemalige SED-Parteischule in der Werner-Seelenbinder-Straße.

Vergleichsweise wenige Beispiele der DDR-Architektur sind bisher in Erfurt als Denkmale eingetragen. Das entspricht scheinbar dem Stimmungsbild zum Thema in der Stadtöffentlichkeit: Anerkannt werden zunehmend die DDR-Kunst im öffentlichen Raum sowie die Architektur- und Gartengestaltungen der 1950er Jahre, wofür das Renau-Wandbild und der ega-Park Beispiele sind. Gebautes aus den 1970er und 80er Jahren gilt dagegen als „veraltet“, nicht aber als "historisch" und erhaltungswürdig.

Mit dem Voting „DDR-Architektur - entbehrlich oder erhaltungswürdig?“ stellt die Denkmalschutzbehörde den Erfurtern die Frage nach dem Für und Wider von Bauwerken und Ensembles der DDR-Zeit in ihrer Stadt. Anhand von 10 Beispielen ist deren Einschätzung gefragt. Teilnehmen und abstimmen kann jeder im Rahmen des Besuches der Ausstellung „Zwei deutsche Architekturen 1949-1989“ im Kulturhof „Zum Güldenen Krönbacken“ von 26. Juli bis 13. September 2020.

Ausgewertet wird das Voting, das als Sondierung und Gesprächsimpuls, nicht als Entscheidungsvorlage für die Behörden gedacht ist, am 10.9.2020, 19:00 Uhr, anlässlich einer öffentlichen Podiumsdiskussion. Vertreter der Architektenschaft, der Kulturszene sowie der ehrenamtlichen und der institutionellen Denkmalpflege werden dort das Thema „DDR-Architektur und Partizipation. Denkmal weiterdenken“ diskutieren.

Begleitveranstaltungen

Dienstag, 8. September 2020, 16.00 -17.00 Uhr
Galerie Waidspeicher, Vorderhaus

Erläuterungen zum Mitmach-Projekt
mit Dr. Mark Escherich, Untere Denkmalbehörde Erfurt

Donnerstag, 10. September 2020, 19.00 – 20.30 Uhr
Galerie Waidspeicher

Podiumsgespräch: „DDR-Architektur und Partizipation. Denkmal weiterdenken“
Moderation: Dr. Mark Escherich, Untere Denkmalbehörde Erfurt
Das Gespräch greift das diesjährige Motto des Tages des offenen Denkmals „Chance Denkmal: Erinnern. Erhalten. Neu denken“ auf.

veröffentlicht am 24.07.2020 von Björn Radermacher · Rubrik(en): News

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