Ausdrucksstarke Geste zum Park

Architekten des Neuen Bauhaus-Museums stehen fest

Pressekonferenz im congress centrum (v. l.): Prof. Dr. Wolfgang Holler, Hellmut Seemann, Stefan Wolf, Christoph Matschie, Prof. Heike Hanada und Prof. Benedict Tonnon, Bild: AKT 4 Bilder.
Pressekonferenz im congress centrum (v. l.): Prof. Dr. Wolfgang Holler, Hellmut Seemann, Stefan Wolf, Christoph Matschie, Prof. Heike Hanada und Prof. Benedict Tonnon, Bild: AKT

Die Entscheidung ist gefallen: Die Architekten Prof. Heike Hanada und Prof. Benedict Tonon aus Berlin werden das Neue Bauhaus-Museum in Weimar planen. Das gab die Klassik Stiftung Weimar auf einer Pressekonferenz im congress centrum der Weimarhalle am 9. Juli bekannt. Der erste Spatenstich des insgesamt 22,6 Millionen Euro teuren Neubaus ist für 2013, die Fertigstellung für das Jahr 2015 avisiert.

Was bleibt – nach einem offenen internationalen und zweistufigen Architekturwettbewerb, der seinen  Ausgang bereits im Jahr 2008 mit dem Masterplan „Kosmos Weimar“ nahm, dem eine ausgiebige Standortanalyse vorausging und der in ein VOF-Verfahren mit vier Teilnehmern mündete?

Zunächst einmal das Lob für das Engagement der Ausloberin. Die Klassik Stiftung Weimar hat die Mühen, die mit dieser Art Wettbewerb verbunden waren, nicht gescheut. Sie hat so vor allem jungen und regional arbeitenden Büros die Chance eröffnet, sich im Qualitätswettstreit zu beweisen. Belohnt wurden die Mühen mit einer starken internationalen Aufmerksamkeit und einem Maximum an Lösungsvorschlägen. Die Vielfalt der Entwürfe und das Prozedere selbst brachten dabei neue, zuvor unberücksichtigte Aspekte ans Tageslicht und erlaubten es der Ausloberin im weiteren Prozess, Prioritäten zu schärfen und die Aufgabenstellung entsprechend zu spezifizieren.

Positiv anzumerken ist auch, dass die Zeit zwischen Wettbewerb und VOF-Verfahren produktiv genutzt wurde, um die interessierte Öffentlichkeit ausführlicher über die Entwürfe und den weiteren Fortgang zu informieren. Das öffentliche Hearing im März sei hier beispielhaft genannt.

Dann bleibt, natürlich, der Entwurf selbst. Auf den ersten Blick, so mag man meinen, ist der vorgesehene Monolith nichts anderes als ein Kompromiss – sowohl in städtebaulicher als auch in architektonischer Hinsicht. Weder bricht der Kubus in den Weimarhallenpark ein noch drängt es ihn in die Stadt. Schlicht, gefällig und unaufgeregt wirkt er nach außen; dem Wunsch nach Spektakulärem mag er so gar nicht entsprechen.

Dass der minimalistische Quader aufgrund seiner Einfachheit umstritten sein wird, vermutete Heike Hanada bereits zum Zeitpunkt seiner Präsentation. Das Festhalten an der kompromisslos klaren Form ist insofern mutig, der Entwurf durchaus kühn. Und im Kontext des diffizilen Umfelds scheint er angebracht. Thüringens Kulturminister Christoph Matschie ist gar überzeugt, dass er „die Spannungen in Weimar am produktivsten nutzt“. Dies gelingt dem streng geometrischen Körper vor allem durch seine Höhe. Mit knapp zwanzig Metern wird das benachbarte Landesverwaltungsamt leicht überragt und eine imaginäre Brücke zum Neuen Museum geschlagen. Dank dieser markanten Präsenz im Stadtbild kann die Idee eines „Tors zum neuen Weimar“, wie es Heike Hanada formulierte, aufgehen.

Im Gebäudeinneren offenbart sich schließlich der Grundgedanke des Entwurfs – die Orientierung zum Park. Über kaskadenartig angeordnete doppelgeschossige Lufträume sowie parallel zur Hangkante gesetzte Treppen soll sich das Landschaftserlebnis in den Ausstellungsräumen fortsetzen. Unterstützt wird dieser Effekt von zwei großen Fenstern auf der Terrassenebene und der des Foyers, die sich zum Park hin öffnen. „Nicht zu überbieten“ ist der Entwurf laut Stiftungspräsident Hellmut Seemann gerade für die Abwicklung musealer Rundgänge. Eine klare Wegeführung, horizontale und diagonale Blickbeziehungen sprechen eine klare Sprache und ermöglichen die leichte Orientierung im Raum.

Viel wird in der Akzeptanz letztlich von der Detailausbildung der Fassaden abhängen. Hier sehen Hanada und Tonnon schmale, opak satinierte Glasstreifen, die horizontal angeordnet sind, vor. Tagsüber soll das hereinfallende Sonnenlicht zwischen der gläsernen Haut und dem inneren Körper für ein stimmungsvolles Bild sorgen. Nachts sollen schmale umlaufende Bänder aus OLED-Folie es dem gleich tun.

„Wenn man mit einer einfachen Figur gewinnen will, muss alles unglaublich gut sitzen“, gab Heike Hanada zu Protokoll. Nicht nur in Weimar wird man die Daumen drücken, dass dies gelingen mag.

Themendossier der Klassik Stiftung, u. a. mit allen 536 Entwürfen der ersten Phase:
www.klassik-stiftung.de/service/presse/

Björn Radermacher

veröffentlicht am 20.07.2012 von Björn Radermacher · Rubrik(en): News, Wettbewerbe nach RPW - Ergebnisse

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